Berlin : Der verstoßene Sohn

Hakan Tas kann damit leben, dass er schwul ist. Seine Eltern nicht. Der Türke kämpft für Akzeptanz

Suzan Gülfirat

Er wusste schon damals, dass er nicht heiraten will. Aber Hakan Tas machte im August 1992 trotzdem mit, als 250 gleichgeschlechtliche Paare auf deutschen Standesämtern die Eheschließung beantragten. „Ich wollte selbst entscheiden dürfen, ob oder ob nicht“, sagt der 37-jährige Journalist.

Fast scheint Normalität in das Leben des bekennenden Homosexuellen eingekehrt zu sein, nachdem die rot-grüne Bundesregierung den Wunsch von homosexuellen Paaren nach Gleichbehandlung mit Heterosexuellen etwas näher gebracht hat. Doch im Leben von Hakan Tas ist seit dieser Aktion nichts mehr so wie es einmal war. Türkische Zeitungen entdeckten ihn unter den Teilnehmern und titelten: „Erster türkischer Homosexueller, der einen Mann heiraten will.“ Seitdem redet sein Vater nicht mehr mit ihm. Seine Mutter kann er nur besuchen, wenn der Vater nicht zu Hause ist. Bis heute bekommt er ihre Hoffnung zu spüren, dass der einzige Sohn wieder „normal“ wird. Doch der Berliner kämpft lieber dafür, dass auch Homosexualität unter Türken einmal als normal gilt. Mit seinem Verein „Gays & Lesbians aus der Türkei“ (GLADT e.V.) organisiert er den ersten Bundeskongress türkeistämmiger Homosexueller vom 7. bis 9. November im Rathaus Schöneberg. 200 Teilnehmer aus ganz Europa haben sich angemeldet. Der neue Landesbeirat für Ausländerintegration will jetzt übrigens noch einen „ Homosexuellen- und Transgender-Vertreter“ aufnehmen – alle denken dabei an Hakan Tas.

„Egal ist es mir nicht, dass meine Eltern mich nicht so akzeptieren wie ich bin, aber ich kann damit leben“, sagt er. Immerhin akzeptieren ihn die drei Schwestern, und auch die Verwandten werden offener. In seinem Verein, den er vor einem halben Jahr gründete, gehen täglich E-Mails von türkischen Homosexuellen ein. Einige sollen zwangsverheiratet oder in die Türkei geschickt werden, nachdem ihre sexuelle Orientierung bekannt wurde. Schwule Familienväter fragen, wie sie sich aus ihrer Situation befreien können. „Genauso gibt es schwule Männer , die in die Moschee gehen und blöd angemacht werden“, sagt er.

Mehr Infos zum Thema unter:

www.miles.lsvd .de/bundeskongress.de

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