Deutschands teuerste Wohnung : Ein Quadratmeter an der Spree für 25.000 Euro

25 000 Euro Kaufpreis – pro Quadratmeter. Das bezahlt man für das angeblich teuerste Apartment Deutschlands. An der Spree, dort wo früher der Friedrichstadt-Palast stand, kann man umgeben von Marmor und Platin leben.

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Im Schatten von Bertolt Brecht. Das neue Haus am Platze ist fertig.
Im Schatten von Bertolt Brecht. Das neue Haus am Platze ist fertig.Foto: Thilo Rückeis

Natürlich stürzt sich der Pressepulk zuerst auf „Deutschlands teuerstes Luxus-Apartment“ im achten Stock des neuen und beachtenswerten Hauses „Yoo Berlin“ rechts neben dem Berliner Ensemble.

Hier stand früher der Friedrichstadt-Palast, heute hat die deutsch-schweizerische Peach-Property-Gruppe ein Luxus-Wohnprojekt ans Ufer der Spree bauen lassen. Eike Becker, der Berliner Architekt, nennt das ganze Ensemble mit edlen Wohnungen, Büros und Hotel Leonardo „Zirkus Berlin“, „Am Zirkus 1“ war die Adresse von Hans Poelzigs „Großem Schauspielhaus“. Und nun nimmt, endlich, der attraktiv und dynamisch gegliederte Bau, der wie ein Kristall wirken soll, den bislang öden und leeren Raum zwischen Berliner Ensemble und Friedrichstraße ein.

Concierge und Architektin

Eine solitäre, fulminante Position, sagt Eike Becker. Edel, edel. Aber wenn man am Concierge vorbei zum Lift geht und in den 8. Stock fährt, dann werden zunächst die hohen Erwartungen gedämpft. Allein die kahlen cremefarbenen Wände dürfen bestaunt werden und die Ausmaße der Zehn-Raum-Wohnung mit einer Fläche von 232 Quadratmetern plus 40 Quadratmeter Terrasse und einer Spannweite von 22 Metern. Wer das kauft, zahlt für den Quadratmeter 25.000 Euro, macht 6,25 Millionen Euro. Und er darf sich der Hilfe von Nadia Kayat sicher sein, einer jungen Eidgenossin, die die Neuerwerbung als Architektin ausstattet. Wer möchte, erhält seinen Fitnessraum oder einen Wasserfall. „Hier ist der Raum des Luxus, es ist der Panorama-Blick über die Metropolen-Skyline, vor allem aber der Kontext der Wohnung selbst“. Das bedeutet: „Mit edlen Materialien wie Platin, Holz, Marmor, Bronze und einer hohen Detailgenauigkeit wollen wir quasi für die Bewohner ein modernes, maßgefertigtes Stück Kunsthandwerk erlebbar machen“. Ein paar Fotos von Entwürfen zeigen schon mal, wie das aussehen könnte: Wohnlandschaften, Pianoforte, Kaminfeuer und so teuer weiter. Gratis gibt es die Lage und den Blick gen Westen in die Häuser der Marienstraße, in die BE-Kantine, ins Haus-und-Hof-Gewirr der Friedrich-Wilhelm-Stadt und zur Reichstagskuppel, hinter der abends die Sonne in den Westen entschwindet.

80 Quadratmeter für eine Million ist das billigste

Ansonsten aber gibt es den Rest des Hauses eine Nummer kleiner, vier Wohnungen sind noch zu haben, 90 sind verkauft, die Hälfte für deutsche Interessenten, die anderen an Ausländer aus 17 Nationen, von China bis in die USA. Der Durchschnittspreis liegt bei 7000 Euro pro Quadratmeter, die kleinste Wohnung kostet 895 000 Euro, 80 Quadratmeter sind hier eine Million Euro wert.

Seit die Gerüste um das neue Haus gefallen sind, ist auch der Bertolt-Brecht-Platz frei, und leider auch frei von Ideen seltsam spartanischer Parkgestalter, die sogar die wenigen Bänke rund um Bertolt Brechts Denkmal wegrationalisiert und einen hässlich-unwirtlichen Platz hinterlassen haben. Auch der große B.B. sitzt wieder auf seiner Bank und blickt gütig auf seine in Stein gehauenen Fragen eines lesenden Arbeiters: Wer baute das siebentorige Theben? Hatte das vielbesungene Byzanz nur Paläste für seine Bewohner?

Die Jünger von Bert Brecht

Apropos Palast: Berlin wäre nicht Berlin, wenn nicht sogleich jemand seinen Kommentar zu der neuen, teuren Perle an der Spree äußerte. Und zwar mit schwarzer Farbe auf einer Plane, die die letzten Bauarbeiterzäune verdeckt, direkt hinter dem Rücken von Bert Brecht. In großen Lettern steht dort, auch aus den Werken des Meisters: „Außer diesem Stern dachte ich ist nichts, und er ist so verwüstet, er allein ist unsere Zuflucht, und die sieht so aus“. Das Zirkus-Haus beflügelt die Jünger des Dichters, auch noch lange nach seinem Tode. Jetzt sitzt er zwischen jungen, staksigen, gerade erst gepflanzten Ginkgo-Bäumen, seinem Theater-Tempel und diesem neuen „Zirkus“-Stern als Domizil für die Reichen und die Schönen. Kein Neid! Das verrückte Berlin hat Platz für (fast) alle.

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