Deutsche Bahn : Konzern redet Gewinne der Berliner S-Bahn klein

Die Deutsche Bahn investiere viel Geld in die Berliner S-Bahn. Das hat Bahnchef Rüdiger Grube in den jüngsten Skanalen stets zur Verteidigung des Mutterkonzerns angeführt. Doch die Darlehen zahlt die Berliner Tochter ohnehin zurück – und wirft trotzdem noch viel Geld ab.

Stefan Jacobs

Wann immer die stetig steigenden Millionengewinne der S-Bahn kritisiert wurden, konterten die Manager des Bahnkonzerns DB mit einem Kernargument: Man habe schließlich seit den 90er Jahren mehr als eine Milliarde Euro vor allem in die neuen Züge von Bombardier investiert. „Das ist weitaus mehr, als sie (die DB) an Gewinnen zurückerhalten hat“, erklärte beispielsweise Konzernchef Rüdiger Grube vor einer Woche. Was er nicht sagte: Das eine hat mit dem anderen gar nichts zu tun. Die für 2008 ausgewiesenen 56,3 Millionen Euro Gewinn der S-Bahn Berlin GmbH wurden keineswegs zur Rückzahlung des vom Mutterkonzern gewährten Darlehens gebraucht, sondern kamen obendrauf. Das zeigt ein Blick in die Bilanz.

Die Aufstellung enthält auch die Summen, die die S-Bahn an andere DB-Konzernteile überweisen musste. So stieg der Preis für die Nutzung von Trassen und Bahnhöfen binnen drei Jahren von 217 auf 247 Millionen Euro. Kassiert wurden diese Gebühren von den Bahntöchtern DB Netz/Fahrweg und DB Personenbahnhöfe. Zu deren Jahresgewinnen 2008 von 670 bzw. 262 Millionen Euro dürfte die S-Bahn also einiges beigetragen haben – zumal die Trassenpreise in Berlin um 25 Prozent über denen von Hamburg und 50 Prozent über denen von Frankfurt am Main liegen, wie Hans-Werner Franz kürzlich im Verkehrsausschuss des Parlaments berichtete. Der Geschäftsführer des Verkehrsverbundes VBB hält die Gebühren für überzogen und „systemwidrig“. Dagegen hat die Bahn die Mehrkosten mit dem relativ teuren Berliner S-Bahn-System begründet. Der VBB verlangt von dem Konzern nun Auskunft über die Verwendung des Geldes – angesichts des desolaten Zustandes vieler Stationen. Alles in allem verblieb von den 569 Millionen Gesamtkosten der Berliner S-Bahn 2008 reichlich die Hälfte im DB-Konzern. Wobei der Anteil dieses Postens von Jahr zu Jahr um etwa ein Prozent stieg. Dieser Betrag von zuletzt 288 Millionen Euro enthält auch eine ebenfalls jährlich gestiegene „Management-Umlage“; im Jahr 2008 lag sie bei 24,7 Millionen Euro. Die darin steckenden Gehälter der vier Geschäftsführer sind nicht mehr einzeln ausgewiesen, lagen aber in den Jahren davor in ihrer Summe jeweils deutlich unter einer Million Euro. Nach Auskunft eines Bahnsprechers werden mit der Umlage „beispielsweise Leistungen des Rechtsdienstes, der Kommunikationsabteilung, der Sicherheitsabteilung und der Abteilungen für Tarifpolitik“ finanziert, die der Konzern für die S-Bahn erbringt.

Die S-Bahn gehört zur DB Regio AG, mit der laut Bilanz ein „Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag“ besteht. Die stetig wachsenden Gewinne landeten also in dem Konzernbereich, den bis vor kurzem Ulrich Homburg leitete. Erst im Juni stieg Homburg zum Konzernvorstand für Personenverkehr auf und präsentiert sich jetzt als schonungsloser Aufklärer des S-Bahn-Desasters. Die Verkehrspolitiker im Abgeordnetenhaus haben sich ebenso wie Verkehrssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) skeptisch geäußert, ob Ulrich Homburg der Richtige dafür ist.

Im Parlament verabschiedeten SPD und Linke am Donnerstag einen Dringlichkeitsantrag, in dem die Bahn zur Abkehr vom radikalen Sparkurs, zur Entschädigung aller Betroffenen und zur Suspendierung der Verantwortlichen aufgefordert wird. Zugleich soll der Berliner Senat den Verkehrsvertrag unverzüglich so nachverhandeln, dass das Land seine Jahreszahlung von 230 Millionen Euro um mehr als die bisher möglichen fünf Prozent kürzen kann und dass der Kundenschwund durch das S-Bahn-Desaster nicht zu Einbußen bei anderen VBB-Mitgliedern wie der BVG führt.

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