DFB-Ticket statt Hertha-Karte : Piraten haben ihre eigenen Verhaltensregeln

Bei VIP-Tickets macht der Pirat einen feinen Unterschied: Karten für das Pokalfinale nahm die Fraktionsspitze an, Freikarten für Hertha BSC nicht.

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Eine Nussschale mit einem Parteifähnchen.
Eine Nussschale mit einem Parteifähnchen.Foto: dpa

Karten vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) für das Pokalfinale am Sonnabend hat die Fraktionsspitze der Piranten gern angenommen. Auf Freikarten für Hertha BSC dagegen verzichten die Piraten. Begründung laut eines Beschlusses der Fraktion von Anfang 2012: Die Annahme von Freikarten sei zwar nicht strafbar, aber fragwürdig. Und sollte es „zu unseren repräsentativen Pflichten als Abgeordnete gehören, an Hertha-Spielen oder Konzerten der Philharmonie teilzunehmen“, werde man die Karten aus eigener Tasche bezahlen. Offenbar Ausnahme: ein DFB-Pokalfinalspiel – ohne Hertha-Beteiligung.

Fraktionschef Martin Delius und Heiko Herberg, parlamentarischer Geschäftsführer der Fraktion, saßen am Samstag jedenfalls mit den Fraktionschefs der Grünen, Ramona Pop und Antje Kapek, Hakan Tas von den Linken sowie der Sportausschuss-Vorsitzenden Karin Halsch (SPD) auf der Tribüne. Die Vorsitzenden aller Fraktionen erhielten ein Ticket und konnten das an Fraktionskollegen weitergeben - wie zum Beispiel Piraten-Kofraktionschef Alexander Spies, ein erklärter Nicht-Fußballfan, der die Eintrittskarte an seinen Geschäftsführer Herberg gab.

Herberg wiederum ist Fußballfan, Besitzer einer Dauerkarte für Hertha in der Ostkurve und kein allzu großer Freund vom Pokalsieger Bayern München. „Lustig“ sei es am Sonnabend im Block C3 direkt neben der Ehrentribüne und mit vielen Dortmund-Fans gewesen. Auf der Ehrentribüne habe man als „gemeiner“ Berliner Parlamentarier angesichts der Vielzahl von CSU-Politikern aus Bayern ohnehin keinen Platz mehr gehabt. Gesichtet wurden dagegen auf der Tribüne der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD), Sportsenator Frank Henkel (CDU) und Parlamentspräsident Ralf Wieland (SPD). Die Fraktionschefs Raed Saleh (SPD) und Florian Graf (CDU) waren nicht beim Pokalfinale.

Verhaltensregeln für Abgeordnete 2012 geändert

Die Diskrepanz zwischen dem Piraten-Fraktionsbeschluss, keine Hertha-Karten anzunehmen, dafür aber eine DFB-Karte, erklärt Herberg so: Erstens mache der Fraktionsbeschluss keinen Sinn mehr, da die damalige „Grauzone“ durch Änderung des Landesabgeordnetengesetzes behoben worden sei. Zweitens habe man Beschlüsse auch aus „politischer Naivität“ als Newcomer im Parlament gefasst.

In der Tat wurden die Verhaltensregeln für Abgeordnete 2012 geändert, nachdem ein Gutachten des wissenschaftlichen Parlamentsdienstes Grauzonen beschrieben hatte. Nicht als Spenden gelten jetzt unter anderem der freie Eintritt zu Veranstaltungen, wenn der Parlamentarier mit der Teilnahme an der Veranstaltung „einer repräsentativen Verpflichtung nachkommt oder die Teilnahme der Ausübung seines Mandats dient“. Dazu zählen Karten für Kultur- und auch Sportveranstaltungen.

Nach Auskunft des Abgeordnetenhauses stellt Hertha pro Heimspiel 22 Karten zur Verfügung, die über das Referat Protokoll nach Fraktionsstärke verteilt werden. Nicht genutzte Karten werden zurückgegeben.

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