Die BSR und das Herbstlaub : Laub-Sündern auf der Spur

Die Blätter aller Berliner Bäume füllen 2200 Güterwagons. Die Stadt wird jetzt mit Laubsaugern und gar Schneepflügen poliert. Manch einer kippt Müll aber einfach vor die Tür.

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Mit Saugern geht die Stadtreinigung gegen das Laub vor.
Mit Saugern geht die Stadtreinigung gegen das Laub vor.Foto: dpa

Schwupps, hat ja keiner gesehen. Nach diesem Motto verfahren derzeit etliche Berliner und Brandenburger – und fegen einfach ihr Herbstlaub aus dem Garten raus aufs öffentliche Straßenland. So wollen sich Eigenheimbesitzer Kosten und Mühen der Entsorgung sparen – doch die Berliner Stadtreinigungsbetriebe meinen, dieses Verhalten sollten sich lieber die Gartenbesitzer sparen, das ist nämlich illegale Verschmutzung des Straßenlandes. Die in Berlin insgesamt 1700 Mitarbeiter der Straßenreinigung im Laubeinsatz bei der BSR haben mit den Blättern, die von den Bäumen schweben, schon genug zu tun. Vergangenen Herbst fegten und saugten die Stadtreiniger allein 110 000 Kubikmeter Laub von Berlins Plätzen und Straßen. Macht umgerechnet 2200 Güterwagons mit Biomüll.

Laubsauger kommen überall hin

„Damit unsere Leute in den Außenbezirken an Parkbuchten und Bordsteinkanten effizienter arbeiten können, stellen wir dort Schilder auf mit der Bitte, das Auto kurzfristig umzuparken“, sagt BSR-Sprecher Sebastian Harnisch. Wäre schön, wenn die Anwohner das beherzigen würden, so der Appell. In der Innenstadt könne man so was angesichts der Parkplatznot eher nicht machen. Die Kräfte fegen die Gehwege manuell mit Besen oder sie starten auch ihre benzinbetriebenen Laubbläser. Die kommen laut BSR auch in Ecken, wo der Besen wenig anrichten könne. In der Großstadt wird mit dem Laub auch Hundekot, Taschentücher oder Zigarettenkippen über eines der 75 Berliner Laubsaugegeräte auf die Ladeflächen befördert. Und Autokäufervisitenkarten? Ja, diese Plastikkärtchen, die viele einfach abnehmen und fallenlassen, nerven nicht nur Autobesitzer.

Auf der Straße saugen BSRler in Kehrmaschinen alles ein oder schieben in Pritschenfahrzeugen mit Schneeflug vorne dran große Haufen zusammen. Berlinweit setzt die BSR gerade 540 Fahrzeuge, sogar Ladekranwagen, zum Abräumen ein. In Grünanlagen oder auf Schulhöfen ist der Herbstputz aber Sache der Bezirke.

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Ab in die Großkompostieranlage

Die herbstlichen Hinterlassenschaften der rund 430 000 Berliner Straßenbäume karren die BSR-Laster zunächst auf die Reinigungshöfe – und von dort wird das Laub von insgesamt acht Großkompostieranlagen in Brandenburg wie „Reterra“ in Trappenfelde abgeholt. Und, was bekommt die BSR so für ein Kilo abgeliefertes Biogut? Nichts, im Gegenteil, sagt BSR-Sprecher Harnisch. Weil die industrielle Kompostierung den Unternehmer mehr kostet als der Verkauf des Komposts später einbringt, muss die BSR sogar noch was fürs Abgeben bezahlen.

Soweit der Herbstputz in Verantwortung des Staates. Bei kleinen privaten Mengen von der Dachterrasse oder dem Balkon steht für Mieter die Biotonne im Hof parat.

BSR-Laubsack wird gratis entsorgt

Fürs Garten winterfit machen ist jeder Eigenheimbesitzer selbst zuständig, und da bietet sich statt des unsolidarischen Auf-die-Straße-Fegens der Laubsack der BSR an. Der kann laut Sebastian Harnisch auf einem der 15 Recyclinghöfe erworben werden. Der Müllsack für Laub und Strauchschnitt kostet vier Euro und kann für die Gratis-Entsorgung einfach an den Straßenrand gestellt werden. Die BSR bittet darum, die Säcke aber nicht an Laternen oder Bäume zu lehnen. Da können sie einreißen oder dienen als Pinkelpausenmagnet. Man kann sich aber auch selbst die Mühe machen und den gefüllten 90-Liter-Laubsack selbst zum Recyclinghof fahren, dann gibt es pro maximal mit 25 Kilogramm beladenem Transportsack einen Euro retour - was auch manche ausnutzen.

So einen verantwortungsvollen Einsatz eines Gartenfreundes wünschen sich auch viele Förster, Naturschutzbehördenmitarbeiter und Waldbesitzer im Berliner Umland. Etwa in Teltow, wo jetzt in der Herbstzeit etliche Umweltsünder einfach privaten Müll und Gartenabfälle auf Felder und in Wälder kippen. Die Stadt Teltow hat sich dabei gemeinsam mit der Oberförsterei Potsdam da zur Mahnung was einfallen lassen. „An dieser Stelle dürfen Sie über das Abladen von Gartenabfällen und Müll nochmal nachdenken“, steht jetzt auf Schildern. Der nette Appell ans Gewissen wird laut der Initiatoren sogar gehört. An einem Standort mussten die Behördenmitarbeiter aber erstmal „einen sich auftürmenden Abfallberg von etwa 32 Kubikmetern“ entsorgen, um Platz fürs Schild zu haben. Auch Firmen entsorgen teils illegal.

Im Herbst viel Baumschnitt

Auch in Berlin haben es die Recyclinghöfe der BSR mit Saisonware zu tun. Während im animierenden Frühjahr und im lichthellen Sommer eher entrümpelte Altlasten wie Sperrmüll und Elektroschrott aus Dachboden und Keller sowie Malerabfälle reinkommen, ist es im Herbst eher Baumschnitt und Laub, bestätigt der BSR-Sprecher Harnisch. Es sind auch schmetterlingspuppenversetzte Blätter – damit die Kastanien nicht noch mehr die Motten kriegen.

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