Berlin : Die Gartenpiraten von Friedrichshain

Nachbarschafts-Projekt ist von Räumung bedroht

Laura Wieland
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Aktiv. Frauke Hehl setzt sich für den Nachbarschaftsgarten ein. Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Zwei Gartenzwerge und ein Plastikfrosch bewachen das „Kinderbeet“ im Nachbarschaftsgarten „Rosa Rose“. Wo früher Kühlschränke, Fernseher, alte Kleider und Hundehaufen herumlagen, werden heute Kräuter, Salat und Möhren angebaut, wachsen Apfel-, Birn- und Ginkgobäume. Noch zumindest, denn die Rote Rose in der Friedrichshainer Kinzigstraße ist illegal und soll demnächst geräumt werden.

Seit vier Jahren wird das brachliegende Grundstück von Anwohnern als Garten genutzt, ohne dass sie dafür eine Genehmigung haben. „Guerilla-Gärtnern“ heißt das Phänomen – manche ziehen den Begriff „Gartenpiraterie“ vor. Doch die Nutzer der Rosa Rose sind alles andere als militant: Mehrfach hatten sie versucht, ihre Pflanzungen auf der Freifläche zu legalisieren. Sie gingen auf Zwangsversteigerungen und bemühten sich um Zwischennutzungsverträge. Von den für das insolvenzverwaltete Gelände zuständigen Behörden und Banken erhielten sie keine Reaktion. Vorigen Sommer wurde das Grundstück dann an den Meistbietenden verkauft. Der neue Eigentümer will räumen lassen, hat aber angeboten, bei der Umsiedlung des Gartens behilflich zu sein.

Die Anwohner lehnen ab. „Es geht nicht nur um einen Garten, da hängt eine ganze Nachbarschaft dran“, sagt Frauke Hehl, eine der Aktivisten. „Die Hundebesitzer, die hier herkommen, und die Frauen mit ihren Kinderwagen können nicht kilometerweit laufen, um eine Grünfläche zu besuchen.“ Mit dem Garten verbinden die Initiatoren des Projekts Gemeinsinn, Nachhaltigkeit und Bürgerengagement. Es werden Kinder- und Grillfeste gefeiert, Theaterstücke aufgeführt und Filme auf die Brandmauer des denkmalgeschützten Hauses „Kinzig 9“ projiziert. Im Garten werden Basketball, Tischtennis und Federball gespielt. Sogar für eine WLAN-Verbindung wurde gesorgt. „Der Garten ist offen für alle. Jeder kann ihn benutzen“, sagt Hehl.

„Rosa Rose ist ein vorbildliches und sehr erfolgreiches Projekt der Nachbarschaftsaktivierung“, findet auch der Bezirksbürgermeister von Friedrichshain- Kreuzberg, Franz Schulz (Grüne). „Es ist eine grüne Oase in diesem hoch verdichteten Quartier.“ Friedrichshain habe nicht nur eine hohe Bebauungsdichte, sondern auch die höchste Feinstaubbelastung innerhalb Berlins, ergänzen die Hobbygärtner. Der Bedarf an Ausgleichsflächen erschließe sich daher von selbst.

Auch Franz Schulz ist der Meinung, dass man den Gemeinschaftsgarten nicht einfach so verpflanzen könne. Der Bezirksbürgermeister hatte daher am vorigen Mittwoch versucht, zwischen dem neuen Eigentümer und den „Rosa Rose“-Gärtnern zu vermitteln – ergebnislos. Gestern fuhren die Aktivisten zum Privathaus des neuen Besitzers, um für den Erhalt ihrer Fläche zu demonstrieren. Derweil möchte Frauke Hehl die angrenzende Brandmauer in der Kinzigstraße mit einem neuen Spruch bemalen lassen. Er lautet: „Eine andere Welt ist pflanzbar. Rosa Rose bleibt.“ Laura Wieland

Mehr Infos über das Projekt findet man unter www.rosarose-garten.net. Dort gibt es auch eine Unterschriftenaktion.

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