Berlin : Die Givebox wackelt

Das Bezirksamt ist gegen den Gratis-Trödelmarkt im Miniformat in der Kreuzberger Falckensteinstraße

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Was reintun, was rausnehmen. So sieht die Givebox in Kreuzberg aus. Foto: Laura Stresing
Was reintun, was rausnehmen. So sieht die Givebox in Kreuzberg aus. Foto: Laura Stresing

Die Idee löste überall Begeisterung aus – und droht nun an bürokratischen Hürden zu scheitern: Die sogenannte Givebox in der Falckensteinstraße soll verschwinden. „Klasse Idee – leider schlecht umgesetzt“, stand in einem Schreiben vom Bezirksamt Kreuzberg, das am vergangenen Freitag an der Pinnwand der Givebox hing. Der „Aufsteller bzw. Betreiber“ wurde darin gebeten, die telefonhäuschengroße Box samt Inhalt bis Montag zu entfernen, sonst werde sich das Ordnungsamt darum kümmern.

In der kreativ gestalteten Geschenkebox kann man gebrauchte Sachen hinterlassen, um sie zu verschenken oder gegen Neues einzutauschen – ein Gratis-Trödelmarkt im Miniformat. Das Nachbarschaftsprojekt soll Nachhaltigkeit und Gemeinschaftssinn fördern. Ende August war die erste Givebox in der Steinstraße in Mitte aufgestellt worden. Bei Anwohnern und Passanten hat die Initiative viele Fans gefunden, etwa in Prenzlauer Berg. Die Macher, die sich vor allem über das soziale Netzwerk Facebook organisieren, reagierten deshalb irritiert auf die Abmahnung des Kreuzberger Bezirksamtes und wollen jetzt verhandeln.

Der Aufbau ohne „Sondernutzungserlaubnis“ stelle eine Ordnungswidrigkeit dar, sagt das Bezirksamt. Man solle einen neuen, abschließbaren Standort suchen, eine Genehmigung beantragen und einen Verantwortlichen benennen. Der war schnell gefunden: Andreas Richter, einer der Erbauer der Box in der Falckensteinstraße, bot sogar an, die Givebox umzusetzen. Dass es angeblich Beschwerden aus der Nachbarschaft gegeben haben soll, ist für ihn schwer nachvollziehbar. „Gerade die haben die Givebox aktiv unterstützt“, sagt er.

Bezirksstadtrat Hans Panhoff signalisiert inzwischen Offenheit. „Die Idee ist uns ja auch sympathisch“, sagt er. Der Standort auf einer Baumscheibe sei aber ungünstig gewählt gewesen. In den nächsten Tagen werde man sich um eine Lösung bemühen. „Wir werden diese Box nicht sofort am Montag in Schutt und Asche legen“, versichert Panhoff. Gleichzeitig macht er deutlich: „So geht das nicht. Plötzlich war diese Box da und keiner wusste, wer der Betreiber ist.“ Im Klartext heißt das: Alle Giveboxen in Berlin stehen auf wackeligen Beinen. Laura Stresing

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