Die hässlichsten Bauten von Berlin : Ist das Architektur, oder kann das weg?

Alexa, schmutzige Platten und Spree-Dreieck. Star-Architekt Daniel Libeskind kritisierte jüngst Berliner Gebäude als "charakterlos". Wir haben Berlins hässlichste Gebäude zusammengetragen.

Platz 1: Das Alexa. Ein Klotz in Schweinchenrosa. „Hässlich“ – So lautete die Reaktion des Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit beim Anblick des Alexa. Sogar noch aus der Ferne, vom Dach des Hauses des Lehrers, löst das schweinchenrosafarbene Kaufhaus am Alexanderplatz Aggressionen aus. Gingen deshalb Scheiben zu Bruch, als die Massen die Läden stürmten bei der Eröffnung des Baus um Mitternacht am 11. September 2007? Wie von einem anderen Stern – oder jedenfalls aus einer anderen Region – wirkt auch die Hülle des Gebäudes: Anspielungen auf mediterrane Bautraditionen sind erkennbar, der Architekt kommt aus Portugal und heißt José Quintela da Fonseca. Genehmigt hatte das polarisierende Projekt der nicht minder umstrittene frühere Senatsbaudirektor Hans Stimmann. Der sonst für Sandstein und Traufhöhe streitende Mann aus Lübeck hatte das Rot gesehen und für gut befunden, weil auf dem Baugrundstück bis zum Krieg die „Rote Burg“ stand, die zentrale Polizeipräsidium der Stadt. Weil aber die Zeit Wunden heilt und Farben aus Fassaden auswäscht, ist Rosé bald schon Burgunder.Weitere Bilder anzeigen
Foto: Doris Spiekermann-Klaas
03.02.2015 16:15Platz 1: Das Alexa. Ein Klotz in Schweinchenrosa. „Hässlich“ – So lautete die Reaktion des Regierenden Bürgermeister Klaus...

Er hat es wieder getan. Einen Abgesang auf die Stadt, ihre Neubauten und Plätze hat Daniel Libeskind im Tagesspiegel angestimmt, so wie vor mehr als 20 Jahren, als der Architekt schon einmal eine Zeit lang in Berlin gelebt – und keine Aufträge bekommen hatte. Damals legte er sich mit dem mächtigen Senatsbaudirektor Hans Stimmann an und baute dann doch: eines der meistbesuchten Gebäude Berlins, das Jüdische Museum. Und was kommt jetzt?

„Lächerliche Inseln“ seien in Berlin entstanden, am Hauptbahnhof etwa, wo „Gebäude ohne Charakter, ohne Ideenreichtum“ stehen. „Instrumentalisierte Bürokratie in der Planung“ sieht Libeskind am Werke. Als Chefkritiker löst er Hans Kollhoff ab. Der war vor 20 Jahren gut im Geschäft, fiel dann in ein Loch und allenfalls durch Bauten in Holland auf. Kollhoff, der den Masterplan für den Alexanderplatz entwarf, nannte diesen Platz „eine primitive Angelegenheit“. Die „Profitgier“ sei dort am Werke. Nun ist er verstummt und wieder im Geschäft: Er überarbeitet den eigenen Plan mit dem Senat.

Öffentliche Großbauprojekte – ungeplante Mehrkosten
Neuer Hauptstadt-Airport: Entgegen früherer Erklärungen des Aufsichtsratsvorsitzenden Klaus Wowereit und seines Vize Matthias Platzeck (beide SPD) wird das Projekt nun doch drastisch teurer als geplant.Alle Bilder anzeigen
1 von 7Foto: dpa
07.08.2012 12:10Neuer Hauptstadt-Airport: Entgegen früherer Erklärungen des Aufsichtsratsvorsitzenden Klaus Wowereit und seines Vize Matthias...

Mächtig zu schimpfen gehört in Berlin zum guten Ton. So bringt man sich ins Gespräch und ins Geschäft. Spitze ist die Stadt im Wettstreit um die weltweit schlimmsten Bausünden trotzdem nicht. Tabellenführer ist ein Gebäude in Libeskinds Wahlheimat: die Boston City Hall in den USA, ein gedrungener Betonbunker mit Schießscharten-Fenstern. Die in Sachen Geschmacksverirrung traditionell mitspielenden Briten stürmten die Charts mit Londons schwarzem „Strata Tower“.

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Berliner Bauten schafften es nicht in diese Auslese von Reisebloggern. Dabei ist der Baumeisterhype, nicht nur den eigenen Leib, sondern auch Baukörper in Schwarz zu hüllen, auch hierzulande stark im Kommen. Das frühere Philips-Haus gegenüber der Urania setzt als schwarz sanierter Dunkelmann ein ähnlich düsteres Ausrufezeichen wie Londons bestgehasster Neubau. Und es ist nicht das einzige hässliche Haus der Stadt, deren städtebaulichen Grundfeste außerdem „undemokratisch“ geschimpft werden: Weil in Berlin nicht jeder überall so hoch bauen darf, wie er will, sondern Traufhöhe (22 Meter) – und Häuser in der Umgebung des eigenen Grundstücks beachten muss. Das poppige Lipstickbuilding, das in London neben dem traufkantenhohen Bankhaus im viktorianischen Stil steht? Undenkbar hierzulande.

Aber was ist schon schön? Das liegt im Auge des Betrachters. Wo einer schiefe Decken und zerschossene Proportionen als Dekonstruktion der Baugeschichte feiert, verehren andere Stilsicherheit, Symmetrie und Proportionen der Gründerzeit. Wir wagen es trotzdem: Hier unsere Vorschläge für die meistgehassten (und doch geliebten?) Gebäude der Stadt:

Die Top 10 der Berliner Architektursünden
Platz 1: Das Alexa. Ein Klotz in Schweinchenrosa. „Hässlich“ – So lautete die Reaktion des Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit beim Anblick des Alexa. Sogar noch aus der Ferne, vom Dach des Hauses des Lehrers, löst das schweinchenrosafarbene Kaufhaus am Alexanderplatz Aggressionen aus. Gingen deshalb Scheiben zu Bruch, als die Massen die Läden stürmten bei der Eröffnung des Baus um Mitternacht am 11. September 2007? Wie von einem anderen Stern – oder jedenfalls aus einer anderen Region – wirkt auch die Hülle des Gebäudes: Anspielungen auf mediterrane Bautraditionen sind erkennbar, der Architekt kommt aus Portugal und heißt José Quintela da Fonseca. Genehmigt hatte das polarisierende Projekt der nicht minder umstrittene frühere Senatsbaudirektor Hans Stimmann. Der sonst für Sandstein und Traufhöhe streitende Mann aus Lübeck hatte das Rot gesehen und für gut befunden, weil auf dem Baugrundstück bis zum Krieg die „Rote Burg“ stand, die zentrale Polizeipräsidium der Stadt. Weil aber die Zeit Wunden heilt und Farben aus Fassaden auswäscht, ist Rosé bald schon Burgunder.Weitere Bilder anzeigen
1 von 10Foto: Doris Spiekermann-Klaas
03.02.2015 16:15Platz 1: Das Alexa. Ein Klotz in Schweinchenrosa. „Hässlich“ – So lautete die Reaktion des Regierenden Bürgermeister Klaus...

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