Die Hohenzollern von heute : Prinz von Preußen verlangt Geld von Berlin

Ein Zaun ums Schloss Charlottenburg? Die Fähre zur Pfaueninsel stilllegen? Bernd Matthies erläutert, was die Hohenzollern grad so machen. Eine Glosse.

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Das Ja-Wort geben sich Georg Friedrich Prinz von Preußen und Sophie Prinzessin zu Isenburg in Potsdam.
Das Ja-Wort geben sich Georg Friedrich Prinz von Preußen und Sophie Prinzessin zu Isenburg in Potsdam.Foto: dpa

Der Adel ist abgeschafft im republikanischen Deutschland, auch wenn die Regenbogenpresse gern einen anderen Eindruck zu vermitteln versucht. Die Familien mit den großen Namen stellen keine Kaiser und Könige mehr, ihre jeweiligen Oberhäupter sind nicht mehr an Kutsche und Hermelin, sondern an Tweedjacke und SUV zu erkennen, und statt von den Bauern den Zehnten zu erheben, zahlen sie selbst Steuern und versuchen, ihre Latifundien vor dem Verfall zu bewahren.

Das kostet Geld. Man kann also verstehen, dass zum Beispiel die Hohenzollern, die von der sowjetischen Besatzungsmacht nach dem Krieg enteignet wurden, für diesen Umstand entschädigt werden möchten. Neu ist nun, dass Georg Friedrich Prinz von Preußen nicht länger nur von Brandenburg, sondern auch von Sachsen-Anhalt und Berlin Entschädigungszahlungen verlangt, wobei allerhand zusammenkäme: Stadtschloss, Schloss Charlottenburg, die Pfaueninsel ...

Höllisch subjektiv, das Ganze

Die Rechtslage ist klar – aber auch wieder überhaupt nicht. Denn es muss entschieden werden, ob der seinerzeitige Besitzer, Kronprinz Wilhelm, dem Nationalsozialismus „erheblich Vorschub geleistet“ habe. Aber wie misst man Vorschub? Brandenburg hatte schon 1,2 Millionen bereitgelegt, das Verfahren aber im März gestoppt. Nun sind die Gutachter am Zug: Der Australier Christopher Clark ficht für die Hohenzollern und sagt, Wilhelm sei für die Errichtung der Diktatur ohne Bedeutung gewesen; Peter Brandt, auch so ein Schwergewicht, bestätigte für Brandenburg das Gegenteil. Höllisch subjektiv, das Ganze.

Klar ist im Moment gar nichts, nur, dass es nicht um Rückgabe geht. Dass also demnächst jemand einen Zaun ums Schloss Charlottenburg zieht oder die Fähre zur Pfaueninsel stilllegt, ist auszuschließen. Und auch der Hohenzollerndamm bleibt garantiert so, wie er ist.

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