Berlin : Die Kanzlei wartet

Wo der Grüne Wieland jetzt wieder Arbeit findet

Katja Füchsel

Der Wieland? Die Künast? In der Charlottenburger Anwaltskanzlei hat man sich an die Fragen der Besucher gewöhnt, die Antwort fällt entsprechend routiniert aus: Jawohl, sie sind es, aber nein, leider, weder Herr Wieland noch Frau Künast übernehmen neue Mandate. Gisela Thomas, seit 1977 in der Gemeinschaftskanzlei Sekretärin, muss damit leben, dass ihre Chefs regelmäßig in die Politik abwandern. Immerhin: „Mit Hajo Ehrig haben wir ja eine Konstante.“ Da es sich mit der Politik ähnlich wie mit der Ebbe und der Flut verhällt, scheint es einen der Partner nun wieder zurück in die Kanzlei zu spülen: Nach seiner Wahlniederlage in Brandenburg hat der grüne Spitzenkandidat Wieland angekündigt, sich nun vorerst seinem Anwaltsberuf widmen zu wollen. So jedenfalls haben seine Kanzleikollegen heute morgen aus der Zeitung erfahren. „Wir sind jetzt alle sehr gespannt“, sagt Stephan Maigné, der Jüngste im Team.

Rein theoretisch kann Wieland sofort anfangen: Sein leerer Schreibtisch ist staubgewischt, darauf stehen Telefon, Tacker und Diktiergerät bereit. Die Akten seines letzten großen Falls – er vertrat Mitte der 90er die Nebenklage im Mykonos-Prozess – stehen aufgereiht im Regal. Auf den Briefbögen und Kanzleischildern sind sie ohnehin alle noch vereint: Hajo Ehrig, Wolfgang Wieland, Renate Künast, Stephan Maigné. 1975 hatten die Studienfreunde Wieland und Ehrig die Kanzlei in der Richard-Wagner-Straße gegründet, 1982 war dann Renate Künast erst als Referendarin, später als Teilhaberin dazugestoßen. Ins Gehege kamen sich die drei beruflich nie: Ehrig kümmerte sich von Anfang an eher ums Straf- und Familienrecht, Wieland ums Ausländer- und Verfasssungsrecht, Künast ums Vollstreckungsrecht.

Sie mag klein und gemütlich wirken, aber für Künast und Wieland blieb die Kiezkanzlei immer nur zweite Wahl: Gab es politisch etwas zu bewegen, traf man die beiden hier nur selten an – und irgendwann gar nicht mehr: Als Bundesministerin darf Künast auch gar nicht gleichzeitig als Anwältin arbeiten, und Wieland fand im Brandenburger Wahlkampf wohl nicht mehr die Zeit. Wären die Grünen am Sonntag in den Brandenburger Landtag gekommen, könnten sie in der Berliner Kanzlei vermutlich noch lange auf ihren Gründer warten. Nun aber rechnen sie täglich mit ihm. Fehlt also nur noch Renate Künast im Bunde? Maigné lacht ungläubig. „Dann hätten wir allerdings ein Problem.“ Für Renate Künast gibt es im Büro gar keinen Schreibtisch mehr.

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