Die Kolumne von Elisabeth Binder : Eine offene Rechnung abschreiben? Der Groll bleibt

Einmal in der Woche fragen Sie Elisabeth Binder, wie man mit komplizierten oder peinlichen Situationen so umgeht, dass es am Ende keine Verstimmungen gibt: So kann's gehen.

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Tagesspiegel-Kolumnistin Dr. Elisabeth Binder.
Tagesspiegel-Kolumnistin Dr. Elisabeth Binder.Quelle: Tsp

Vor einigen Monaten habe ich für eine Clubkameradin die Rechnung fürs Mittagessen bezahlt. Sie hatte ihre Kreditkarte vergessen und die knapp 50 Euro nicht mehr in bar da. Als ich sie wieder sah, grüßte sie freundlich, erwähnte das Geld aber mit keinem Wort. Ich weiß zwar, dass sie als alleinerziehende Mutter von zwei Kindern auf jeden Cent achten muss, aber das Verhalten stört mich, weil ich finde, dass es in solchen Sachen korrekt zugehen muss. Oder sollte ich ihr die Summe stillschweigend erlassen?

Marie, angepumpt

Ihr Empfinden, dass solche Dinge korrekt gehandhabt werden müssen, ist richtig. Wenn die Kameradin sich in einer Notlage befindet, ist ihre stille Hoffnung, Sie könnten die Leihgabe vergessen, ein psychischer Verdrängungstrick. Sie kann nicht einfach davon ausgehen, dass Sie die Summe als vernachlässigenswert abgeschrieben haben. Ihr die Schuld stillschweigend zu erlassen, scheint naheliegend. Wenn Ihre Großzügigkeit das zulässt, tun Sie es. Allein die Frage zeigt aber, dass es so einfach nicht ist, schon jetzt ist ja ein kleiner Groll vorhanden. Auf Dauer kann das Ihr Verhältnis zur Clubkameradin belasten, das wiederum ist die kleine Summe nicht wert. Sie könnten an das Mittagessen in einem anderen Zusammenhang erinnern, eine besondere Speise hervorheben oder das Ambiente des Lokals. Müssten Sie deutlicher werden, bitten Sie einfach leichthin um einen immateriellen Ausgleich für die Summe, eine Mitfahrt in ihrem Auto zum Beispiel. Oder schenken Sie ihr das Mittagessen zu einem vorgegebenen Anlass.

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Neukölln, Ortsteil Neukölln. Große Güte, was sollen wir denn noch schreiben über Neukölln? Ach, zeigen wir lieber die besten Bilder aus dem hippen/dreckigen/juten, alten Neukölln (je nach Alter und Herkunft).Und stellen zwei knifflige Fragen: In welchem Ortsteil steht das Karstadt am Neuköllner Hermannplatz? Genau, in Kreuzberg (der Bürgersteig ist die Grenze, das überragende Dach gehört zu Neukölln). Und wer sind die beiden Figuren in der Mitte? Das "tanzende Pärchen" steht dort seit den 80ern, erschaffen wurde es von Joachim Schmettau und drehte sich früher sogar mal. Moment: Joachim Schmettau ... Schmettau? Ja, genau, das ist auch der Mann vom markanten Wasserklops am Europa-Center.Weitere Bilder anzeigen
1 von 96Foto: Kitty Kleist-Heinrich
14.01.2016 08:38Neukölln, Ortsteil Neukölln. Große Güte, was sollen wir denn noch schreiben über Neukölln? Ach, zeigen wir lieber die besten...
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