Berlin : Die Last des türkischen Mannes

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ER BEGRIFF

Wenn auch nicht jede Verletzung des Ehrgefühls mit einem Mord endet, bestimmen die zentralen Werte türkischen Lebens, die Ehre („Namus“), Achtung („Saygi“) und Würde („Seref“), das Leben vieler türkischer Familien auch in Berlin. Um die Ehre zu bewahren, muss der Mann für die Familie sorgen, sie gegen Angriffe verteidigen und die sexuelle Integrität der Frauen in der Familie gewährleisten. Die Frau darf gewisse Regeln zum Schutz ihrer Keuschheit nicht verletzen.

DIE FOLGEN

Der Mann muss gesellschaftlich dafür geradestehen, wenn die Tochter sich nicht der Konvention entsprechend kleidet, sich im Umgang mit Männern „unehrenhaft“ verhält oder gar mit einem Mann durchbrennt, wenn seine Frau ihn betrügt, aber auch, wenn er schwere Beleidigungen ohne eine Reaktion hinnimmt. In der Türkei richten sich selbst viele Männer, die sich als progressiv bezeichnen, nach diesen Regeln – aus Angst vor gesellschaftlicher Ausgrenzung. Oft wird dem Entehrten seine „Schwäche“ bei jeder Gelegenheit vorgeworfen. Er wird nicht für voll genommen, seine Frau und die Tochter werden belästigt. Ehre bezieht sich allerdings nicht nur auf Beziehungen, sondern erstreckt sich auf viele Bereiche, etwa den Schutz des Eigentums.

DIE OPFER

Die Frauenorganisation Terre des Femmes schätzt die Zahl der Mädchen und Frauen, die weltweit im Namen der Ehre ermordet werden, auf jährlich 5000.suz

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