"Die Partei" : Martin Sonneborn macht Wahlkampf mit allen Mitteln

Die Satire-Partei „Die Partei“ provoziert. Mit eigenen Plakaten – und mit der Beschädigung fremder. Wahlkämpfer riskierten sogar Strafanzeigen

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Martin Sonneborn peitscht seine Anhänger auf dem Oranienplatz ein.
Martin Sonneborn peitscht seine Anhänger auf dem Oranienplatz ein.Foto: dpa

Radikal-Satire: Direkt auf dem Kreuzberger Oranienplatz hat die Satire-Partei „Die Partei“ am Dienstag ein Großplakat enthüllt. Angelehnt an das berühmte Bild von Marx, Engels, Lenin und Stalin blicken darauf vier Politikerinnen der Partei in, na ja, die Zukunft. „Bla bla. Wenn Sie uns wählen, lassen wir die 100 reichsten Deutschen umnieten“, steht darauf. „Provokant genug für die Presse“, meint Helena Barbas, die selbst auch auf dem Plakat zu sehen ist und für die Partei, die trotz ihres parodistisch-satirischen Charakters zur Bundestagswahl zugelassen ist, als Direktkandidatin antritt. Schwedische und polnische Fernsehteams, etliche Fotografen und Nachrichtenagenturen scheinen ihr recht zu geben.

Radikal-Satire mit Großplakaten: Am Oranienplatz posierten die Spitzenkandidatinnen der "Partei".
Radikal-Satire mit Großplakaten: Am Oranienplatz posierten die Spitzenkandidatinnen der "Partei".Foto: dpa

Für den „schmutzigen und inhaltsleeren“ Wahlkampf, wie ihn Landesvize Dustin Hoffmann fordert, ist der Partei, die 2004 von Redakteuren der Satirezeitschrift „Titanic“ gegründet wurde, jedes Mittel recht. Sympathisanten riskieren im aktuellen Wahlkampf sogar Strafanzeigen. In der vergangenen Woche hatte die Partei“ bei ihrem Wahlkampfauftakt „20 willige Polit-Praktikanten“ vorgestellt, die „die Arbeit übernehmen sollen“. Also etwa Plakate anbringen oder Guerilla-Aktionen wie das Überkleben der Plakate des grünen Kandidaten Hans-Christian Ströbele. Dessen Konterfei wurde durch das von Jopi Heesters ersetzt. Die Partei machte damals noch Sympathisanten verantwortlich.

Wahlkämpfer zweimal von Polizei aufgegriffen

Gleich zweimal wurde nun der Direktkandidat der „Partei“ für Charlottenburg-Wilmersdorf, Carl Willke, von der Polizei aufgegriffen. Nach Polizeiangaben soll der 24-Jährige in den Nächten zu Montag und zu Dienstag Wahlplakate anderer Parteien beschädigt haben.

Das erste Mal wurde die Polizei gerufen, als sich in Charlottenburg am Witzlebenplatz ein 52-jähriger Passant einmischte. Als die Polizei eintraf, war es bereits zu einem Handgemenge gekommen. Offenbar hatte der 52-Jährige den Kleistereimer von Willkes 41-jähriger Begleiterin gepackt, um sie vom Weiterfahren auf dem Rad abzuhalten und sie dabei am Ellbogen verletzt. Die Frau fand das gar nicht lustig und erstattete ihrerseits Anzeige wegen Körperverletzung. Die Polizei schrieb wegen der Plakate Anzeigen wegen Sachbeschädigung.

"Die Partei" bestreitet Bechädigungen

Schon in der Nacht zu Dienstag wurde Willke wieder von der Polizei aufgegriffen – diesmal am Friedrich-Wilhelm-Platz in Friedenau, wo er Plakate der CDU und der FDP verändert haben soll. Die Polizei konnte genau beschreiben, wie: FDP-Spitzenmann Rainer Brüderle bekam mit schwarzem Stift eine Sonnenbrille aufgemalt, und ihm wurde ein schwarzer Bär mit einer Schablone auf die Wahlplakat-Schulter gesprüht. Komplettiert wurde die Guerilla-Aktion mit einem Aufkleber der „Partei“ auf der Nase Brüderles. Bei Angela Merkel von der CDU reichte es nur für rote Augen, dann war die Polizei da.

Carl Willke selbst ist nach Polizeiangaben zwar „geständig“, auf Nachfrage bestreitet er die Aktion jedoch: „Ich kann nichts dagegen tun, wenn Wähler den Wahlkampf selbst in die Hand nehmen“, sagte er. Die Verunstaltungen hätten andere vorgenommen. Die Polizei habe die entsprechenden Utensilien bei ihm auch nicht gefunden.

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