Berlin : Die Schnalle zum Klops gemacht

Joachim Schmettau, Schöpfer des Breitscheidplatz-Brunnens, wird heute 70 – sein Werk bald 25 Jahre alt

-

Auch bei recht milden Temperaturen wirkt der „Wasserklops“ auf dem Breitscheidplatz noch kalt und abweisend. Am Brunnenrand will keiner sitzen. Nichts sprudelt und fließt, der Klops hält Winterschlaf und muss stellenweise immer wieder als Müllkippe herhalten. Und Touristen rätseln häufig, ob die Flasche neben der Sonnenbadenden-Bronze Kunst oder Frevel ist.

Des Brunnens rötlicher Granit – aus Portugal – ist zum Teil matt geworden und zeigt Risse. Die Unterwasserleuchten wirken verschlissen, einige sind offenkundig defekt. Berlins größte Wasseranlage könnte mehr Pflege und einen liebevolleren Umgang vertragen. Im nächsten Jahr steht ohnehin ein Jubiläum an, der City-Brunnen existiert dann schon 25 Jahre. Sein Schöpfer, der Bildhauer Joachim Schmettau, wird heute 70 Jahre alt. Eigentlich nannte er sein Werk samt Bronzefiguren „Weltkugelbrunnen“, aber der Name setzte sich im Berliner Mundwerk einfach nicht fest. Auch „Schmettau-Brunnen“ schaffte es nicht. Dafür bürgerte sich der Wasserklops ein. Davon war zur Eröffnung im August 1983 noch keine Rede. Damals gab es ein Volksfest rund um die geschlitzte, viereinhalb Meter hohe Halbkugel mit den Treppen, die als Teil einer „Flusslandschaft“ zum Untergeschoss des Europa-Centers führten. Damals hieß der Souvenirladen dort unten noch längst nicht „Mops am Klops“. Der Senat erklärte damals, man müsse „von der oberen Platzebene ausgehend den Brunnen linksherum umlaufen“, um ihn kulturell wirklich zu verstehen. Mit der Arche Noah, dem Harry mit der Schweißerbrille, dem Liebespaar, der Sonnenbadenden mit dem gelben Helm und der Flasche neben sich und dem Krokodil.

Bis 1980 war dort, wo der Klops steht, eine Straße, die „Schnalle“. Dann begann die Stadt, den Platz zum „Flanieren“ umzugestalten, Joachim Schmettau entwarf den Brunnen. Kritiker der Bausumme von umgerechnet rund 2,8 Millionen Euro verstummten, als sie das Wasserspiel in voller Schönheit erlebten. Dass einmal Sponsoren nötig sein werden, um den Brunnen in Betrieb zu setzen, ahnte damals niemand. C. v. L.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar