Berlin : Die schönste Tram-Strecke vor dem Aus BVG will nicht mehr

nach Schmöckwitz fahren

Klaus Kurpjuweit

Ausgerechnet die landschaftlich wohl schönste Straßenbahnstrecke der Stadt ins idyllischste Schmöckwitz steht auf der Streichliste der BVG ganz oben. Vier Millionen Euro würde es kosten, die Gleise, die Oberleitung und die Stromversorgung der Linie 68 zu sanieren, sagte BVG-Sprecherin Petra Reetz. Nach Ansicht der BVG ist der von ihr ausgerechnete Betrag angesichts der geringen Fahrgastzahlen auf diesem Abschnitt zu hoch. Der Bus könne hier wesentlich kostengünstiger fahren. Ob die Strecke eingestellt wird, soll sich noch in diesem Jahr entscheiden.

Nach Angaben von BVG-Chef Andreas Sturmowski prüfen die Planer derzeit, wo die von Köpenick kommende Strecke künftig enden könnte – etwa auf halber Höhe entweder am Strandbad Grünau oder bereits am S-Bahnhof Grünau.

Schon vor Jahren hatte die BVG angekündigt, bei erforderlichen Investitionen zu prüfen, ob sich der Aufwand rechtfertigen lasse. Die Stadt müsse entscheiden, welches Straßenbahn-Netz sie sich leisten wolle und könne, hatte Technik-Vorstand Thomas Necker im vergangenen Jahr erneut klar gemacht.

An eine großflächige Stilllegung von Straßenbahn-Strecken sei nicht gedacht, so Sturmowski. In Betracht kämen lediglich „Linienäste“. Dazu gehört der Abschnitt entlang der Dahme und durch den Wald bis nach Schmöckwitz. Gehalten hat sich die Bahn hier ohnehin fast nur noch als Ausflugsstrecke. Anwohner sind meist aufs Auto umgestiegen. Doch auch zum Ausflug werde meist das Auto verwendet, klagt BVG-Sprecherin Petra Reetz. In diesem Bereich gebe es genügend Parkplätze, so dass der Anreiz, zum Picknick mit der Straßenbahn zu fahren, gering sei.

Stillgelegt werden kann eine Strecke nur, wenn die Stadtentwicklungsverwaltung zustimmt. Doch auch sie hat längst klar gemacht, dass bei zu hohen Investitionskosten ein Weiterbetrieb der Tram geprüft werden müsse.

Andere Strecken seien derzeit nicht gefährdet, sagte Reetz weiter. Dies gelte auch für die Linie 61 nach Rahnsdorf, auf der die BVG den Betrieb bereits erheblich eingeschränkt hat. Auch im Pankower Netz gebe es derzeit keine Pläne zur Aufgabe von Strecken. Die BVG plant derzeit einen Großauftrag für den Kauf neuer Bahnen.

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