Die Zukunft des Kongresszentrums : Privater Investor für das ICC gesucht

14.08.2012 10:01 Uhrvon
Zukünftig privat? Für Wirtschaftssenatorin Sybille von Obernitz (parteilos) ist ein Verkauf des ICC kein Tabu mehr. Foto: Mike Wolff, TSP
Zukünftig privat? Für Wirtschaftssenatorin Sybille von Obernitz (parteilos) ist ein Verkauf des ICC kein Tabu mehr. - Foto: Mike Wolff, TSP

Vor der Sommerpause sah es noch so aus, als wollte Rot-Schwarz das ICC gemeinsam retten. Nun wächst in der Koalition der Widerstand gegen die hohen Sanierungskosten. Ein Verkauf ist kein Tabu mehr. Am Ende könnte ein Tauschgeschäft den Kompromiss bringen.

Treue Fans des Internationalen Congress Centrums (ICC) sollten sich an den Gedanken gewöhnen: Das preisgekrönte, aber asbestverseuchte und marode „Raumschiff“ am Messedamm ist als Kongressgebäude möglicherweise verzichtbar. Es deutet sich an, dass das 1979 eröffnete West-Berliner Baudenkmal zwar nicht abgerissen, aber ausgemustert werden könnte – indem es vor oder nach einer Beseitigung der Schadstoffe privaten Investoren zum Kauf angeboten wird.

Eine Sanierung für 300 oder am Ende sogar 400 Millionen Euro sollten wir den Berlinern nicht zumuten“, sagte der SPD-Fraktionschef Raed Saleh dem Tagesspiegel.

„Zumal das ICC auch nach einer Grundsanierung als Kongressbau nicht wirtschaftlich zu betreiben ist.“ Sobald die neue Investitionsplanung des Senats vorliegt, im September oder Oktober, wollen die Regierungsfraktionen SPD und CDU über das Schicksal des ICC entscheiden. „Können wir uns die teure Sanierung leisten, oder an welcher Stelle der Stadt wäre das Geld der Steuerzahler möglicherweise besser angelegt?“, fragte Saleh. Der Senat solle auch nach einer alternativen Nutzung durch private Investoren Ausschau halten.

Ein Verkauf des ICC ist auch für Wirtschaftssenatorin Sybille von Obernitz (parteilos) „kein Tabu“ mehr. Der CDU-Fraktionschef Florian Graf sagte dazu lieber nichts und verwies am Montag standhaft auf den Koalitionsvertrag, der eine Sanierung des ICC als Kongressgebäude vorsieht. Über „die Details“ werde die Koalition im Herbst entscheiden. Vor der Sommerpause hatte es noch so ausgesehen, als wollte Rot-Schwarz das ICC unbedingt gemeinsam retten. Mit 250 Millionen Euro aus dem Haushalt und weiteren 50 Millionen Euro von der Messe oder privaten Interessenten, die das „Raumschiff“ am Messegelände mitnutzen könnten.

Damals futuristisch, heute retro: das ICC am Messedamm

Doch in der SPD-Fraktion formierte sich eine Mehrheit gegen die sündhaft teure Grundsanierung. Vor allem den jungen Abgeordneten bedeutet der Mammutbau am Rand der westlichen City wenig. Andere Projekte, etwa die neue Landes- und Zentralbibliothek auf dem Tempelhofer Feld oder die Entwicklung des Flughafengeländes in Tegel haben für die Sozialdemokraten eindeutig Priorität. Auch für die CDU ist Tegel das wichtigste Zukunftsprojekt, das entsprechend großzügig finanziert werden sollte. In Koalitionskreisen ist von „bis zu 100 Millionen Euro“ die Rede. Dagegen ist die Landesbibliothek für die Christdemokraten keine Herzensangelegenheit, auch wenn das öffentlich vorerst niemand sagt.

Die Befürworter des ICC haben das Problem, dass ihnen nicht nur aus Kostengründen die Argumente ausgehen. Denn alle Messeveranstaltungen und Kongresse werden ab der Grünen Woche im Januar 2014, spätestens zwei Monate später zur Internationalen Tourismusbörse in den „City Cube“ umgeleitet. Die landeseigene Messe GmbH wirbt jetzt schon massiv für den schicken Multifunktionsbau auf dem Grundstück der abgerissenen Deutschlandhalle. Im April 2014 wird die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie eine neue Ära einläuten. Die großen Treffen der Mediziner aus aller Welt finden dann nicht mehr im ICC statt, sondern in der neuen Veranstaltungsarena, die Ende des nächsten Jahres fertig wird. Der Neubau nimmt Kongresse mit bis zu 10 000 Teilnehmern auf und kann für kleine und mittelgroße Veranstaltungen flexibel umgebaut werden. „Alles kommt dann in den City Cube“, bestätigte Messe-Sprecher Michael Hofer.

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