Disko : Stiller Tanz unterm Kopfhörer

Bei der Silent Disko wählen sich Partygäste ihre Musik selbst aus und hören sie über Funkkopfhörer. So entsteht ein Tanzvergnügen in der Stille.

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Schön still hier. Trotzdem feiern die Partygäste, nur halt leise. Foto: David von Becker
Schön still hier. Trotzdem feiern die Partygäste, nur halt leise. Foto: David von Becker

Es ist schwierig zu entscheiden, wer mehr Spaß hat: Die Clubgäste mit den Funkkopfhörern, die mit einem breiten Lächeln im Gesicht zu scheinbar lautloser Musik tanzen oder die Gäste am Rand, die das fröhliche Treiben vergnügt beobachten. Offensichtlich ist jedenfalls, dass eine „Stille Disco“ weder unkommunikativ noch langweilig ist. Denn überall auf dem zweiten Floor des Lido wird geredet, gelacht und mitgesungen. Und dass obwohl – oder gerade weil – hier ohne Kopfhörer gar keine Musik zu hören ist.

Mittlerweile entdecken immer mehr Clubgänger die „Silent Disco“ als neue Erfahrung und die regelmäßige Veranstaltung in dem Kreuzberger Club, die am morgigen Freitag im Rahmen der „Rock AG“ das nächste Mal stattfindet, ist stets gut besucht. Im April wird der Heimathafen Neukölln nachziehen und mit der „Killer Disco“ eine Kopfhörer-Party-Reihe mit Indie-Musik starten.

Schon eine halbe Stunde vor Beginn stehen im Lido die ersten Gäste an der Ausgabetheke, wo es für zwei Euro Pfand die Kopfhörer gibt. „Wir kommen jedes Mal her, weil es so entspannt und irgendwie anders ist“, erzählen zwei Studentinnen aus Friedrichshain. Eine Stunde später hüpfen sie ausgelassen umher, womöglich läuft unter ihren Kopfhörern gerade Franz Ferdinand oder The Killers. Direkt daneben singen einige Gäste leise den Refrain des The-Cure-Songs „Friday I‘m in Love“ mit. Da zwei DJs parallel auflegen, verfügen die Kopfhörer neben dem Lautstärkeregler über zwei Kanäle, zwischen denen die Gäste hin und her wechseln können. Auffällig ist, dass sich besonders viele Tänzer lächelnd anblicken. „Hier muss man nicht immer cool aussehen, im Gegenteil. Wer sich unter seinem Kopfhörer etwas verrückt bewegt, erntet oft noch mehr Sympathien“, erzählt der 24-jährige Kreuzberger Mario Steub, der auch gleich vorführt, wie er sonst in seiner Küche gern zu Nirvana tanzt.

Den stillen Trend von Rotterdam erst nach London und dann nach Berlin gebracht hat Xyko Sa. Der Portugiese stellt den Veranstaltern 300 Kopfhörer und das technische Equipment zur Verfügung. „Es ist toll, wie gut das Konzept angenommen wird, und ich hoffe, dass noch mehr Clubs mitmachen”, sagt Sa – ganz ohne schreien zu müssen. Hier braucht man weder Ohrstöpsel, noch muss man Angst haben, dass die Veranstaltung wegen Ruhestörung abgebrochen wird.

„Silent Disco“ im Lido, Cuvrystraße diesen Freitag ab 23 Uhr (www.lido-berlin.de). „Killer Disco” im Heimathafen Neukölln, Karl-Marx-Straße 141, am 2. April ab 22 Uhr (www.heimathafen-neukoelln.de). Eintritt jeweils sechs Euro.

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