Diskussion um Plagiate : „Hobby-Doktoranden sollten gar nicht mehr promovieren“

Nebenbei zum Doktortitel? Das geht nicht, meint Potsdams Unipräsident Oliver Günther. Nach der Plagiatsaffäre des Berliner CDU-Fraktionschefs Graf will er die Zahl der Dissertationen bundesweit reduzieren.

von
Ihm wurde die Doktorarbeit aberkannt: Der Berliner CDU-Fraktionschef Florian Graf
Ihm wurde die Doktorarbeit aberkannt: Der Berliner CDU-Fraktionschef Florian GrafFoto: dpa

Der Präsident der Universität Potsdam Oliver Günther sagt klipp und klar: „Hobby-Doktoranden ohne wirkliches wissenschaftliches Interesse sollten einfach gar nicht mehr promovieren.“ Nach der Plagiatsaffäre um den Berliner CDU-Fraktionsvorsitzenden Florian Graf hat Günther im Gespräch mit dem Tagesspiegel vorgeschlagen, die Zahl der Doktoranden bundesweit zu reduzieren. Aus seiner Sicht sollte künftig nur den Doktortitel anstreben, wer sich einige Jahre ausschließlich seiner Promotion widme und ein „Faustisches Erkenntnisinteresse“ habe, also die Forschung voranbringen wolle.

„Nebenberuflich etwas wissenschaftlich Innovatives hervorzubringen, schaffen nur absolute Ausnahmeerscheinungen“, sagte Günther. Auch schwache Doktorarbeiten, die in der Forschung nicht weiter zur Kenntnis genommen würden, verschwendeten volkswirtschaftlich gesehen Ressourcen.

Fotostrecke: Diese Prominenten wurden beim Abschreiben erwischt:

Diese Prominenten wurden beim Abschreiben erwischt
Am 5. Februar 2013 verlor Annette Schavan, damals noch Bundesbildungsministerin, ihren Doktortitel. Gegen das Plagiatsverfahren an der Uni Düsseldorf klagte sie vor dem Verwaltungsgericht. Unterliegt sie, will die Freie Universität Berlin auch über ihre Honorarprofessur entscheiden.
Weitere Bilder anzeigen
1 von 22Foto: dpa
06.02.2013 09:20Am 5. Februar 2013 verlor Annette Schavan, damals noch Bundesbildungsministerin, ihren Doktortitel. Gegen das Plagiatsverfahren an...

Die Uni Potsdam entzog Graf am Mittwoch den Doktortitel, nachdem er selbst darum gebeten hatte. Als Grund gab Graf anfangs „wissenschaftliche Mängel“ an, später auch Plagiate. Thema der vor eineinhalb Jahren eingereichten Arbeit war die Entwicklung der CDU in der Opposition nach dem abrupten Ende der Großen Koalition. Ob er auch Graf für einen „Hobby-Doktoranden“ halte und wie er den akademischen Gehalt von dessen Arbeit einschätze, wollte Günther nicht sagen. Prinzipiell lasse sich eine zeitaufwändige politische Arbeit wie bei Graf oder Karl-Theodor zu Guttenberg aber nicht mit einer Promotion vereinbaren.

Seite 1 von 2Artikel auf einer Seite lesen

40 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben