Diskussion um Radwege in Berlin : Radler fahren sicherer auf der Straße…

… als auf dem Radweg. Das behauptet zumindest die Statistik. Dass sie lügt, kann in Berlin jeder sehen – und auch am eigenen Leib erfahren. Denn wo Alte und Schwache sich gar nicht mehr in den Verkehr trauen, ist nichts gut. Im Gegenteil!

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Ist doch super auf der Straße! Die war hier allerdings für die Fahrrad-Sternfahrt des ADFC im Juni gesperrt. Foto: dpa
Ist doch super auf der Straße! Die war hier allerdings für die Fahrrad-Sternfahrt des ADFC im Juni gesperrt.Foto: dpa

Willkommen auf der Straße, liebe Radfahrer. Auf dem glatten Asphalt geht’s schneller voran – und sicherer soll es auch sein als auf dem Fahrradweg. Doch dann knattert irgendein Mopedfahrer gefährlich dicht heran und schreit: „Hey, da ist ein Radweg!“ Trotz des Schrecks weist man beherrscht freundlich darauf hin, dass Radfahrer den nicht benutzen müssen; er solle doch mal die Straßenverkehrsordnung lesen. Aber dafür interessiert sich der Behelmte nicht. „Du hältst den ganzen Verkehr auf“, brüllt er und knattert stinkend davon. Radfahren ist ja so gesund.

Abgefahren - Ihre unbeliebtesten Radstrecken
Am Nollendorfplatz bleibt wegen dieser Lastwagen nur eine Fahrspur übrig. Eine Situation, die Anwohner täglich beobachten können, trotz einer Ladezone. Besonders dreist parkt der Edeka-Lieferant. Foto: Jörn HasselmannWeitere Bilder anzeigen
1 von 493Foto: Jörn Hasselmann
22.09.2017 08:18Am Nollendorfplatz bleibt wegen dieser Lastwagen nur eine Fahrspur übrig. Eine Situation, die Anwohner täglich beobachten können,...

Und je mehr Radler auf der Straße fahren, desto mehr Geld spart der Staat. Schließlich ist es viel billiger, ein paar zusätzliche Radstreifen auf die Straße zu malen, als bestehende Radwege instand zu halten. Jene Fahrradaktivisten, die Stimmung für die Demontage der blauen Gebotsschilder machen, welche Radfahrern zwingend vorschreiben, den Radweg zu benutzen, helfen in Berlin am Ende vor allem einem Senat, der die Ausgaben für neue Radwege nun drastisch senken möchte.

Der Mythos „Auf der Straße sind alle, die Räder unterm Hintern haben, sicherer als auf getrennten Wegen“ wirkt an dieser Stelle leider. Er verstärkt den Anschein, es werde etwas getan für die Verkehrsinfrastruktur – dabei ist schon jetzt genau das Gegenteil richtig: Ein großer Teil, nämlich die Radwege, wird dem Verfall preisgegeben. Und auf der verbleibenden Fläche, der Straße, kommen Autofahrer und Radfahrer weniger gut miteinander aus. Das kann jeder sehen – und am eigenen Leib erfahren.

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