Diskussionsveranstaltung : "Braucht Berlin eine neue Bauausstellung?"

Die bisherigen Bauausstellungen der Hauptstadt wurden am Mittwoch in der Urania vorgestellt. Ob Berlin noch eine Ausstellung brauche, darüber wurde anschließend heiß diskutiert.

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Keine Stadt hat so viele Bauausstellungen erlebt wie Berlin: 1910, 1931, 1957 und 1984/87, die beiden letzten allerdings nur in West-Berlin. Die zeitlichen Abstände betragen jeweils rund ein Vierteljahrhundert, und so stellt sich allein schon aus diesem Grund die Frage, „Braucht Berlin eine neue Bauausstellung?“ Unter diesem Titel stellten der TU-Städtebauhistoriker Harald Bodenschatz und der Stadtplaner Hildebrand Machleidt am Mittwochabend in der Urania die bisherigen Bauausstellungen vor, um daraus ein Konzept für eine künftige Bauausstellung zu entwickeln. Anschließend wurde dieses Konzept unter Leitung von Tagespiegel-Herausgeber Gerd Appenzeller diskutiert, der dem Publikum im vollbesetzten Saal zuvor versprochen hatte, einen unterhaltsamen Abend zu erleben.

Die Erwartung wurde nicht enttäuscht, angesichts der Verve, mit dem die beiden Städtebau-Kenner die Geschichte und die Zukunft der Berliner Bauausstellungen vorstellten. Den Ausgangspunkt bildete die „Allgemeine Städtebau-Ausstellung“ nach dem „Wettbewerb Gross-Berlin“ von 1910. Dazu ist derzeit im Architekturmuseum der TU die Ausstellung „Stadtvisionen“ zu sehen. Machleidt konzentrierte sich auf die IBA 1984/87, über die er aus eigener Mitarbeit höchst farbig zu berichten wusste. „Rettet die kaputte Stadt!“, war seinerzeit ein Leitmotiv, ein anderes die „Innenstadt als Wohnort“.

Davon soll sich eine nächste Bauausstellung deutlich unterscheiden: Bodenschatz und Machleidt schlagen vor, entlang der Ausfallstraßen Berlins, die die Stadt mit dem Umland verzahnen, die aktuell wichtigen Themen des Städtebaus zu behandeln. Einen Titel haben sie bereits gefunden: „Radikal Radial! Strategien für die Wiederbelebung der großen Hauptstraßen“. Interessant ist nicht zuletzt, dass das lange Zeit als Feind des Urbanen verteufelte Automobil in diesem Konzept durchaus seinen Platz behält, wenn auch ausdrücklich „in dienender Funktion“. Die unterschiedlichen Verkehrsträger sollen nebeneinander ihren Platz finden.

Mit der Belebung der „städtebaulichen Kraftlinien“ einher geht die Aufwertung der „Zwischenstadt“, jenes vernachlässigten Raumes zwischen Metropole und Region. „Wir können uns nicht immer nur um die Innenstadt kümmern“, sagte Bodenschatz, und Machleidt fragte, was mit den Orten sei, „wo Menschen leben und arbeiten, die bislang nicht die Aufmerksamkeit gefunden haben“. Da äußerte sich eine Zuhörerin begeistert: „Das bezieht ganz Berlin und seine Bürger ein!“

Ein anderer Zuhörer hingegen blieb skeptisch: Die Straßen seien „so lang“, da könne er sich „eine gemeinsame Identität nicht vorstellen“. Bodenschatz räumte ein, es werde „viele kleine Aktionen“ entlang einer solchen Ausfallstraße geben müssen. Und er formulierte auch einen möglichen „Nord-Süd-Konflikt“: Im Süden Berlins gebe es mit Potsdam und Schönefeld zwei potente Entwicklungsräume, für den Norden hingegen müssten Perspektiven erst entwickelt werden. Keine Frage, die Diskussion um eine neue Bauausstellung steht erst am Anfang.

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