Dreharbeiten in Berlin-Moabit : Ludwigsburg liegt jetzt in Plötzensee

Der neue Film "Die Blumen von gestern" von Chris Kraus spielt zwar nicht in Berlin, gedreht wurde hier trotzdem. Im ehemaligen Amtsgericht neben der JVA Plötzensee in Moabit beginnt sogar die Liebesgeschichte zwischen Adèle Haenel und Lars Eidinger.

Sophie Aschenbrenner
Die Stars vor und hinter der Kamera: Adèle Haene (Schauspielerin), Chris Kraus (Régie), Lars Eidinger (Schauspieler), Danny Krausz und Kathrin Lemme (beide Produktion)
Die Stars vor und hinter der Kamera: Adèle Haene (Schauspielerin), Chris Kraus (Régie), Lars Eidinger (Schauspieler), Danny Krausz...Foto: Promo

In den Räumen des ehemaligen Amtsgerichts neben der JVA Plötzensee gießt sich die französische Schauspielerin Adèle Haenel einen Farbeimer über den Kopf. Hier findet im Film „Die Blumen von gestern“ (Regie: Chris Kraus) auch die erste Annäherung Haenels mit Lars Eidinger statt. An mehreren Orten hat das Filmteam in Berlin gedreht, am Mittwoch war der letzte Drehtag. Im ehemaligen Amtsgericht wurde die zentrale Stelle zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen in Ludwigsburg inszeniert – weil in Ludwigsburg nicht gedreht werden darf.

Rote Backsteinmauern, enge Gänge, geschwungene Treppengeländer: Heute hat das Gebäude in Moabit einen verwunschenen Charme. Der Film jedoch ist nicht locker-leicht: „Die Blumen von gestern“ erzählt die Geschichte des deutschen Holocaustforschers Toto Blumen (Eidinger), selbst Nachfahre prominenter NS-Täter. Mitten in einer Lebenskrise trifft er die französische Forscherassistentin Zazie (Haenel), deren Großmutter in Auschwitz ermordet wurde. Die beiden verbindet eine lange zurückliegende Familientragödie.

Auch New York wird in Berlin nachgestellt

Regisseur Kraus, selbst Historiker, recherchiert seit mehr als zehn Jahren zur deutschen NS-Vergangenheit. Die Zentralstelle zur Aufklärung in Ludwigsburg ist wichtig für den Film. Dort befindet sich auch ein Archiv, das in einem Studio in Zehlendorf nachgebaut wurde. „Die Generation meines Vaters hat die NS-Zeit komplett ausgeblendet“, sagt Kraus. Heute könne man die Verbrechen mit einer anderen Distanz betrachten. Eidinger ist „froh, sich diesem Thema mit Chris zu nähern“.

Der Schauspieler bezeichnet die NS-Zeit als „blutige, klaffende Wunde“, als den „blanken Horror“. Der Film zeige auch, dass man diesen Teil der deutschen Vergangenheit nicht aufarbeiten und abschließen könne. „Die Blumen von gestern“ spielt in der Gegenwart, ohne Zeitsprünge und Rückblenden. Das Drehbuch wurde mit dem Thomas-Strittmatter- Preis ausgezeichnet. Martina Zöllner, SWR-Programmchefin, beschreibt den Film als „schonungslose Analyse unseres Umgangs mit der deutschen Nazi-Vergangenheit“. Im Frühjahr 2016 soll der Film fertiggestellt werden. Nicht nur Ludwigsburg wird in Berlin inszeniert, sondern auch New York – wo, verrät Kraus aber nicht. „Das werden Sie dann sehen.“

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