Berlin : Dresdner Bahn wird dauerhaft ausgebremst

Airport-Express muss jahrelang Umweg fahren Streit mit Senat um Zugang und Brücke Der direkte Weg der Züge zum Flughafen bleibt blockiert.

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Berlin - Beim künftigen Flughafen Berlin-Brandenburg kann man sich darauf verlassen, dass man sich auf nichts verlassen kann. Vielleicht hebt tatsächlich am 17. März 2013 die erste Linienmaschine von der neuen Startbahn ab, wie derzeit geplant, vielleicht dauert es aber auch noch ein wenig länger. Noch ungewisser ist, wann der Airport-Express der Bahn auf schnellstem Weg den Flughafen erreichen wird. Egal, wann der Airport in Betrieb geht, die ersten Züge auf der Dresdner Bahn werden – falls überhaupt – Jahre später fahren. Das Planfeststellungsverfahren kommt jedenfalls weiter nicht voran. Auch der zuletzt anvisierte Termin 2020 wackelt bedenklich.

Seit 1997 läuft das Planfeststellungsverfahren für das Legen von Gleisen für den Fern- und Regionalverkehr neben den vorhandenen Anlagen der S-Bahn. Es gehört damit zu den am längsten dauernden in Deutschland. Ausgebremst wird es gleich mehrfach.

In Lichtenrade lehnen Anwohner es ab, die neuen Gleise ebenerdig durch den Ortsteil zu legen. So plant es die Bahn. Die Anwohner verlangen einen Tunnel, um den Ort nicht durch meterhohe Lärmschutzwände entlang der Trasse zu teilen. Der Senat unterstützt diese Variante – und hat das Verfahren deshalb jahrelang blockiert. Auch an den Kosten würde sich das Land beteiligen. Allerdings ist noch nicht ermittelt, wie teuer ein Tunnel werden würde.

Derzeit erneuert die Bahn die Gleise der S-Bahn. Saniert würden nur die Abschnitte, die dem Legen der Fernbahngleise nicht in die Quere kommen, heißt es bei der Bahn. Anwohner hatten zunächst befürchtet, die Bahn schaffe mit den Arbeiten die Voraussetzung für die ebenerdige Lösung, mit der sie ins Verfahren gegangen war. Ob die Planer Erfolg haben, entscheidet das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) in Bonn. Auf einen Termin legt sich die Behörde nicht fest.

Denn es gibt auch noch woanders Konflikte – zwischen Bahn und Senat. Nach Angaben eines Bahn-Sprechers ist der Streit um einen zweiten Zugang am Bahnhof Marienfelde so wenig beendet wie die Auseinandersetzungen am Haltepunkt Buckower Chaussee, wo es um die Fußgängerbrücke am südlichen Ende der Bahnsteige geht. In Marienfelde gibt es bisher nur einen fast versteckten Eingang von der Bahnstraße aus. Der Senat wünscht sich einen weiteren Zugang an der Marienfelder Allee. Wegen der hohen Kosten ist die Bahn dagegen. An der Buckower Chaussee will der Senat die Fußgängerbrücke über die neu zu legenden Gleise der Fernbahn verlängern lassen. Nach Angaben der Bahn wäre dies nur durch einen Neubau möglich. Auch hier scheut das Unternehmen die Kosten. Veranschlagt ist der Gesamtausbau bisher mit rund 400 Millionen Euro.

Auf Brandenburger Gebiet rangelt man weiter um den Bau einer Unterführung für den Mauerweg. Berlin würde die Arbeiten finanzieren, Brandenburg hat daran jedoch kein Interesse. Immerhin könnte dieser Bau auch nachträglich ins Verfahren gepackt werden, so dass es hier keine Verzögerungen geben muss.

Frühestens 2013 soll das Planfeststellungsverfahren abgeschlossen sein. Weil Anwohner angekündigt haben, gegen einen ebenerdigen Bau zu klagen, wird es weitere Verzögerungen geben. Sollte doch ein Tunnel gebaut werden, rechnet die Bahn damit, dass es noch zehn weitere Jahre dauern wird, ehe ein Zug fährt.

So lange schickt sie die Flughafen-Züge über die Anhalter Bahn, deren Ausbau nach der Wende innerhalb weniger Jahre abgeschlossen war. Weil die Verbindung zum Berliner Außenring aber nur eingleisig und schon heute dicht befahren ist, kann der Airport-Express vom Hauptbahnhof zum Flughafen nur alle 30 Minuten fahren. Zudem ist er bei einer Fahrzeit von etwa einer halben Stunde zehn Minuten länger unterwegs als über die Dresdner Bahn. Ebenfalls alle 30 Minuten fahren Regionalbahnen über die Stadtbahn zum Flughafen, die die östliche Verbindung nutzen. Auf der Dresdner Bahn soll es später alle 15 Minuten zum Flughafen gehen. Wann auch immer.

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