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Drogendealer in Kreuzberg : Görlitzer Park: Auf schlechte Nachbarschaft

03.08.2009 00:00 UhrVon Annette Kögel
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Blick nach vorn. Crissy (o. l.) und Doro mit Hund Luna sind öfter im Görlitzer Park. Sie finden es furchtbar, dass Kinder dort zum Dealen angestiftet werden. - Foto: Uwe Steinert

Im Görlitzer Park arbeiten Kinder als Drogendealer. Anwohner und Besucher sind empört und hilflos.

Isa ist fünfzehn, er wohnt nahe dem Görlitzer Park und wann immer der Gymnasiast durch den „Görli“ zum Spreewaldbad läuft, sind Menschen kontaktfreudiger, als ihm lieb ist. „Ich werde jedes Mal öfter angesprochen, ob ich Gras haben will.“ Er habe sich daran gewöhnt, reagiere dann gar nicht erst. Dass in der Gegend auch Kinder und Jugendliche in seinem Alter dealen, kann er erst gar nicht glauben. „Doch, ich habe das auch schon beobachtet“, sagt Anwohnerin Christina Schmidt, 29, „früher waren sie oft am Sportplatz, jetzt sind sie hinten im Park Richtung Kanal. In der Hasenheide bin ich selbst schon von einem Kind angesprochen worden, ob ich was will.

“ Schlimm sei das für Familien, die ihre Kinder von solchen Einflüssen fernhalten wollen.

Auf gute Nachbarschaft – im alten Kreuzberger Postzustellbezirk SO 36 gilt das nicht immer. Wie berichtet, wurden in kürzester Zeit im Kiez um den Görlitzer Park ein strafunmündiger Zwölfjähriger und ein Fünfzehnjähriger von Zivilpolizisten aufgegriffen. Beides Heimkinder, das eine aus Lichtenberg, das andere aus Zehlendorf. Beide erledigten im Park „ihren Job“. „Im Görlitzer Park streunt schon krasses Volk rum“, sagt ein Betreuer vom Kinderbauernhof. Die Pädagogen arbeiten in der Jungen- und der Mädchengruppe Themen auf, sagen ihnen, „dass sie auf Ansprache gar nicht reagieren sollen“. Das beliebteste Spiel im Park und auf dem Kinderbauernhof sei nicht Cowboy und Indianer, sondern Security-Kräfte nachzuahmen und einander zu beschützen.

Serina und Uner B.* frühstücken mit ihren beiden kleinen Kindern in einem Café am Görlitzer Park, das Lokal sei ihnen empfohlen worden. Sie wohnen in Reinickendorf, waren schon lange nicht mehr in Kreuzberg, und so schnell zieht sie auch nichts mehr wieder her. Der Blick auf die Drogenszene am Kottbusser Tor habe ihnen gereicht. „Wenn Eltern nicht aufmerksam genug sind, gehen ihnen die Kinder verloren. Bildung ist unglaublich wichtig, um die Kinder stark zu machen, auch, damit sie solchen Versuchungen widerstehen“, sagt die in der Türkei geborene und in Wedding aufgewachsene Frau mit Kopftuch, die gerade ihren Master in Architektur macht. „Wir waren am Streichelzoo in der Hasenheide“, sagt Orthopäde Uner B., „da bin ich gefragt worden, ob ich Drogen will, obwohl mein Sohn dabei war. Entsetzlich.“

Die Eltern denken laut über die Gründe nach. Dass sich Parallelgesellschaften entwickelt haben, in denen sogar Kinder als Dealer missbraucht werden, sei auch eine Folge davon, dass sich viele Landsleute „in dieser Gesellschaft nicht angekommen und angenommen fühlen“, sagt Serina B.. Dann zögen sie sich zurück, unterstützten die Kinder nicht bei der Integration. „Mich kostet es auch immer Kraft, wenn mich Berliner in gebrochenem Deutsch ansprechen, nur weil ich Kopftuch trage.“ Sie kennt Mittelschicht-Migranten, die aus Kreuzberg wegziehen. Und Zehlendorfern sei es doch sehr recht, dass die Drogenszene in Kreuzberg sei. „Das soll mal alles schön bei uns Migranten bleiben, dann sind sie selbst davon verschont.“ Die Entwicklung sei, so sehen die beiden das, auch „eine Folge falscher Politik“.

Sie empfänden sich als sehr tolerant, sagen andere Parkbesucher, sie würden es kaum aussprechen wollen, aber es seien vielfach Schwarze, die sich mit Drogen Geld verdienten, die strafunmündige Kinder mit türkischem und libanesischem Hintergrund mit Geschenken und Geld anlockten. Auch vielen Deutschen unter den Kunden sei das egal. In dem kleinen Park an der Ecke Mariannen- / Skalitzer Straße habe sie sich schon öfter wegen verdächtig hantierender Kinder Sorgen gemacht, sagt eine Frau. „Die Kinder werden missbraucht. Unverantwortlich, wenn Erwachsene da ihren Vorteil herausschlagen. Ich würde sie ansprechen, aber bislang bin ich noch gar nicht auf die Idee gekommen, dass von den Mädchen und Jungen welche Drogendealer sein könnten“, sagt die 20-jährige Crissy. Die Kunstschülerin sonnt sich auf ihrem Badelaken im Park. „Das ist genauso schlimm wie die Bettlermafia, die Kinder benutzt“, sagt Freundin Doro, 26, Landschaftsplanungsstudentin aus Polen.

In Kreuzberg erleben Kinder aus dem Kiez laut Szenekennern auch das: Sie kennen „diese Bewegungen im Park bei einer Razzia“. Polizisten rennen hinter den Dealern her und die Kinder hinter den Dealern, die die Drogen fallen lassen. Die Kinder spielten dann nicht „Security“, sie lieferten den Stoff bei der Polizei ab.

*Namen von der Redaktion geändert

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