Drohende Zwangsversteigerung : Unternehmer Jagdfeld läuft die Zeit davon

07.07.2012 09:10 Uhrvon und
Luxus-Standort. Die Ladenpassage an der Friedrichstraße war 1997 eröffnet worden. Foto: Doris Spiekermann-Klaas
Luxus-Standort. Die Ladenpassage an der Friedrichstraße war 1997 eröffnet worden. - Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Die Ladenpassage soll wegen hoher Verschuldung zwangsversteigert werden. In den Luxusgeschäften reagierten Mitarbeiter überrascht, mangelnden Umsatz können sie sich nur schwer als Grund vorstellen. Was wirklich dahinter steckt, ist noch unklar.

In den Luxusgeschäften im Quartier 206 in der Friedrichstraße war die Überraschung am Freitag groß: Erst aus dem Tagesspiegel hatten Mitarbeiter verschiedener Läden von der gerichtlich angeordneten Zwangsversteigerung des Geschäftshauses erfahren. Ihre Umsätze im Handel seien gut und wohl kaum die Ursache für die Probleme der Firmengruppen des Immobilienunternehmers Anno August Jagdfeld und seiner Familie, sagten Beschäftigte mehrerer Läden.

In einem Modegeschäft beklagte der Verkäufer dagegen, trotz der steigenden Touristenzahlen sei die „für uns relevante Gruppe“ zahlungskräftiger Besucher geschrumpft: Als Folge der Wirtschaftskrise kämen „seit Jahren weniger Spanier, Italiener und Südamerikaner“.

Der Luxuswarenhersteller Louis Vuitton wird seine Filiale im Quartier 206 bald räumen, sagte Sprecherin Anja Kaehny. Es gebe jedoch „keinen Zusammenhang“ mit der Entwicklung, sagte Kaehny. „Der Mietvertrag läuft Ende dieses Jahres aus.“ Dafür wolle Louis Vuitton seinen Shop im KaDeWe am Wittenbergplatz bis Mitte November vergrößern und 2013 auch in den eigenen Laden am Kurfürstendamm investieren. Mit zwei Standorten sei Berlin „gut abgedeckt“. Außerdem lobte die Sprecherin die City-West: „Am Ku’damm passiert einiges im Luxussegment.“

Dem Einzelhandelsverband seien keine besonderen Probleme von Ladenmietern im Quartier 206 bekannt, sagte Hauptgeschäftsführer Nils Busch-Petersen. Ähnlich äußerte sich die Interessengemeinschaft Friedrichstraße.

Im Quartier 206 waren am Freitag nur wenige Besucher zu sehen. Eine geringe Kundenfrequenz sei im Luxussegment normal, sagte Jagdfelds Sprecher Christian Plöger, dafür seien die Umsätze pro Kunde besonders hoch. Bei Strenesse sagte eine Mitarbeiterin, man sei „sehr zufrieden“. Im Modegeschäft Moschino hieß es, man habe viele Stammkunden. Die Modemarke Etro aus Mailand hat laut einem Mitarbeiter erst vor Kurzem ihren Mietvertrag verlängert.

Im unteren Geschoss stehen dagegen zwei Ladenräume leer – Schilder verkünden, die Shops seien in den Departmentstore in der oberen Etage umgezogen, hinter dem Jagdfelds Frau Anna Maria und sein Sohn Nikolaus stehen. Letzterer hatte 2009 mit seiner Freundin ein Geschäft für junge Luxuslabels im Souterrain eröffnet. Jagdfelds Sprecher bestritt, dass die Schließungen eine Folge der Zwangsverwaltung seien.

Die Zeit läuft ab für den Eigentümer des Quartiers 206. Wie berichtet, hat das Amtsgericht Mitte auf Betreiben der Gläubiger die Zwangsversteigerung angeordnet. Die Eigentümerfirma aus Jagdfelds familiärem Umfeld bekräftigte zwar am Freitag, die Zwangsversteigerung werde „nicht kommen“. Doch Herr des Verfahrens ist nicht mehr er – Zwangsverwalter und Amtsgericht entscheiden nun. Das Gericht kann jederzeit einen Termin für die Versteigerung anberaumen – an dem dann der Hammer fällt und der Meistbietende die Immobilie erhält.

Bis zum Tag der Auktion hat Jagdfeld noch Zeit, die Forderungen seiner Gläubiger zu erfüllen. Schulden in Höhe von rund 140 Millionen Euro stehen im Grundbuch. Möglicherweise fordern die Gläubiger außerdem noch Zinsen dazu. Und über die Nutzung der Immobilie entscheidet der Zwangsverwalter außerdem. Das Geflecht der Jagdfeld-Firmen, die sowohl das Gebäude besaßen als auch viele Flächen darin nutzten, ist zerschlagen. Der Zwangsverwalter agiert im Sinne der Gläubiger, achtet auf maximale Erträge und die Erfüllung von Verträgen. Dies könnte zu Veränderungen bei der Mieterschaft führen.

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