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E-Mobil-Fest in Prenzlauer Berg : Autofreier Kiez: Bezirksamt zieht den Stecker

Zu groß, zu lang und zu schlecht kommuniziert: Das Festival im nächsten Jahr, bei dem am Helmholtzplatz in Prenzlauer Berg nur Elektroautos erlaubt gewesen wären, ist abgesagt worden. Das Bezirksamt befürworte das Projekt in diesem Rahmen nicht, sagt Bürgermeister Matthias Köhne.

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Der Helmholtzkiez soll im Mai 2015 für den gesamten Monat autofrei bleiben.
Der Helmholtzkiez soll im Mai 2015 für den gesamten Monat autofrei bleiben.Foto: Mike Wolff

Ein wenig sarkastisch klang es am Ende schon: "Das Bezirksamt hat heute dem Projekt autofreies Helmholtzquartier den Stecker gezogen", twitterte der Pankower Bürgermeister Matthias Köhne (SPD) am Dienstag nach der turnusmäßigen Sitzung der Pankower Stadträte. Im Mai 2015 war geplant, das Viertel mitten in Prenzlauer Berg zum weltgrößten "Schaufenster für emissionsfreie Mobilität" zu machen. Rund 3500 konventionelle Autos im Viertel wären, so der Plan, durch 600 Carsharing-Fahrzeuge ersetzt worden.

Das Bezirksamt habe das Vorhaben „in Dimension, Zeit und Fläche nicht befürwortet“, sagte Köhne auf Anfrage. Er habe das nach Äußerungen aller Stadträte „als übereinstimmendes Meinungsbild festgehalten“. Nach Auskunft des SPD-Politikers hat die Spitze der Bezirksverwaltung erst durch die Berichterstattung des Tagesspiegel von dem Projekt erfahren: Am Wochenende hatte Köhne in einer ersten Reaktion auf seiner Facebook-Seite noch verwundert gefragt, ob es sich dabei um vielleicht einen Aprilscherz handele.

Doch ein Witz war das Ganze nicht, im Gegenteil: Stadtentwicklungsstadtrat Jens-Holger Kirchner (Grüne), der das Projekt seit Monaten vorangetrieben hatte, wollte ernst machen, und alle Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren aussperren, die Autos der Anwohner inklusive. Gefragt wurden die Kiezbewohner jedoch nicht; für den 3. Juni war eine Bürgerversammlung geplant. Laut Bürgermeister Köhne waren die anderen Stadträte über die fehlende Kommunikation verärgert. Der entscheidende Einwand gegen das Projekt sei dann gewesen, „dass das nicht aus dem Quartier kommt, sondern von außen“. Doch nicht nur die politischen Hürden zu hoch - es stellten sich auch technische Fragen.


Der Kiez sollte ein temporäres Musterbeispiel für Elektromobilität werden. Auf den Fahrbahnen wäre an mehreren Stellen Sand abgekippt worden, damit Kinder darin buddeln können. Außerdem war eine Ausstellungsfläche zum Thema "Eco-Mobility" vorgesehen. Fahrzeuge, die Lokale und Läden in dem Viertel beliefern, hätten ihre Waren in zwei Umladezonen auf Elektromobile packen müssen. Stadtrat Kirchner versprach: "Wir wollen niemanden behindern, sondern was ausprobieren - und das auch nur für einen Monat."

Was halten die Anwohner vom Projekt am Helmholtzkiez?
„Ich bin grundsätzlich dafür, Lärm- und Umweltbelastung zu reduzieren. Daher finde ich die Aktion großartig. Außerdem ist hier in Prenzlauer Berg der Verkehr oft chaotisch und gefährlich. Ich musste mein Kind deswegen auch in die Kita begleitet. Aber für viele Leute wird die Umstellung schwierig. Die wollen sich nicht einschränken und das Auto ist oft Statussymbol.“ Hannah Klein, 39, wohnt im Helmholtzkietz und hat keinen Führerschein.
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1 von 8Foto: Philip Barnstorf
06.05.2014 11:39„Ich bin grundsätzlich dafür, Lärm- und Umweltbelastung zu reduzieren. Daher finde ich die Aktion großartig. Außerdem ist hier in...

Für Vertreter des Einzelhandels war das Projekt sowieso "eine Schnapsidee": Denn wer garantiere bei der Belieferung der Läden, dass Lebensmittelstandards eingehalten würden? Finanziert werden sollte das Festival von Sponsoren. Drei Millionen Euro waren laut Angaben des Organisationschefs René Waßmer eingeplant. In Südkorea gab es ein Festival dieser Art bereits im September 2013. Die Kosten von neun Millionen Euro trug die Stadt Suwon damals selbst.

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