Ein Basketball-Fan leistet Abbitte : Alba Berlin, ich bin zurück

Zu Beginn der Spielzeit in der Basketball-Bundesliga schrieb unser Autor hier, warum er Alba Berlin den Rücken kehrt. Jetzt kämpft das Team nach einer tollen Saison um den Titel – und es ist Zeit, ein wenig Abbitte zu leisten.

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Alle zufrieden? Dann kann es ja weitergehen mit Alba und seiner jungen Mannschaft.
Alle zufrieden? Dann kann es ja weitergehen mit Alba und seiner jungen Mannschaft.Foto: dpa

Mächtig verschätzt, mein Bester“, schreibt „Bucho“ jetzt im Chatforum. O.k., „Bucho“, „Jazoo“ und all ihr Fans da draußen, ich gestehe: Es war ein echter Fehler, dass unsere Familie diese Saison keine Dauerkarten hatte. Ja, viele haben es mir übel angekreidet, dass ich zu Beginn der Spielzeit so harsch mit der neuen Mannschaft von Alba Berlin ins Gericht gegangen bin: gesichtslos, namenlos, charakterlos.

Aber ist es nicht manchmal so, dass man enttäuscht ist? Vor allem, wenn man diesen Basketballern seit über 20 Jahren treu ist und plötzlich das Gefühl hat: Dieser Verein liebt dich nicht, dem bist du egal, die machen sowieso, was sie wollen, ob du nun da bei jedem Spiel im Fanblock stehst und Stimmung machst, die Mannschaft noch lautstark unterstützt, wenn der Rest der Halle stumm der drohenden Niederlage entgegensieht. Und dann lassen die Alba-Manager eine ganze Mannschaft gehen, von Yassin Idbihi bis Nihad Đedović, zerschlagen eine Truppe, deren Namen die Fans kannten, die durchaus passabel spielte – auch wenn die verkorkste Saison 2012/13 mit vielen Verletzten und unglücklich knappen Niederlagen natürlich kein Ruhmesblatt für den achtfachen Deutschen Meister war.

Aber ist man nicht dafür Fan, dass man solche Situationen durchsteht und gemeinsam leidet, bis der Erfolg – gemeinsam erkämpft und erlitten – zurückkommt? Stattdessen aber gab es einen Komplettwechsel auf nahezu allen Positionen, eine Mannschaft mit unbekannten Namen. Da hatte auch die Leidensfähigkeit des hartnäckigen Anhängers seine Grenze. Deswegen keine Dauerkarten mehr im Fanblock, beschloss die Familie. Und ich weiß aus Zuschriften, es ging vielen anderen Fans Ähnliches durch den Kopf.

So eine Mannschaft hat es lange nicht mehr gegeben!

Doch ich habe mich geirrt! Mag der Trainer im Verlauf der Saison mit seinen am Spielfeldrand gezeigten herrischen Allüren und zuweilen arg abfälligen Gesten an die Adresse seiner Spieler auch nicht sympathischer geworden sein – was Saša Obradović und sein Trainer-Team auf die Beine gestellt haben, macht jeden Alba-Fan froh. Das war schon früh in der Saison zu spüren. Und selbst wenn Alba nicht die Meisterschaft gewinnen sollte: So eine Mannschaft, die füreinander rackert, die nicht aufgibt, sondern auch dann Charakter zeigt, wenn alles wehtut oder wenn ein Schiedsrichter gegen sie pfeift, hat es seit Svetislav Pešićs Weggang nicht mehr gegeben. Das hat man im Eurocup gesehen, als das Team erst im Viertelfinale ausschied, beim Pokalsieg und nun auch in den Play-offs. Ins Finale zu kommen hat Alba kaum jemand zugetraut, das war mit dieser komplett neuen Mannschaft und teilweise sehr jungen Spielern nicht zu erwarten. Es hat sich gezeigt, dass es gut ist, nicht teure Stars zu holen, die nach einem Jahr wieder weg sind, sondern junge Spieler aufzubauen – wenn man an ihnen auch festhält und der Trainer bleibt. Dann können die Spieler wachsen und mit ihnen die Identifikation der Fans.

Egal, ob die Bayern die Final-Serie nach dem 1:1 doch noch für sich entscheiden mit der zusammengekauften Truppe (never ever!), und egal, ob es schmerzt, weil unter den Roten so viele sind, die man einst bei Alba anfeuerte – diese Saison hat wieder versöhnt mit dem Klub. „Wie sehr haben wir Ihre Äußerungen zum Saisonbeginn verstanden, wie sehr haben wir als fünfköpfige Familie unsere Dauerkartenverlängerung infrage gestellt und wie sehr sind wir nun glücklich“, schrieb dieser Tage die Familie Schultze-Berndt: „Also, ohne jeden Ansatz von Besserwisserei. Wo bleibt Ihr Artikel unter der Überschrift: Ein Jahr nach dem Kadertausch – Willkommen, Alba-Dauerkarte.“

Ja, Familie Schultze-Berndt, hier ist er. Und die Strafe für die Untreue war hoch genug: Die Dauerkarten wären deutlich preiswerter gewesen als all die in dieser Saison einzeln gekauften Tickets. Von der Häme ganz zu schweigen, die wir in der Halle von all jenen Bekannten ernteten, die anfänglich ebenfalls mächtig haderten, nun aber natürlich alle schon zum Saisonbeginn gewusst haben wollen, dass Alba alles richtig gemacht hat. Alles egal. Wichtig ist: Sonntag Daumen drücken!

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