• Ein Berliner Platz für den Freiheitskämpfer: Der Platz vor dem Schloss soll nach Nelson Mandela benannt werden

Ein Berliner Platz für den Freiheitskämpfer : Der Platz vor dem Schloss soll nach Nelson Mandela benannt werden

Mitte begrüßt die Initiative, die Freifläche am Humboldtforum nach dem Freiheitskämpfer zu benennen. Politische Rückendeckung kommt vom Senat. Trotzdem könnte es noch etwas dauern.

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So soll’s hier mal aussehen. Und wie soll der Platz heißen? Stimmen Sie ab unter www.tagesspiegel.de/schlossplatz. Simulation: promo
So soll’s hier mal aussehen. Und wie soll der Platz heißen? Stimmen Sie ab unter www.tagesspiegel.de/schlossplatz. Simulation:...

Fast alle wollen es und der Bezirk Mitte könnte es – deshalb dürfte ein Platz vor dem Schloss in wenigen Jahren nach dem Freiheitskämpfer und großen Versöhner Nelson Mandela benannt werden. Jedenfalls stößt der Vorschlag der Stiftung Zukunft Berlin, über den der Tagesspiegel gestern berichtete, auf viel Zustimmung.

Kulturstaatssekretär André Schmitz nannte den Vorstoß eine "sehr interessante Idee, die sicher auf die Zustimmung vieler Berliner stoßen würde". Die Verwirklichung bedürfe allerdings der Abstimmung mit den für diese Fragen zuständigen Bezirken. Ähnlich äußerte sich Senatssprecher Richard Meng: "Es ist sicher eine gute Idee, einen Ort nach Nelson Mandela zu benennen." Die praktische Umsetzung sei in solchen Fragen aber oft kompliziert. Fast alle zentralen Orte in Berlin hätten bereits ihre Namen. Auch seien die Bezirke in der Sache zuständig – "ich hoffe, dass dort eine gute Lösung gefunden wird", sagte Meng.

Mitte findet Vorschlag für Nelson-Mandela-Platz "ehrenwert"

Im Bezirk Mitte nennt die für Kultur zuständige Stadträtin Sabine Weißler (Grüne) den Vorschlag "auf jeden Fall hoch ehrenwert". Mandela und das Humboldtforum – "solche Konstellationen erzählen auch etwas über Verständigung, Akzeptanz, Gleichrangigkeit und Emanzipation der Kulturen". Die Bezirksstadträtin erinnert aber auch an das Gesetz, wonach frühestens fünf Jahre nach dem Tod einer Person eine Straße nach dieser benannt werden darf – und "ich bin nicht dafür, diese Frist zu unterschreiten".

Andererseits öffnet das Humboldtforum ohnehin erst im Jahr 2019. Und Mandelas Geburtstag jährt sich 2018 zum hundertsten Mal. Dann werden fünf Jahre vergangen sein seit seinem Tod. So gesehen drängt die Zeit nicht.

Für Volker Hassemer, früherer Stadtentwicklungssenator und Chef der Stiftung Zukunft Berlin, würde der Name des Freiheitskämpfers den Besuchern des Schlosses "die Augen öffnen" für das, was das Humboldt-Forum zu sein verspricht: Eine Begegnungsstätte, "die der Welt gehört" und ihren Kulturen gewidmet ist. Wer anders als Nelson Mandela repräsentiere diese Idee besser, durch seinen Kampf für Freiheit und für die Versöhnung der Menschen miteinander, der Ethnien und deren jeweiligen Kulturen.

Ein Platz am Humboldtforum für Mandela wird sich schon finden

Muss also der geschichtsträchtige Schlossplatz seinen Namen hergeben? Nicht unbedingt, meint Hassemer. Ebenso geeignet sei der Platz vor dem Haupteingang, wo das Einheitsdenkmal geplant ist, an der Westseite des Schlosses, vor dem kuppelgekrönten Portal III. "Schlossfreiheit" hieß dieser Bereich einmal – als sei das Terrain schon geebnet für den Freiheitskämpfer unserer Zeit.

Auch der frühere Bildungssenator Jürgen Zöllner unterstützt die Initiative: "Mandela steht für die gegenseitige Achtung der Menschen untereinander und für die Chance, die Unterschiedlichkeit als Bereicherung anzusehen." Mit der Benennung eines Platzes nach dem Freiheitskämpfer und Versöhner werde die Intention der Bundesrepublik Deutschland deutlich: Dass das Humboldtforum eben auch als Symbol für ein "neues, anderes Miteinander in der Welt" stehe – dafür sei Nelson Mandela wie kein anderer eingetreten. Auch die Stiftung Berliner Schloss Humboldtforum regte an, über den "interessanten Vorschlag ernsthaft zu diskutieren".

An diesem Mittwoch um 18 Uhr findet im Dom die offizielle Trauerfeier für Nelson Mandela statt, veranstaltet von der Botschaft Südafrikas und der Evangelischen Kirche. Die Predigt hält Altbischof Martin Kruse, musikalisch begleitet von der Jazzmusikerin Jocelyn B. Smith.

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