Ein Pfarrer macht mobil : Mit Gottes Segen gegen die Kampfradler

Auf dem schmalen Bürgersteig vor der Neuköllner Nikodemus-Kirche gab es schon viele Unfälle wegen rabiater Radfahrer. Der Gemeindepfarrer redet den Verkehrssündern jetzt ins Gewissen.

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Eine Gewissensfrage. Mit Ermahnungen und Handzetteln versucht Pfarrer Gemkow Radfahrer auf Abwegen zur Einsicht zu bewegen.
Eine Gewissensfrage. Mit Ermahnungen und Handzetteln versucht Pfarrer Gemkow Radfahrer auf Abwegen zur Einsicht zu bewegen.Foto: Paul Zinken

Der Kreuzköllner Radlerkrieg fällt aus an diesem Vormittag. Zwar hat Pfarrer Jörg Gemkow vor seiner Kirchentür in der Nansenstraße Stellung bezogen, und die Rückendeckung der Polizei steht. Nur Radler lassen sich kaum blicken. „Vorführeffekt“, sagt der 51-Jährige seufzend, „nachher kommen sie dann wieder in Massen.“ Gemkow, selbst Radfahrer, hat gute Gründe, den Kampfradlern ins Gewissen zu reden.

Denn die evangelische Nikodemus-Kirche ist nach Alt-Berliner Art in die Häuserzeile eingebaut, und wer heraustritt, landet direkt auf dem schmalen Bürgersteig. Zwei älteren Frauen ist das in den letzten Monaten zum Verhängnis geworden: Sie wurden hier von Radlern über den Haufen gefahren und erlitten Knochenbrüche. Auch die Kita-Erzieherinnen der Gemeinde klagen. „Seit etwa einem Jahr wird das immer schlimmer“, sagt Gemkow, der die Gemeinde seit 2004 leitet, „es hat sicher mit der Aufwertung der Gegend zu tun.“

Tatsächlich schwebt über dem einst grauen Reuter-Kiez zwischen Maybachufer und Hermannplatz längst mehr als ein Hauch Prenzlauer Berg. Junge Familien hohen Bildungsniveaus ziehen zu, Bioläden florieren, und die Kneipen werden langsam durch modisches Fast-Food von italienisch bis sudanesisch verdrängt. Gemkow freut sich darüber, sieht auch neue Gesichter in seinem Gemeindehaus, „aber das sind eben auch sehr viele neue Radfahrer.“

Was das Kopfsteinpflaster vor der Kirche mit den Unfällen zu tun hat, lesen Sie auf der nächsten Seite.

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