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Berlin : Ein Wohnturm für die Mediaspree

08.12.2012 00:00 Uhrvon

Das erste Hochhaus an den umkämpften Ufern von Friedrichshain wird vom nächsten Jahr an errichtet 45 Wohnungen entstehen in einem 63 Meter hohen Gebäude an der East-Side-Gallery.

Der erste Turm im umkämpften Gebiet der Mediaspree kommt. Bestrebungen von Bezirksbürgermeister Franz Schulz (Grüne), dem Entwickler des Hochhauses „Living Levels“ am Fuße der geplanten Brommy-Brücke, und den Bauherren des benachbarten Quartiers Ersatzflächen zu vermitteln, sind gescheitert. Der Senat hat dem Investor zugesichert, dass dieser das Projekt verwirklichen kann. Im Frühjahr kommenden Jahres rollen die Bagger an, Ende 2014 sollen die ersten Mieter in den Wohnturm einziehen.

33 Millionen Euro lässt sich der Vogtländer Unternehmer Maik Uwe Hinkel den 63 Meter hohen Turm kosten.

Und der Entwickler spricht von dem Bauvorhaben wie von einem Start-up: Es werde bereit sein für das „Web 3.0“, indem sogar ein Windrad auf dem Dach Strom erzeuge. Ob es dafür Genehmigungen gibt und ob ein energetisch autarkes Gebäude überhaupt möglich ist – üblicherweise wird selbst erzeugter Strom ins Netz eingespeist und vergütet –, das bleibt noch abzuwarten.

Eine blühende Fantasie hat der Entwickler auch bei der Gestaltung der Fassade: Bäume will er pflanzen, auf den Balkonen auf allen Etagen. Lerchen, Erlen, Birken könnten es sein, wobei noch geprüft wird, welcher Bewuchs widerstandsfähig genug ist für die luftigen Höhen der oberen Etagen. So könnte ein buntes Farbenspiel im Frühling und Herbst den Turm umspielen, dessen Baumhain im Sommer einen grünen kühlenden Laubvorhang vor die Wohnungen zieht. Nur in der dunklen Jahreszeit dringt das Licht ungehindert in die Räume, weil die Bäume ihre Blätter abgeworfen haben.

„Der städtebauliche Vertrag liegt seit Monaten unterschriftsbereit beim Bezirk“, sagt Hinkel. Dass der Änderungsantrag sein Projekt noch aufhalten könnte, schließt er aus: „Herr Schulz hat in seiner Zeit als Baustadtrat selbst die Baugenehmigung befördert.“ Nach dem Sperrfeuer aus dem Bezirk hätten ihm zwei Spitzenbeamte des Senats – aus der Verwaltung für Stadtentwicklung sowie aus der Finanzverwaltung – versichert, dass das Land die Flächen nicht enteignen werde. Eine Enteignung sei angesichts des gültigen Baurechts aber die einzige Möglichkeit, sein Projekt noch zu stoppen.

Zwar verstößt der Bau eines Turmes im Gebiet der Mediaspree gegen das erfolgreiche Votum des Volksentscheides von 2008, wonach dort überhaupt keine Hochhäuser entstehen sollen. Andererseits sieht sich der Investor durchaus im Einklang mit den Forderungen der Aktivisten, indem er einen acht Meter breiten öffentlich zugänglichen Uferstreifen anlegt, der die beiden Grünflächen östlich und westlich der geplanten Brommybrücke miteinander verbindet.

Sein Projekt sei auch ein Beitrag zur Entspannung des Immobilienmarktes, indem er 45 Wohnungen mit Größen zwischen 45 und 98 Quadratmetern baue. Diese werden, wie in Friedrichshain üblich, als Eigentum verkauft: ab 2750 Euro je Quadratmeter. Seine Firma „Living Bauhaus“ sei seit 18 Jahren im Geschäft, sagt Hinkel: In der Linienstraße errichtet sie zurzeit 60 Wohnungen und auch am Hausvogteiplatz hat sie gebaut.

Die Friedrichshain-Kreuzberger Abgeordnete und Fraktionschefin der Grünen Antje Kapek sprach von einer „ausgesprochen bedauerlichen Entwicklung“. Der Senat habe nicht die „überregionale Bedeutung“ des Areals an der East-Side-Gallery erkannt. Statt Ersatzgrundstücke für die Investoren aus dem Angebot des Liegenschaftsfonds anzubieten, werde nun eine „verdichtete Bebauung“ die von Touristen und Berlinern gerne besuchten öffentlichen Freiflächen an dem Denkmal beeinträchtigen.

Eine Sprecherin der Senatsverwaltung für Finanzen sagte, der Bezirk könne „eigenverantwortlich“ das Planungsrecht ändern. Man gehe aber davon aus, dass der Bezirk dann auch „die finanziellen Folgen selbst trägt und nicht alle Berliner mit in die Verantwortung nimmt“. Ersatzgrundstücke aus dem landeseigenen Liegenschaftsfonds wurden nicht angeboten.

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