Berlin : Eine neue Nasenspitze für Mozart

Im Sommer soll restauriertes Musikerdenkmal in den Tiergarten zurückkehren

Helmut Caspar

Joseph Haydn, Ludwig van Beethoven und Wolfgang Amadeus Mozart im Dreiklang: Zu Ehren der drei weltberühmten Musiker hatte Bildhauer Rudolf Siemering ein 1904 eingeweihtes Marmordenkmal geschaffen. Doch die Zeit hinterließ ihre Spuren daran. Vor einigen Jahren bot das Denkmal ein Bild des Jammers. Seine Standfestigkeit war nicht mehr gegeben, Regen drang ins Innere, Marmor bröckelte, Straßen- und Taubendreck hatte sich auf den Figuren abgelagert. Überall gab es grüne Schlieren, die von kupfernen Metallteilen herrührten. Eine umfangreiche Sanierung war daher unumgänglich – und die geht jetzt ihrem Ende entgegen: In diesem Sommer im Mozartjahr wird die fast zehn Meter hohe Marmorstatue wieder an ihren Stammplatz im Tiergarten an der Entlastungsstraße zurückkehren.

Noch aber wird das Werk in einer Stahnsdorfer Bildhauerwerkstatt restauriert. Im Auftrag der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung koordiniert die Berliner Firma „Restaurierung am Oberbaum“ die komplizierten Wiederherstellungsarbeiten. „Die etwa 145 Einzelteile waren überall von Rissen durchzogen. Einschüsse aus den letzten Kriegstagen gab es bei den Komponistenfiguren. Außerdem haben wir mutwillige Beschädigungen festgestellt“, beschreibt Restaurator Thomas Lucker den traurigen Zustand von damals, der inzwischen weitgehend behoben ist.

Die Marmorblöcke erhalten auch kleine „Verbesserungen“: So bekommt Mozart in der Bildhauerwerkstatt von Heinz-Otto Melior und Partner in Stahnsdorf seine Nasenspitze und einen abgebrochenen Finger zurück. „Kriegs- und Nachkriegsspuren bleiben erhalten, nur grobe Schäden werden behoben“, sagt Melior, der dem Werk noch einen Graffitischutz verpassen muss. Abgeschlossen ist bereits die Stabilisierung des Marmors durch ein Bamberger Speziallabor.

Da das ursprüngliche Aussehen des Marmordenkmals nicht mehr feststeht und viele bei Gladenbeck in Friedrichshagen gegossene Bronzedetails verloren gegangen sind, sucht die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung (V P 10-5) am Fehrbelliner Platz 2, 10707 Berlin, nach historischen Fotografien und Postkarten, um die Blumengehänge, Masken und Musikinstrumente nach historischen Aufnahmen zu rekonstruieren. Die Fotos werden vorsichtig gescannt und dem Eigentümer unverzüglich zurückgegeben.

Bildhauer Siemering hat bei der Hommage an Mozart, Haydn und Beethoven experimentiert und eine dreieckige Skulpturenform gewählt. Das üppig mit allegorischen Figuren, Muschelwerk und Blumengirlanden geschmückte Werk sehe aus wie ein „Musikerofen“, spotteten damals die Berliner: eine Assoziation auf die dreieckige Bauweise der meistens in Zimmerecken eingefassten Kachelöfen in der Kaiserzeit.

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