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Eine Stadt und ihre Gönner : Potsdamer Missfallen

25.09.2012 00:00 Uhrvon und
Das Ehepaar Jauch bei einer Ausstellungseröffnung in der Villa Schöningen, in der Mathias Döpfner Werke aus seiner Privatsammlung zeigt. In diesem Fall "Your red planet" von Olafur Eliasson. Foto: SCHROEWIG/Eva OertwigBild vergrößern
Das Ehepaar Jauch bei einer Ausstellungseröffnung in der Villa Schöningen, in der Mathias Döpfner Werke aus seiner Privatsammlung zeigt. In diesem Fall "Your red planet" von Olafur... - Foto: SCHROEWIG/Eva Oertwig

Sie haben viel Geld, und sie wollen es geben. Millionen spenden sie für die Rekonstruktion der historischen Mitte. Doch immer wieder bricht in Potsdam Streit darüber aus, wie gut die Mäzene es mit der Stadt meinen. Günther Jauch hat beschlossen, dass es jetzt reicht. Über Großzügigkeit und Kleinlichkeiten.

Er hält sich an Einzelheiten auf. Redet von den Säulen am Südportikus. Den Kupferbahnen, die das Dach bedecken. Den Fenstern, die von oben Tageslicht hineinlassen in das Schloss. Ein Schloss, das Günther Jauch sich seit Jahren an diesen Ort gewünscht hat. Das er gewissermaßen erzwungen hat. Vor zehn Jahren ließ er mitten auf den verwaisten Platz das Fortunaportal bauen, den Eingang zum Schloss. Acht Jahre blieb das Portal ein Durchgang ins Nichts. Schon deshalb konnte das Nichts nicht bleiben.

Jetzt steht der Wiederaufbau des Potsdamer Stadtschlosses vor der Vollendung.

Jauchs Kalkül ist aufgegangen. Die dreieinhalb Millionen Euro, die er für das Fortunaportal spendete, haben erbracht, was sie sollten. Ein Ganzes.

Doch am Fenster in der 17. Etage des Hotels Mercure, des ehemaligen DDR-Interhotels, das nur einen Steinwurf entfernt die Schlossbaustelle überragt und für dessen Abriss er jüngst öffentlich warb, sagt Jauch nicht, wie sehr er sich freut, dass das Stadtschloss bald wieder steht. Er lässt den Blick wandern über die roten Dächer des barocken Zentrums und die Schlossbaustelle. Seit 17 Jahren lebt er nun in der Stadt. Er sagt, dass es doch sehr langsam gegangen sei mit dem Wiederaufbau.

Wiederaufbau. Andere in Potsdam nennen es Zerstörung.

Je deutlicher die historische Mitte Potsdams wieder zu erkennen ist, desto größer werden die Spannungen in der Stadt. Da sind die Mäzene. Menschen wie Jauch. Individualisten, Einzelkämpfer, reiche Leute. Und da ist die kommunale Politik, in der es einen Konsens darüber, was Potsdam ist und was aus Potsdam werden soll, offenbar nicht gibt. Da sind die Einheimischen. Deren Interessen sind nicht dieselben wie die von jährlich 18,5 Millionen Tagestouristen. Und da sind schließlich die Hinzugezogenen mit ihren großen Sonnenbrillen und den neuen Elektrofahrrädern, sie trinken Latte Macchiato in den hübschen Cafés des Holländischen Viertels und scheinen darauf zu warten, dass etwas geschieht.

So ist Potsdams historische Innenstadt in den vergangenen Jahren schön, aber auch ein bisschen kulissenhaft geworden. Das fällt vor allem Leuten wie Sascha Krämer, Kreischef der Linkspartei, auf. Er ist Potsdamer mit Sinn und Herz für die Stadt, Gegner einer Disneysierung. „Die Stadt lebt von den Kontrasten“, sagt er.

Bedeutet das auch, dass der Dauerkonflikt nicht aus der Welt zu schaffen ist?

Krämer würde den reichen Neu-Potsdamern gar nicht unterstellen, das historische Potsdam in eine Kulisse ihres großbürgerlichen Lebensstils verwandeln zu wollen. Er weiß, dass die Prominenten die Stadt dafür nicht brauchen. Der Konflikt liegt woanders. Aber wo?

Es geht dabei, so viel ist klar, nicht nur um den Umgang mit Geschichte. Wenn selbst ein Erfolg wie der Schlossneubau für den Initiator Jauch zur Enttäuschung geworden ist und millionenschwere Mäzene, um die man Potsdam beneidet, sich abwenden, ernüchtert, verstört, frustriert, dann drängt sich die Frage auf: Was ist los in Potsdam?

Zuletzt war es Hasso Plattner. Der Mitgründer des Software-Weltkonzerns SAP hat Potsdam für bislang 200 Millionen Euro ein Universitätsinstitut gestiftet. Ohne seine 20-Millionen-Euro-Spende für die historische Fassade sähe das Schloss nicht nach einem Schloss aus. Und als das Geld der öffentlichen Hand für ein Kupferdach angeblich nicht reichte, beglich er auch diese Rechnung.

In Bildern: Die Kunstsammlung des Hasso Plattner

Jetzt mag Plattner über sein Engagement in Potsdam öffentlich nicht mehr reden. Und wenn er dann doch nicht umhin kommt wie vor ein paar Tagen, als er am Neuen Markt seinen „Jahrhundertschritt“ enthüllt, versucht er sich in Gelassenheit. Die Präsentation war lang geplant, Plattner hält Wort. In dunklem Hemd, Anzughose und Turnschuhen ist er als erster der offiziellen Gäste erschienen, ganz unkompliziert. Plattner lässt sich eine Tasse Kaffee bringen, die er im Stehen trinkt. Bei dem kleinen Festakt hält er eine kurze, pointierte Rede. Und er, den trotz seiner 68 Jahre ein jungenhafter Schalk, eine fröhliche Neugier umgibt, ist selbst am begeistertsten, als er den weißen Stoff von der monumentalen Plastik des ostdeutschen Künstlers Wolfgang Mattheuer zieht.

Das Grundstück, auf dem sie jetzt eine Weile steht, gehört Plattner. Das macht für ihn viel aus mittlerweile. „Hier kann mir keiner was, hier muss ich mich nicht rechtfertigen“, sagt er.

Der Satz sagt viel aus über sein Verhältnis zu der Stadt, von der er am Anfang so schwärmte. Es hat gelitten, er hat gelitten. Plattner sagt zwar, sein Ärger klinge exponentiell ab, mit der Betonung auf exponentiell. Was ja nur heißt, dass es sehr schnell geht mit dem Abklingen, aber bis zum endgültigen Verschwinden lange, sehr lange dauert. Schon kurz darauf bricht es aus ihm heraus: „Ich mache mich hier nicht zum Affen.“

Noch vor wenigen Wochen hatte er Potsdam ebenfalls ein Geschenk machen wollen. Am Ort des Hotel Mercure wollte der Milliardär eine Kunsthalle bauen. Darin die Werke ostdeutscher Künstler zeigen, mit dem „Jahrhundertschritt“ davor. Und er wollte seine private Sammlung von Meisterwerken der Klassischen Moderne dort zusammenführen. Als Vermächtnis. Dafür hätte er das Mercure-Grundstück vom Eigentümer, einem US-Immobilienfonds, erworben, den 17-stöckigen Plattenbau abgerissen und dem Stadtschloss einen modernen Bau entgegensetzt. Nach einer heftigen Debatte in der Stadt sagte Plattner ab, kündigte entnervt an, die Kunsthalle auf seinem abgelegenen Privatgelände am Jungfernsee zu bauen. Wenn überhaupt.

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