Eisbären-Gedenken : Knut zeigt die Kralle im Naturkundemuseum

Der Eisbär starb vor einem Jahr. Im Naturkundemuseum wird eine Schau vorbereitet.

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„Polar bear Knut died in Berlin Zoo“ – vor fast einem Jahr, am 19. März 2011, gingen Meldungen zum Tod des Zoo-Eisbären Knut um die Welt, und selbst auf der abgelegensten Insel der Fidschi-Atolle im Südpazifik war das überraschende Ableben des Tiers ein Thema. Zum Gedenken an den im Alter von vier Jahren einer Virusinfektion im Gehirn erlegenen Bären laden die Gemeinschaft der Förderer von Tierpark Berlin und Zoo Berlin e. V. und die Stiftung zugunsten der Hauptstadtzoos schon am Sonntag zu einer Veranstaltung an das Zoo-Eisbärengehege. Die Bronzegedenkskulptur der Stiftung wird doch nicht zum Todestag fertig – aber dafür nehmen die Pläne für das Knut-Exponat im Museum für Naturkunde in Mitte Gestalt an.

Die Fördervereine bauen Stände auf, Knut-Freunde wie Doris Webb von der Initiative „Knut forever in Berlin“ kommen. Angeboten werden Knut-Stofftiere, Postkarten, Anhänger. Und die neue Gedenkmünze, sie kostet zwölf Euro; je ein Euro kommen der Stiftung und dem Umbau der Tropenbärenanlage im Zoo zugute. „Von den Medaillen haben wir allein in drei Tagen 400 Stück verkauft“, sagt Fördergemeinschafts-Chef Thomas Ziolko. Die Knut-Umweltbriefmarke der Post ist aber restlos ausverkauft. Viele Fernsehsender zeigen ebenfalls schon am Sonntag Knut-Filme.

Die Faszination am Phänomen Knut hält auch ein Jahr nach dem Tode des vom Pflegerteam rund um den – ebenfalls überraschend verstorbenen – Tierpfleger Thomas Dörflein aufgezogenen Bären an. Im Internet dokumentieren Fotos und Videos sein Leben im Forum der Seite www.worldofanimals.de. Denn während allein in Deutschland seit 1980 rund 70 Eisbären weitgehend unbeachtet von der Öffentlichkeit geboren und teils auch von Hand aufgezogen wurden, geriet das Duo Dörflein/Knut zum weltweiten Medienhype, der dem Zoo Millionen Euro Gewinne durch mehr Besuchereinnahmen sowie Lizenzgebühren vermachte.

Der Zoo-Eisbär hängt in Millionen Kinderzimmern als Aufkleber, er ist auf DVDs zu sehen, im Kinospielfilm, sogar als Couchgarnitur.

Die Knochen des Tiers lagern laut Naturkundemuseum im Institut für Zoo- und Wildtierforschung Berlin – so könnte man theoretisch auch sein Skelett zeigen. Das Fell des Bären ruht präpariert in einer Kühltruhe im Museum an der Invalidenstraße. Ein Team von sechs Präparatoren wird die Überreste zu einer Dermoplastik gestalten, wohl aber nicht mehr in diesem Jahr. Dafür studieren sie Gestalt und Bewegung des Bären, formen eine Tonskulptur, von der wiederum ein Negativabguss aus leichtem Spezialkunststoff gemacht wird. Über diesen werden millimetergenau Fell und Klauen gezogen und Eisbärenglasaugen dazu gekauft. Das ist hochpräzise Hightech, anders als das frühere Ausstopfen mit Stroh, wie sie das Museum in der Präparationsschau erläutert. Dort freuten sich am Mittwoch viele Kinder darauf, dass sie „Knut“ mal als Teil einer neuen Schau „Wert der Natur“ erleben können. Dazu soll es auch ein Symposium geben zu Themen wie Symbolkraft von Tieren, emotionale Bindung des Menschen, Wertschöpfung, Klimaschutz und Biodiversität.

Einige halten das Gedenken aber für übertrieben. „Die Menschen sind komisch“, sagte eine Touristin, „sie lieben Knut, den sie aber auf beengtem Raum im Zoo hielten, zugleich essen die meisten Menschen Tiere, und nun wollen sie ihren Liebling aus Lebzeiten noch derart präparieren.“

Der Tagesspiegel verlost fünf Knut-Gedenkmünzen: Bitte bis Sonntag eine Mail mit dem Stichwort „Knut-Münze“ an verlosung@tagesspiegel.de senden.

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