Berlin : "Electronic Plastic": Grenzüberschreitend

Jasmin Jouhar

Daniel, Jörg und Oskar sind typisch für Berlin. Die drei werden das vielleicht nicht gerne lesen, aber in ihren Ideen und Biografien dürften sich einige Jung-Berliner wiederfinden. Zum Beispiel die Zugezogenen: Fröhlich mischen sich junge Leute aus der ganzen Republik mit den Berlinern, die Standardfrage lautet: "Wie lange wohnst du schon hier?" Daniel Haaksman seit drei Jahren, Jörg Koch seit zweieinhalb Jahren und Oskar Melzer seit eineinhalb Jahren. Und seit rund einem Jahr machen sie "etwas Intermediäres", wie Daniel Haaksman sagt. Sie betreiben die Galerie "ffwd" (Abkürzung für Fast Forward) in Mitte, in der sie Ausstellungen an den Grenzen zwischen "Kunst, Design, Pop und Lifestyle" zeigen.

Auch das ist echt berlinisch: die Trennlinie zwischen den Disziplinen und Medien überschreiten. Wer ist noch Nur-Fotograf oder Nur-DJ? Daniel Haaksman (31) jedenfalls ist DJ, Galerist, freier Autor und hat kürzlich ein Dub-Compilation zusammengestellt. Jörg Koch (25) studiert Amerikanistik, erstellt Konzepte für "Dotcom-Agenturen", ist ebenfalls freier Schreiber und Galerist. Oskar Melzer, (25), arbeitet in der Galerie, als DJ und Partyveranstalter, unter anderem für den Pogo-Club der Kunst-Werke. Ihre Galerie "geht den Weg vieler Initiativen", sagt Daniel Haaksman.

Nach der nächsten Ausstellung ist jedoch Schluss, das Haus in der Ackerstraße wird saniert, und danach kosten die Räume das Doppelte. "Ein Berliner Phänomen: Viele Clubs halten sich ein, zwei Jahre. Dann wird saniert oder abgerissen", sagt Haaksman. Müßig zu fragen, ob die drei wüssten, wie es weitergeht. "Kann ich nicht sagen." Einen Ausstellungsraum mit fester Adresse wird es jedenfalls nicht mehr geben. Doch ein Besuch bei ffwd so kurz vor Schluss lohnt: Die drei zeigen von Freitag an das "Electronic Plastic" des Sammlers Jaro Gielen.

Der hat über 400 tragbare Videogames aus der Frühzeit des digitalen Spiels zusammengetragen. Bei ffwd stellt er seine Stücke samt Original-Verpackung aus. 25- bis 35-Jährige können in der Galerie die elektronischen Helden ihrer Jugend wiedersehen: "Pac Man", "Donkey Kong" oder die "Space Invaders". Und mitspielen, denn in der Ausstellung gibt es auch einsatzfähige Atari-Konsolen, die an einen Videoprojektor angeschlossen sind. Die letzte Ausstellung fügt sich in ihr Konzept: Stets haben die drei ein persönliches Interesse an dem Gezeigten.

Im Januar präsentierten sie das "ID-Magazine", für Daniel Haaksmann die "Style-Bibel" überhaupt. Beim Filmfestival "onedotzero" im Dezember liefen digitale Kurzfilme, Musikclips und Animationen. Bis Oktober war die Galerie vollgestopft mit Armeekleidung - auch eine Sammlung. "Schließlich gehören Armeesachen seit 35 Jahren zu allen Jugendkulturen", erklärt Haaksman.

Mit einer Berliner Erscheinung wollten die drei nie etwas zu tun haben: "Wir sind zwar in der Nähe des Galerienviertels in der Auguststraße", sagt Haaksman, "aber mit deutlichem Abstand." Zu ihnen kämen keine reichen Sammler und keine Kunstjournalisten. Und sie verkaufen die gezeigten Objekte nicht, die Ausstellungen werden mit Sponsorengeldern bezahlt. Dafür legen zur Eröffnung DJs auf, im Untergeschoss steht eine Bar, eben ein richtiges "social event", so Haaksman. Also: typisch Berlin.

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