Elf Ruderschläge pro Fahrt : "Paule III" ohne Kapitän

Ronald Kebelmann, der berühmteste BVG-Fährmann, geht in den Ruhestand. Im Mai gibt es einen Nachfolger.

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Adé, BVG. Fährmann Ronald Kebelmann braucht elf Ruderschläge von Rahnsdorf nach Müggelheim.
Adé, BVG. Fährmann Ronald Kebelmann braucht elf Ruderschläge von Rahnsdorf nach Müggelheim.Foto: KKH

Eigentlich wechselt er nur die Seite, vom Fährmann zum Fahrgast. Im Mai will Ronald Kebelmann zu einer Kreuzfahrt aufbrechen, in den Norden: Schottland, Island, Norwegen. Da kommen schon ein paar tausend Seemeilen zusammen. Die Müggelspree-Überfahrt von Rahnsdorf nach Müggelheim wird dagegen in Ruderschlägen gemessen. Elf braucht es, bei Rückenwind und gutem Gesamtbefinden. In diesem Herbst hat sich der 63-Jährige letztmals in die Riemen gelegt, nach 14 Jahren Dienst auf der Ruderfähre „Paule III“ ist er nun im Ruhestand.

Bis 2016 sah es so aus, als müsste auch Paule III aufs Altenteil. Der Senat wollte die Verbindung F 24 einstellen, doch dagegen erhob sich deutlicher Protest. Und Kebelmann, von imposanter Statur, zusammen mit seiner Fähre auf zehntausenden Ausflügler-Smartphones verewigt, sagte einen wichtigen Satz: „Die Ruderfähre gehört nach Rahnsdorf wie der Hauptmann nach Köpenick.“

Das brachte auch den damaligen Verkehrssenator Andreas Geisel zum Nachdenken. Er brach nach Rahnsdorf auf, stieg ins Ruderboot und verkündete die Rettung des marinen Kulturguts, das wie vier weitere Fähren im Stadtgebiet von der Weißen Flotte Stralsund betrieben wird, im Auftrag der BVG.

Immer etwas Seemannsgarn

Ab Mai wird ein jüngerer Nachfolger die Fähre übernehmen und immer freitags, sonnabends, sonntags und feiertags maximal acht Personen übersetzen. Voraussetzung für einen BVG-Ruderer sind nicht kräftige Oberarmmuskeln, sagt Kebelmann. „Man muss nicht unbedingt ein Athlet sein, aber mit dem Herzen dabei, die Leute unterhalten, was erzählen – muss nicht immer stimmen.“

Seemannsgarn halt, was genau sich dazu eignet, verrät Kebelmann lieber nicht. Besonders lustig wird es immer am Herrentag, dann kommen Studenten, Lehrlinge und Junggesellen, singen: „Wir lagen vor Madagaskar...“ und spielen Mann über Bord. Da muss Kebelmann dann eingreifen und seine Kapitänsstrenge walten lassen.

Aushilfsweise will er auch im nächsten Jahr Fähren fahren, aber nur solarbetriebene. Da empfiehlt sich die ebenfalls existenzgefährdete F11 etwas spreeabwärts in Baumschulenweg. 2018 ist ihr Betrieb noch gesichert, dann nicht mehr. Kebelmann könnte also sagen: „Die F 11 gehört nach Baumschulenweg wie... ähh... wie der Eiffelturm nach Paris.“ Rrrumms, das sitzt. Und wieder eine Fährlinie gerettet. Toller Hecht, dieser Kebelmann.

Kebelmann profitiert übrigens von der Rente mit 63. Als er 2003 die Fähre übernahm, hatte er schon 31 Berufsjahre auf dem Buckel. Früher arbeitete er als Maschinist im Kraftwerk Klingenberg. Nach der Wende war er Hausmeister, Kurierfahrer und auch mal arbeitslos. 2003 fragte er in der Marinekameradschaft Köpenick einen Mitarbeiter von Stern und Kreis, ob er nicht einen Job für ihn habe. Schließlich hatte er das Binnenschifferpatent. Und los ging’s auf der Ruderfähre.

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