Entscheidung : Bilfinger Berger verlängert Berlins U-Bahnlinie 5

10.02.2012 10:55 Uhrvon
  • April 2011: Bauarbeiten vor dem Roten Rathaus. Links oben, in Richtung Nikolaiviertel, wurden die Überreste des Alten Rathauses freigelegt. - Foto: Martin Stefke/BVG
  • Ausstieg rechts. So soll der umgeplante Bahnhof für die U 5 am Roten Rathaus aussehen. - Simulation: BVG/Collignon
  • Bis 2019 wird an der Verlängerung der U5 gebaut, die den Hauptbahnhof mit dem Alexanderplatz verbindet. Dafür müssen noch drei neue Bahnhöfe gebaut werden: Die Stationen Berliner... - Grafik: TSP

Der Mannheimer Baukonzern Bilfinger Berger baut die Tunnel der U 5 vom Alexanderplatz zum Brandenburger Tor. Das Unternehmen war auch an Bauarbeiten beteiligt, in deren Folge das Kölner Stadtarchiv einstürzte.

Für die BVG ist es kein böses Omen. Nach einem rund sechsmonatigen Vergabeverfahren hat sich das Unternehmen entschieden, die Verlängerung der U-Bahn-Linie U 5 vom Alexanderplatz zum Brandenburger Tor von dem Mannheimer Baukonzern Bilfinger Berger bauen zu lassen. Dieses Unternehmen hat auch die Röhren für die unterirdische Stadtbahnstrecke in Köln errichtet, wo im Frühjahr 2009 an der Baustelle das wertvolle Stadtarchiv eingestürzt war.

Bilfinger Berger war anschließend Pfusch am Bau vorgeworfen worden.

Fachleute werten den Einsturz inzwischen als Unglück, das überall hätte passieren können. Die BVG habe zudem ein umfangreiches Sicherungsmanagement aufgebaut – mit externen Prüfern und einem externen Bauleiter, sagte BVG-Sprecherin Petra Reetz.

Daneben setze die BVG auf modernste Technik. Wie bereits beim Bau der U55 am Brandenburger Tor werde es auch ein umfangreiches Netz von Messstellen und Sensoren geben, die kritische Erd- oder Grundwasserbewegungen in Echtzeit registrieren und dann ein abgestuftes Notfallmanagement ermöglichten.

Bilfinger Berger habe sich gegen vier Mitbewerber in dem europaweiten Verfahren durchsetzen können und werde nun eines der größten Verkehrsinfrastrukturprojekte in Berlin bauen, teilten die BVG und der Baukonzern am Freitag mit. Das Verfahren habe bereits zwei Wochen vor dem geplanten Abschluss ohne Einsprüche beendet werden können. Das beweise, dass die BVG das Großprojekt bestens vorbereitet und ein faires und transparentes Vergabeverfahren geschafft habe, erklärte BVG-Chefin Sigrid Evelyn Nikutta.

Zunächst werden die beiden Bahnhöfe Museumsinsel und Unter den Linden, der Tunnel und der so genannte Startschacht für die Tunnelbohrmaschine am Marx-Engels-Platz gebaut. Die Arbeiten beginnen in diesem Jahr. Weil die Station Berliner Rathaus nach archäologischen Funden umgeplant werden muss, werden diese Arbeiten später ausgeschrieben. Sie sollen Anfang 2013 starten.

Bereits am Montag rücken an der Kreuzung mit der Friedrichstraße die ersten Arbeiten an. 54 Linden werden gefällt, um die Grube für den künftigen Umsteigebahnhof zur U 6 (Alt-Tegel–Alt-Mariendorf) bauen zu können. Um den Aushub beim Tunnelbau ab- und das Material zur Baustelle auf dem Wassertransportieren zu können, entsteht derzeit gegenüber dem Schlossplatz ein Hafen.

Die verlängerte U 5, von der bereits seit August 2009 der Stummel vom Brandenburger Tor bis zum Hauptbahnhof besteht, soll 2019 in Betrieb gehen. Die BVG rechnet mit täglich bis zu 155 000 Fahrgästen auf der 22 Kilometer langen Linie von Hönow bis zum Hauptbahnhof. Die Gesamtkosten sind mit 433 Millionen Euro veranschlagt und stammen zum großen Teil aus Bundesmitteln.

Beim Bau des Bahnhofs Brandenburger Tor hatte der Hochtief-Konzern den Zuschlag erhalten. Die Kosten waren mit 28 Millionen Euro veranschlagt. Am Schluss forderte Hochtief 22,5 Millionen Euro mehr, weil es unvorhergesehene Probleme gegeben habe. Die BVG akzeptierte schließlich Zusatzkosten von knapp zwölf Millionen Euro.

Bilfinger Berger leitet auch eine Arbeitsgemeinschaft, die die Tunnel und ein Trogbauwerk für die S-Bahn-Linie S 21 baut, die den Nordring mit dem Hauptbahnhof verbinden wird. Auch dieser Abschnitt ist bautechnisch anspruchsvoll, weil der Tunnel am Hauptbahnhof unter Druckluft an bestehende Anlagen angeschlossen werden muss.

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