Berlin : „Er ist uns ans Herz gewachsen“

Trauer um Tierpfleger Dörflein: Hunderte legten am Zoo Blumen nieder

Kirsten Baukhage (dpa)

Dutzende von Grabkerzen flackern vor und im Zoo im Sonnenlicht. Auch eine Woche nach seinem plötzlichen Tod ebbt die Trauer um Thomas Dörflein, den Ziehvater des Eisbären Knut, nicht ab. Menschen stellen am Wochenende still immer neue Sträuße und Briefe in das Blumenmeer vor dem Nebeneingang und vor Knuts Gehege. Der 44-jährige Dörflein war am vergangenen Montag überraschend an einem Herzinfarkt infolge einer Thrombose gestorben. „Danke, dass Du Knut ein Leben geschenkt hast“, steht auf einem Zettel zwischen Fotos. Und: „Danke, dass Du so ein großartiger und warmherziger Mensch warst.“

Vor dem Gehege des inzwischen fast 22 Monate alten und gut 200 Kilogramm schweren Eisbären tauschen sich die Zoobesucher über ihre Erfahrungen mit Knut und Dörflein aus. Sie haben sich am „einmaligen Zusammenspiel von Tier und Pfleger erfreut und sie beide ins Herz geschlossen“, wie Besucherin Annegret Dörpel (42) sagt. Erika Atze (73) ist „Dörflein so ans Herz gewachsen, weil er sich von Anfang an so um den kleinen hilflosen Kerl gekümmert hat.“

Fast fünf Monate lang hatte sich der Tierpfleger rund um die Uhr um das erste Eisbärbaby im Berliner Zoo seit 33 Jahren gekümmert. Dörflein zog ins Bärenrevier, um den von seiner Mutter Tosca verstoßenen Bären mit der Flasche groß zu ziehen. Die Videobilder von Tierarzt André Schüle ermöglichten einen bis dahin unbekannten Einblick. Zum ersten öffentlichen Auftritt von Knut und Dörflein im März 2007 reisten Journalisten aus der ganzen Welt an. Die Wirkung der Medien spiegelte sich auch im Internet. Weltweit kommunizierten Knut-Fans und kommentierten jedes neue Bild von Knut in ihren Blogs. Aus vielen Ländern gehen jetzt auch Tausende Beileidsbekundungen ein.

Medienpsychologin Katrin Döveling erklärt die kollektive Trauer mit dem „Diana- Effekt“. Durch die vielen Berichte hätten viele Menschen so etwas „wie Intimität aus der Distanz“ zu Dörflein aufgebaut, sagt Döveling, die ähnliche Effekte bereits nach dem Tod von Prinzessin Diana und Papst Johannes Paul II untersucht hat. „Dörflein hatte so etwas wie eine Stellvertreter-Position für alle, die gern selbst mit dem Eisbären geknuddelt hätten“. Zudem sei Dörflein sympathisch und authentisch gewesen. Besucher Willy Gröck erklärt sich die Anteilnahme „mit dem Menschen“ Dörflein. „Er war so bescheiden“, sagt der Rentner. Das sieht auch Erika Atze so. „Dörflein mochte den Rummel um seine Person nicht.“ Dem Pfleger sei es um Knuts Wohlergehen gegangen und daraus habe er nie Geld geschlagen. „Der hätte doch reich werden können.“ Kirsten Baukhage (dpa)

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