Erbrecht : Reklame an der Bahre

Ein auf Erbrecht spezialisierter Anwalt wirbt mit einem Leichenwagen um neue Kundschaft.

Rainer W. During
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Werbemittel Leichenwagen. Solche Reklame stößt auf Kritik. -Foto: During

Eine ungewöhnliche Form der Reklame hat sich ein auf Erbrecht spezialisierter Rechtsanwalt einfallen lassen. Für seine Dienste wirbt er mit einem Leichenwagen, den er vor den Eingängen von Berliner Friedhöfen parkt. Jetzt muss der Jurist mit einem Ordnungsverfahren rechnen.

Selbst am Volkstrauertag stand der schwarze Ford in der Spandauer Pionierstraße, was Besucher des Friedhofs In den Kisseln als pietätlos empfanden. Unter der Überschrift „Erbfall, was tun?“ bietet sich eine in Charlottenburg und Mahlsdorf ansässige Kanzlei auf Heck- und Seitenscheiben des Wagens in großen Lettern für die „Beratung und Vertretung in allen Erbschaftsangelegenheiten“ an. An den Seitenfenstern der Fahrerkabine hängen zusätzlich Plastikboxen mit Flyern zum Erbrecht, in denen sich Rechtsanwalt Thomas G. mit Bild als Mitglied der Deutschen Vereinigung für Erbrecht und Vermögensnachfolge sowie „zertifizierter Testamentsvollstrecker“ empfiehlt.

Das Spandauer Tiefbauamt prüft die Einleitung eines ordnungsbehördlichen Verfahrens. Zumindest die Auslage der Flyer über die Fensterboxen sei eine nach dem Berliner Straßengesetz unzulässige und nicht genehmigungsfähige Verteilung von Werbemitteln, sagt Amtsleiter Michael Spiza. Auch das Dauerparken eines Fahrzeugs zu Werbezwecken ist verboten, gilt aber als schwer nachweisbar.

Jens von Wedel, Vorstandsmitglied der Berliner Rechtsanwaltskammer, bezeichnet die Werbung des Kollegen als „geschmacklos“ und „makaber“. Dennoch sieht er in der Aktion „keine spezifische Berufspflichtverletzung“. Da es sich bei den Werbeaufschriften weder um irreführende noch beleidigende Aussagen handelt, kann man den Leichenwageneinsatz weder rügen noch untersagen.

Man wolle über ein „häufig tabuisiertes Thema“ informieren, sagt Thomas G. auf Nachfrage. Für den Leichenwagen habe er sich wegen „des großen Aufmerksamkeitswertes“ entschieden. Die Standorte seien danach gewählt, wo es „möglicherweise Personen gibt, die vielleicht auch das eine oder andere an Rat benötigen“. Normalerweise werde das Fahrzeug alle paar Tage umgeparkt.

Auch wenn „nicht alle hurra schreien“ würden, erhalte man viele positive Reaktionen, betont der Anwalt. Dass die Flyer häufig vergriffen seien, zeuge vom „riesengroßen Informationsbedürfnis“ der Menschen. Gegenüber der Kammer habe er sich von einem vermuteten Werbegedanken distanziert. Dass man sich bei Beratungsbedarf an seine Kanzlei wenden könne, sei ja klar. Rainer W. During

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