Erinnerung an den 2. Juni 1967 : Stadtrat will Platz nach Benno Ohnesorg benennen

Im Tagesspiegel-Interview erklärt Bezirksbaustadtrat Oliver Schruoffeneger aus Charlottenburg-Wilmersdorf, warum der Platz vor der Deutschen Oper den Namen des 1967 getöteten Studenten tragen sollte.

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Benno Ohnesorg bei seiner Einlieferung ins Krankenhaus, umringt von Helfern des Roten Kreuzes.
Benno Ohnesorg bei seiner Einlieferung ins Krankenhaus, umringt von Helfern des Roten Kreuzes.Foto: Joachim Barfknecht/dpa

Am Freitag, dem 2. Juni, jährt sich zum 50. Mal der Tod des Studenten Benno Ohnesorg während der Proteste gegen den Besuch des Schahs von Persien. Nahe der Deutschen Oper an der Bismarckstraße war der damals 26-Jährige vom Polizisten Karl-Heinz Kurras erschossen worden.

Jetzt forderte der leitende Tagesspiegel-Redakteur Gerd Nowakowski die Benennung eines Platzes in Charlottenburg nach Ohnesorg und schlug dafür den Shakespeare-Platz gegenüber der Oper an der Bismarckstraße vor. Lesen Sie hier, wie der Charlottenburg-Wilmersdorfer Baustadtrat Oliver Schruoffeneger (Grüne) darüber denkt.

Herr Schruoffeneger, braucht der Bezirk einen Benno-Ohnesorg-Platz?
Ja, wir brauchen eine dauerhafte und angemessene Erinnerung an den Mord an Benno Ohnesorg. Deshalb habe ich heute einen Brief an Kultursenator Klaus Lederer (Linke) geschrieben. Der ideale Ort wäre meiner Ansicht nach der Platz vor der Deutschen Oper – am nordwestlichen Eingang des U-Bahnhofs an der Ecke Krumme Straße/Bismarckstraße.

Aber das hatten der Stiftungsrat der Oper und der damalige Baustadtrat Klaus-Dieter Gröhler (CDU) doch schon vor zehn Jahren abgelehnt?
Die Bezirksverordnetenversammlung hatte dazu in den Jahren 2005 und 2007 Beschlüsse gefasst und sich für die Umbenennung des Vorplatzes ausgesprochen. Stadtrat Gröhler hatte natürlich eine ganz andere Einschätzung gegenüber der Rolle der Studentenbewegung, er hielt sie gesellschaftlich für nicht so relevant. Aber ich möchte die Diskussion noch einmal aufnehmen. Inzwischen gibt es schließlich neue Erkenntnisse über die Abläufe an jenem 2. Juni und über Kurras, der auch Agent der DDR-Staatssicherheit war. Die Deutsche Oper nimmt gesellschaftliche Themen ja auch auf in ihren modernen Stücken. Und im Stiftungsrat ist jetzt Kultursenator Lederer der Vorsitzende.

Oliver Schruoffeneger (Grüne), hier im Rathaus Charlottenburg, amtiert seit dem November 2016 als neuer Stadtrat für Stadtentwicklung, Bauen und Umwelt..
Oliver Schruoffeneger (Grüne), hier im Rathaus Charlottenburg, amtiert seit dem November 2016 als neuer Stadtrat für...Foto: Kai-Uwe Heinrich

Worin liegt die besondere politische Bedeutung des 2. Juni 1967?
Der brutale Polizeieinsatz war einer der Auslöser einer breiten gesellschaftlichen Debatte um das Verhältnis zwischen dem Sicherheitsapparat und dem Staat. Das hat den Staat verändert hin zu einer liberalen, auf Eigenständigkeit setzenden und demokratischen Gesellschaft. Diese Debatte läuft bis in die heutige Zeit und ist immer noch hochaktuell. Das zeigen beispielsweise die Diskussion um den rechtsextremen Terror und die Rolle der Sicherheitsbehörden im „NSU-Fall“ oder über die potenziellen Anschlagsplanungen aus den Reihen der Bundeswehr. Ohne die Studentenbewegung sähe Deutschland heute anders aus. Hier geht es um Liberalismus, Bürgerrechte, Demokratie und Weltoffenheit – all das, was man auch als „europäische Mentalität“ bezeichnet.

Was halten Sie von dem Antrag der bezirklichen Linksfraktion, den BVV-Saal im Rathaus Charlottenburg in Benno-Ohnesorg-Saal umzubenennen?
Das würde meiner Meinung nach nicht ausreichen. Der BVV-Saal ist nicht so öffentlich wahrnehmbar wie der Platz vor der Oper.

Wie schnell könnte über dessen Umbenennung entschieden werden?
Wenn Klaus Lederer gut mitzieht, kann es zügig gehen und in etwa einem halben Jahr zur Beschlussfassung kommen. Dabei müssten wir auch über den geeigneten Zeitpunkt einer Umbenennung beraten – beispielsweise 2018 am nächsten Jahrestag.

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