Ermittlungen im Fall Jonny K. : Onur U. ist türkischer Staatsbürger

Der mutmaßliche Haupttäter im Fall Jonny K. hat die türkische Staatsbürgerschaft - das ist nun sicher. In der Türkei wie in Deutschland wird er mit Haftbefehl gesucht . Es ist dennoch nicht ausgeschlossen, dass er in die Bundesrepublik zurückkehrt.

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Onur U. soll einer der Jugendlichen gewesen sein, der Jonny K. (Bild) zu Tode prügelte.
Onur U. soll einer der Jugendlichen gewesen sein, der Jonny K. (Bild) zu Tode prügelte.Foto: dpa

Nun ist es offiziell: Onur U., der mutmaßliche Haupttäter im Fall Jonny K., ist türkischer Staatsbürger. Am Donnerstag hat die Berliner Staatsanwaltschaft das bereits angekündigte Rechtshilfeersuchen aus der Türkei erhalten. Damit habe man nun Gewissheit, dass der Tatverdächtige die türkische Staatsbürgerschaft besitze, sagte Sprecher Martin Steltner. Die türkischen Behörden hätten um Akten gebeten, das Rechtshilfersuchen müsse jetzt noch eingehend geprüft werden.

Nachdem die türkischen Kollegen in der vergangenen Woche angekündigt hatten, gegen den in die Türkei geflohenen Onur U. zu ermitteln, gab es zunächst verwirrende Spekulationen bezüglich seiner Staatsangehörigkeit. „Es spricht einiges dafür, dass er die doppelte Staatsangehörigkeit hat“, sagte Steltner nun – aber das müsse noch überprüft werden. Auch in Justizkreisen hieß es, dass ziemlich sicher sei, dass Onur U. Doppelstaatsbürger sei. Nicht ausgeschlossen ist aber auch, dass U. in der Türkei die deutsche Staatsbürgerschaft ablegte. Die türkischen Behörden liefern ihre Staatsbürger nicht aus, haben aber schon einen Haftbefehl verhängt, da der deutsche Haftbefehl nur in den Ländern der EU gilt.

Trauerfeier für Jonny K.
Hunderte Berliner kamen nach Westend, um von Jonny K. Abschied zu nehmen.Weitere Bilder anzeigen
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28.10.2012 14:58Hunderte Berliner kamen nach Westend, um von Jonny K. Abschied zu nehmen.

Onur U. hatte vor wenigen Monaten eine freiwillige Rückkehr nach Deutschland versprochen, um sich den deutschen Behörden zu stellen, dies aber nicht in die Tat umgesetzt. Allerdings wird in Justizkreisen auch über mögliche Verhandlungen der deutschen Behörden mit dem Verdächtigen spekuliert, etwa um eine Verschonung von einer möglichen U-Haft. Auch setzt man darauf, dass sich Onur U. spontan doch zu einer Rückkehr entschließen könnte, falls eine Verurteilung in der Türkei unmittelbar bevorstünde – und zwar angesichts der besseren Haftbedingungen in Deutschland . Ein weiterer mutmaßlicher Schläger, Bilal K. (24), ist flüchtig, drei weitere Verdächtige sitzen in U-Haft, einer ist frei.

Am Donnerstag war Onur U. Thema während des Besuchs von Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) in der Türkei. Friedrich sprach in Ankara mit seinem türkischen Amtskollegen Muammer Güler. Der Fall Onur U. sei kurz angesprochen worden, hieß es nach dem Treffen in Teilnehmerkreisen. In dem Gespräch betonte der deutsche Minister demnach, die Probleme im Fall Onur U. seien für ihn ein Beispiel dafür, warum die doppelte Staatsbürgerschaft abzulehnen sei. Solange es Nationalstaaten gebe, sollten Menschen auch eindeutig einem einzigen Staat zuzuordnen sein. Ob die Minister darüber hinaus zu Ergebnissen im konkreten Fall kamen, wurde nicht mitgeteilt.

Onur U. wird verdächtigt, gemeinsam mit fünf weiteren jungen Männern den 20-jährigen Jonny K. am 15. Oktober 2012 am Alexanderplatz zu Tode geprügelt und getreten zu haben.

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