Erste Pride Parade in Berlin : Die Rollis bestimmten das Tempo

Behindert und verrückt feiern – darum ging es am Sonnabend bei Berlins erster Pride Parade. Die Teilnehmer verbinden Spaß mit dem Kampf gegen Diskriminierung.

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Bei der Pride Parade am Sonnabend in Berlin auf dem Hermannplatz ging es um "behindert und verrückt feiern". Nach Angaben der Polizei trafen sich mehr als 200 Menschen zur ersten bundesweiten Pride Parade. Behinderte Gruppen und am Rande der Gesellschaft stehende Menschen forderten dabei mehr Rechte und Anerkennung.
Bei der Pride Parade am Sonnabend in Berlin auf dem Hermannplatz ging es um "behindert und verrückt feiern". Nach Angaben der...Foto: dpa

Die Rollis bestimmten das Tempo. Als sich die Pride Parade, die erste ihrer Art in Berlin, am Sonnabend kurz vor 16 Uhr am Hermannplatz auf den Weg machte, setzten sich die Rollstuhlfahrer an ihre Spitze. Bis zu 850 Menschen, so die Zählung der Polizei, folgten ihnen durch die Straßen von Neukölln und Kreuzberg. Das Motto des Zuges: „Behindert und verrückt feiern“. Auch drei Wagen hatten sich eingereiht, verglichen mit den Dimensionen der früheren Loveparade oder des Umzugs zum Christopher Street Day ein bescheidener, aber doch ein Anfang.

Ein Bündnis von Menschen mit Behinderung, Psychiatrieerfahrung oder auch nur mit Interesse am Thema hatte die Parade organisiert, ansprechen wollte man „Freaks und Krüppel, Verrückte und Lahme, Eigensinnige und Blinde, Kranke und Normalgestörte“ – so hieß es jedenfalls im Aufruf. Und auch: „Wir sind so, wie wir sind, und das ist gut so!“ Das war ohne Weiteres kämpferisch gemeint, als Protest „gegen Benachteiligung“ – sei es durch Vorurteile auf dem Arbeitsmarkt, fehlende Rollstuhlrampen oder die Tabuisierung psychischer Probleme.

Die Teilnehmer waren auch eingeladen, ihre Gedanken auf Transparenten oder Pappen mitzuteilen, das Ergebnis waren Sprüche wie „Pflegestufe 3 und Spaß dabei“ oder auch „Normalität abschaffen!“. Eine bunte Mischung quer durch die Altersgruppen hatte sich zusammengefunden, die Teilnehmer liefen über Urban-, Baerwald-, Prinzen- und Gitschiner Straße zur Abschlusskundgebung am Kottbusser Tor. Etwa ein Viertel hatte sich kostümiert, auch einige Transgender-Aktivisten fühlten sich vom Ziel der Parade angesprochen und liefen mit.

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Pride Parade 2013 - behindert und verrückt feiern

Ähnlich wie die CSD-Parade wirkte der Zug eher wie eine Party und weniger wie eine klassische Demonstration, und das war durchaus Absicht. Die Passanten und Zaungäste am Straßenrand guckten zwar mitunter etwas verwundert, aber doch verständnisvoll. Teilweise kam bei Umstehenden sogar die Frage auf, wo man denn für die Anliegen der Pride Parade spenden könne. Und eine Kreuzberger Hochzeitsgesellschaft, die dem Zug entgegenkam, stilvoll mit Ami-Schlitten und Motorrad-Eskorte, grüßte mit Winken und viel Hallo.

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