Berlin : Erste Spur nach Angriff auf Rabbiner Wurde die Tat gefilmt?

Opfer hofft auf Durchbruch.

Kerstin Hense
Rabbiner Daniel Alter
Rabbiner Daniel AlterFoto: dpa

Drei Monate nach dem Überfall auf den 53-jährigen Rabbiner Daniel Alter in Friedenau verfolgt die Polizei offenbar eine konkrete Spur: Die Ermittler durchsuchten am Dienstag die elterliche Wohnung eines 14-Jährigen, der in der Nachbarschaft des Opfers wohnt. „Wir haben bei der Durchsuchung wichtige Gegenstände sichergestellt“, sagte am Mittwoch der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Martin Steltner. Dem Vernehmen nach soll der Junge den Überfall auf den 53-Jährigen und dessen sechsjährige Tochter vor drei Monaten mit seinem Handy gefilmt haben. Ob und von wem die Fahnder einen Tipp erhalten haben und was genau sichergestellt wurde, sagte die Staatsanwaltschaft nicht. Der 14-jährige Zeuge bestreitet, die Tat gefilmt zu haben. Zunächst müsse das beschlagnahmte Material gesichtet werden, sagte Steltner.

Mehrere unbekannte Jugendliche hatten den Rabbiner am 28. August im Beisein seiner Tochter gefragt: „Bist Du Jude?“ Danach schlugen sie auf ihn ein. Bei dem Überfall trug Daniel Alter eine Kippa. Die Tat ereignete sich kurz nach 18 Uhr in der Beckerstraße, als der Rabbiner seine Tochter gerade vom Klavierunterricht abgeholt hatte. Er kam mit Gesichtsverletzungen ins Krankenhaus und musste operiert werden. Die Täter hatten ihm das Jochbein zertrümmert.

Alter, der vor einigen Tagen mit dem Medienpreis „Bambi“ ausgezeichnet wurde, ist seit kurzem Antisemitismus-Beauftragter der Jüdischen Gemeinde. Den Preis widmete er dem sozialen Projekt „Heroes“ in Neukölln, in dem sich unter anderem junge muslimische Migranten bei Gleichaltrigen gegen Hass und Gewalt einsetzen.

Der Rabbiner hofft, dass der 14-Jährige zur Aufklärung der Tat beiträgt. „Mir geht es nicht um eine persönliche Befriedigung. Wenn Straftaten begangen worden sind, ist es ein wichtiges Zeichen für unsere Gesellschaft, dass die Täter zur Verantwortung gezogen werden“, sagt Daniel Alter. Es diene dem Sicherheitsgefühl der Menschen, die in dieser Stadt lebten, und habe möglicherweise auch eine abschreckende Wirkung für künftige Straftaten. Kerstin Hense

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