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Ex-Radprofi Jens Voigt in Berlin : Hoch und runter auf dem Teufelsberg für 25.000 Euro

Mehr als 24 Stunden radeln und schwitzen: Ex-Radsportler Jens Voigt hat in Berlin mit einer ungewöhnlichen Aktion Geld für Krebskranke gesammelt.

Lilith Grull
Mit Vollgas gegen Krebs. Der frühere Radprofi Jens Voigt fährt die Höhenmeter des Mount Everest auf dem Teufelsberg. Foto: dpa
Mit Vollgas gegen Krebs. Der frühere Radprofi Jens Voigt fährt die Höhenmeter des Mount Everest auf dem Teufelsberg.Foto: dpa

Der Weg auf dem Teufelsberg ist von den Rillen der Fahrradreifen gezeichnet. Alle Viertelstunde radelt der Ex-Profiradsportler Jens Voigt mit seinen Begleitern auf den zweiten Parkplatz an der Teufelsseechaussee in Grunewald. Freundschaften mit Wildschweinen habe er noch nicht geschlossen, scherzte Voigt am Dienstagvormittag. Zwar sei er einigen Tieren in der Nacht begegnet, konnte aber ausweichen. „Alleine bin ich nie gefahren. Auch nachts, sogar von vier bis sechs Uhr hatte ich einen Begleiter“, erzählt der 45-Jährige. „Manche sind zwei Mal gekommen, das freut mich sehr.“
Sein Ziel: Innerhalb von 24 Stunden die 8845 Meter des Mount Everest erreichen. Diese Höhenmeter wollte Jens Voigt mit 100 Mal Hoch- und Runterfahren des rund 90 Meter hohen Teufelsbergs schaffen. Everest Challenge nennt sich das und
Jens Voigt wollte sie nicht umsonst machen, sondern Geld für Krebskranke sammeln.

Eine Laolawelle im Schneeregen

Montagmittag schwang sich Jens Voigt auf den Sattel und gab damit den offiziellen Startschuss für die Aktion, die online noch bis zum 10. Januar läuft. Auch die Spender gaben gleich alles: Zwei Mal während der Challenge konnte Voigt die Zielsumme hochsetzen, von 10.000 Euro auf 20.000 Euro. Diese Grenze war bereits am Dienstagmittag überschritten. Aufhören, nur weil die Summe erreicht war, kam für Voigt und seine Begleiter aber nicht infrage.

„Ich bin völlig überwältigt – um Mitternacht wurde mir geleuchtet und ich bekam eine Laolawelle im Schneeregen. Um sechs Uhr morgens standen schon die nächsten Unterstützer am Wegrand“, erzählt Voigt. Auf den 8448 Metern begleiteten ihn nicht nur seine Familie und Fans vor Ort mit Zurufen. Fahrradbegeisterte versorgten ihn und seine Mitfahrer mit Essen und, wenn sich mal einer wehtat, auch mit Erster Hilfe.

Auch Kinder und Jugendliche radelten mit

„Es ist tragisch, aber ich denke, dass das Anliegen so viel Zuspruch bekommt, weil viele jemanden kennen, der von Krebs betroffen wurde“, sagt Initiator Voigt. „Auch deswegen ist es so relevant. Ich hoffe sehr, dass wir helfen können.“
Ab Dienstagfrüh radelte auch Thomas Courtois mit – nicht nur, um Jens Voigt zu unterstützen. Courtois’ Freundin ist an Krebs erkrankt. „Ihr widme ich meine Fahrt.“ Jochen Dose hatte in der Abendschau von der Challenge gehört. Er hat selbst schon auf dem Nürburgring an einem 24-Stunden-Fahrradrennen teilgenommen und weiß, wie hart es ist. Darum beschloss er, Jens Voigt auf den letzten Kilometern zu begleiten.
Unter den Radfahrern sind auch Kinder und Jugendliche. Ben Bettin ist 15 Jahre alt. Mit seinem Vater und kleinem Bruder macht er Triathlon. Sie entdeckten die Challenge online, beschlossen kurzerhand sich am Dienstag anzuschließen und so ein Zeichen zu setzten. Auch der 74-jährige Bodo Hirsch aus Steglitz nimmt an ein paar Runden teil. „Viel schaffe ich im meinem Alter nicht, aber das hier ist wichtig.“ Auf den letzten Kilometern radeln nicht nur gut 20 begeisterte Fahrradfahrer mit, sondern auch zwei von sechs von Voigts Kindern.

24 Stunden Radfahren, davon 14 bei Dunkelheit

Vor zwei Jahren verabschiedete sich Jens Voigt von seiner Profikarriere, da hatte er schon 17 Mal an der Tour de France teilgenommen. Rennen fährt er immer noch, oft bei der gemeinnützigen Tour de Cure – immer mit dem Anliegen, auf Krebserkrankungen aufmerksam zu machen.
Die Bedingungen bei dieser Fahrt waren hart. 24 Stunden am Stück, 400 Kilometer im winterlichen Wald. Das ist auch für einen Ex-Profi nicht leicht. Gerade die 14 Stunden Dunkelheit und der Schneeregen haben Voigt zu schaffen gemacht. Trotzdem kann er sich vorstellen, diese Tour nun regelmäßig zu veranstalten – dann aber bei besserem Wetter.

Drei Stunden über der Zeit - keine Katastrophe

Gab es bei seiner Everest Challenge auch schöne Momente? „Das Ende jeder Runde“, sagt Jens Voigt im Scherz. Nein, im Ernst: Er sei überrascht, wie schnell gespendet wurde und dass so viele die Aktion begleitet haben.
Um 13 Uhr am Dienstagmittag kam die Challenge zu ihrem offiziellen Ende. Da fehlte Jens Voigt aber noch ein gutes Stück. Nach 27 Stunden war es dann geschafft und der Ex-Profi mehr als glücklich. Drei Stunden über der angepeilten Zeit – bei einem echten Radrennen wäre das eine Katastrophe, aber hier zählt etwas anderes. Vor Ort, am Teufelsberg, wurden rund 2000 Euro gesammelt, online wurde die 25 000-Euro-Marke geknackt. „Das ist mehr, als ich erwartet habe.“ Ein schöner Sieg.
Auf www.ammado.com ist Jens Voigts Spendenaktion unter „Jensie’s Everest Challenge“ zu finden. Bis zum 10. Januar kann gespendet werden. Der Erlös geht an Tour de Cure.

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