Ex-Treberhilfe-Chef : Harald Ehlert ist zurück – im Jaguar

Der ehemalige Chef der Treberhilfe unterliegt erneut vor Gericht, seinen Job bekommt er endgültig nicht zurück. Aber sein Kampf geht weiter

von
Harald Ehlert (Bild von 2010).
Harald Ehlert (Bild von 2010).Foto: dpa

Seinen Job bei der Treberhilfe bekommt er nicht zurück, das hat Harald Ehlert nun amtlich. Auch das Landesarbeitsgericht als zweite Instanz folgte nicht der Auffassung des streitbaren Sozialunternehmers, wonach der frühere Chef der Treberhilfe eigentlich ein Arbeitnehmer war. Deshalb hat Ehlert auch nicht denselben Anspruch auf Weiterbeschäftigung in der Nachfolgeeinrichtung wie seine früheren Untergebenen. Jetzt müsse er wohl weiter in Immobilien machen, sagt er selbst. Aber sein Kampf geht weiter – denn er prüft nun eine Klage gegen den Senat.

Ortstermin in der Filmbühne am Steinplatz. Im schummrigen Kinosaal, dessen Wände mit Aufnahmen von Hollywood- Stars gepflastert sind, lädt Ehlert zum Gespräch ein. Der Ort ist nicht schlecht gewählt. Auch Ehlerts Karriere hat filmreife Züge: Als Sozialarbeiter gestartet, stieg er auf zum Sozialunternehmer mit hunderten Mitarbeitern. Dann brüskierte er die eigene Branche: Er bezeichnete die Betreuung der Ärmsten als knallhartes Geschäft, dessen Erfolg sich an Renditen messen lassen müsse.

Gibt es Stars ohne Allüren? Ehlert ließ sich vom Chauffeur im Dienst-Maserati zu den Obdachlosen kutschieren. In der Villa der Treberhilfe umsorgten ihn Haushälterin und Gärtner, es gab ein Bootshaus, Marmorbäder und rauschende Feiern im Park. Seine Gehaltserhöhungen durfte Ehlert, der zugleich Anteile an seiner Firma hielt, selbst vorschlagen. Darf einer, der am Geschäft mit der Armut verdient, so etwas? Aufgebauscht und gezielt lanciert sei das von der Konkurrenz, sagt Ehlert. Die staatlich alimentierte Branche habe damit nur von seinen Forderungen ablenken wollen, dass die Leistungen der Träger messbar und vergleichbar sein müssten – um Steuergelder zu sparen.

Wer sich so aus seinem Traum gerissen fühlt, der lässt nicht ab. Ehlert prüft nach eigener Auskunft eine Klage auf Schadensersatz gegen das Land Berlin. Die neue Treberhilfe soll sich geweigert haben, ihn einzustellen, weil die Senatsverwaltung sonst mit ihr keine Verträge für die Betreuung von Armen abschließen würde. Als „Berufsverbot“ wertet das Ehlert, Grund genug, zu klagen. Höhe des Schadens: Monatsverdienste von 23 000 Euro, seit 1. Dezember 2011.

Den Maserati fährt er schon lange nicht mehr. Er ist auf seinen privaten Jaguar umgestiegen. Die Wohnung in der Villa der Treberhilfe mietet er bis heute. Das Haus am See steht zum Verkauf. Der Käufer wird es mit Ehlert zu tun bekommen: Mietverträge bleiben auch bei einem Verkauf gültig.

Autor

37 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben