"Extrem knapp" : Technikchef zweifelt an Flughafen-Zeitplan

10.07.2012 00:00 Uhrvon
Fliegen - oder nicht fliegen? Auch hinter dem Eröffnungstermin März 2013 für den künftigen Großflughafen steht mittlerweile ein großes Fragezeichen. Foto: dpa
Fliegen - oder nicht fliegen? Auch hinter dem Eröffnungstermin März 2013 für den künftigen Großflughafen steht mittlerweile ein großes Fragezeichen. - Foto: dpa

Der neue Flughafen-Technikchef Horst Amann hat Zweifel, dass der 17. März 2013 als Eröffnungstermin des künftigen Hauptstadt-Flughafens gehalten werden kann. Unterdessen wurde bekannt, dass das Bautempo nach der verschobenen Inbetriebnahme sogar gedrosselt wurde.

Schönefeld - Der neue Flughafen-Technikchef Horst Amann hat Zweifel, dass der 17. März 2013 als Eröffnungstermin des künftigen Hauptstadt-Flughafens gehalten werden kann. „Der Zeitplan ist absolut ambitioniert. Es ist extrem knapp“, sagte Amann am Montag am Rande eines Besuchs der brandenburgischen CDU- Oppositionsfraktion im Terminal dem Tagesspiegel. Vor allem Brandschutz sei weiterhin „ein Thema“ sowie der „Kontakt zu Behörden und Organisationen für die Abnahme“. Er selbst sei inzwischen pro Woche „einen Tag, manchmal auch zwei Tage vor Ort“, habe auch „bereits einen Brückenkopf“ eingerichtet, um sich auf dem Laufenden halten zu lassen.

Nach seinem Ausscheiden als Planer der Frankfurter Flughafengesellschaft Fraport werde er Anfang August seinen Dienst in Berlin antreten. Bis Mitte August soll er dem Aufsichtsrat – geführt von Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) – mitteilen, ob der Eröffnungstermin gehalten werden kann.

Die Zweifel daran wachsen weiter. Am Montag wurde publik, dass das Bautempo im Fluggastterminal und auf der Baustelle nach der verschobenen Inbetriebnahme sogar gedrosselt wurde. „Da wurde Druck rausgenommen“, bestätigte Joachim Korkhaus, Bereichsleiter Planung und Bau des Flughafens. Nach seinen Angaben wird seitdem im Einschichtsystem gearbeitet, „an Werktagen, täglich acht, neun Stunden“. Bis zur Verschiebung der Eröffnung sei „im Dreischichtsystem gearbeitet worden, auch an den Wochenenden“. Eigentlich sollte der neue Willy-Brandt-Flughafen in Schönefeld, dessen Kosten von 3,3 Milliarden um rund 1,2 Milliarden in die Höhe gehen, schon einen Monat in Betrieb sein. Dennoch sind, wie Korkhaus sagte, derzeit 3000 Arbeiter im Außenbereich des Flughafens tätig, unter anderem mit „Erdarbeiten“. Nach seinen Angaben sollen im Terminal derzeit rund 1000 Arbeiter tätig sein, woran die brandenburgischen CDU-Politiker nach dem Rundgang durch den weitgehend verwaisten Terminal massive Zweifel äußerten. „Wir haben maximal 40, 50 Arbeiter gesehen“, sagte Vize-Landtagsfraktionschef Dieter Dombrowski (CDU). Die Baustelle sei „unaufgeräumt und schmutzig“ gewesen. Flughafensprecher Rainer Kunkel sagte, der Eröffnungstermin werde überprüft, deshalb gebe es derzeit Einschichtbetrieb. Wenn Amann im August da sei, „wird dies hochgefahren“.

Zudem macht die Brandschutztechnik im Fluggastterminal weiterhin erhebliche Schwierigkeiten. Sie sei immer noch „auf dem kritischen Pfad“, sagte Korkhaus. Er sei aber zuversichtlich, dass sie bis Dezember voll funktionsfähig werde. Aktuelles Problem ist nach Tagesspiegel-Informationen der Betrieb im Ernstfall. Nach Auflagen der Bauaufsicht muss die Entrauchungsanlage – nach Stromausfall und Einsetzen des Notstrombetriebs – innerhalb von 15 Sekunden auf volle Leistung fahren, was bislang nicht erreicht wird. Wenn die Anlage umgeplant werden müsste, sei der 17. März 2013 nicht zu halten, sagte Korkhaus. Man gehe gegenwärtig nicht von notwendigen Umplanungen aus. Für Brandenburgs CDU drohen die eigentlichen Schwierigkeiten dann nach der Inbetriebnahme, wie Dombrowski sagte: Der Flughafen werde „nicht wirtschaftlich“ sein, somit zum Fass ohne Boden für die öffentliche Hand.

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