Fahndung unter Hochdruck : Gewalttat am Alex: Polizei kennt Namen eines Verdächtigen

20.10.2012 08:24 Uhrvon
  • In der Marienkirche zeigt Tina einen Anhänger in die Kameras. Jeder in der Familie hat ein. Auch ihr getöteter Bruder Jonny. Foto: dpa
    In der Marienkirche zeigt Tina einen Anhänger in die Kameras. Jeder in der Familie hat ein. Auch ihr getöteter Bruder Jonny. - Foto: dpa
  • Nach dem Gedenkgottesdienst am Buß und Bettag für den getöteten Jonny entzündet seine Schwester ein Räucherstäbchen am improvisierten Mahnmal am Alexanderplatz. Foto: dpa
    Nach dem Gedenkgottesdienst am Buß und Bettag für den getöteten Jonny entzündet seine Schwester ein Räucherstäbchen am improvisierten Mahnmal am Alexanderplatz. - Foto: dpa
  • Unterstützung erhält Tina K. von Roland Weber, dem Opferbeauftragten des Landes Berlin. Auch er sprach beim Gottesdienst in der Marienkirche. Foto: dapd
    Unterstützung erhält Tina K. von Roland Weber, dem Opferbeauftragten des Landes Berlin. Auch er sprach beim Gottesdienst in der Marienkirche. - Foto: dapd

Update Am vergangenen Wochenende wurde ein junger Mann am Alexanderplatz zu Tode geprügelt. Nun ist die Polizei bei der Fahndung nach den Tätern einen entscheidenden Schritt weitergekommen. Möglicherweise aber haben sich die Täter bereits ins Ausland abgesetzt.

Die Polizei ist bei der Fahndung nach den Tätern vom Alexanderplatz einen entscheidenden Schritt weitergekommen. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft gibt es Hinweise auf eine Gruppe von fünf Tätern, die zuvor im Restaurant Cancun gefeiert haben sollen. Derzeit werten Ermittler Videoaufnahmen und Fotos aus Mobiltelefonen aus diesem Restaurant aus, das direkt am Tatort liegt. Dem Vernehmen nach gibt es konkrete Hinweise auf zwei Personen. Einer davon ist den Ermittlern namentlich bekannt, vom zweiten gibt es ein Foto. Festgenommen werden konnten sie aber nicht.

Ermittler schließen nicht aus, dass sie und die anderen Tatverdächtigen sich ins Ausland abgesetzt haben, vermutlich in die Türkei.

Schon die erste Pressemeldung der Polizei hatte bei den Tätern von „Südländern“ gesprochen. Wie berichtet, hatte es im Cancun eine türkische Party mit mehreren hundert Gästen gegeben. Schon in den ersten Vernehmungen hatten die Freunde des Opfers ausgesagt, dass die Täter aus der nächstliegenden Gaststätte gekommen sein sollen. Denn einer der Männer habe in der kalten Nacht nur ein dünnes Hemd getragen.

Am vergangenen Sonntag waren gegen 4 Uhr vier junge Männer, drei von ihnen mit asiatischen Wurzeln, wegen erheblicher Alkoholisierung aus dem im Fuße des Fernsehturms befindlichen Club „Mio“ gewiesen worden. Sie begaben sich in Richtung Rathausstraße, um für einen aus der Gruppe, der so betrunken war, dass er getragen werden musste, ein Taxi zu rufen. Während sich daher ein Begleiter entfernte, versuchten die Übrigen, den Volltrunkenen auf einen vor den Rathauspassagen stehenden Stuhl zu setzen. Da näherten sich fünf Personen, von denen eine den Stuhl wegtrat. Der 20-jährige Jonny K. sprach die Angreifer an, daraufhin wurde er von zwei Tätern aus der Gruppe mit Faustschlägen angegriffen und ging zu Boden. Anschließend attackierten die Männer Jonny K. mit Faustschlägen und traten in der Folge – nahezu im Kreis um das Opfer stehend – auf den Körper und den Kopf des wehrlos am Boden Liegenden ein.

Die Staatsanwaltschaft lobte „aufgrund der Brutalität dieses Verbrechens auf öffentlichem Straßenland“ eine sehr hohe Belohnung von 15 000 Euro für Hinweise aus. Ermittelt wird wegen Mordes, den Tätern droht eine lebenslange Freiheitsstrafe.

Innensenator Frank Henkel hatte die Familie des Opfers zu Hause besucht, zudem traf er sich mit den für den Alex zuständigen Polizisten. Der Sprecher der Innenverwaltung, Stefan Sukale, sagte am Freitag auf Anfrage, Henkel nehme „positiv zur Kenntnis, dass es offenbar Ermittlungsfortschritte gibt“.

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