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Fahrgastverband : Kein Pardon für fahrende Musikanten

12.10.2012 18:04 Uhrvon , Marine Mugnier
Subkultur. Auf den U-Bahnhöfen ist Musikmachen erlaubt, aber vor dem Auftritt ist eine Genehmigung einzuholen. Foto: ImagoBild vergrößern
Subkultur. Auf den U-Bahnhöfen ist Musikmachen erlaubt, aber vor dem Auftritt ist eine Genehmigung einzuholen. - Foto: Imago

Nach dem Streit mit einem Trompeter in der U 2 fordert der Fahrgastverband eine härtere Gangart gegen bettelnde Instrumentalisten. Deren Verhalten hat für manche schon "Hütchenspieler-Potenzial".

Mit den Touristen kommen die Straßenmusiker nach Berlin. Musik zu machen, ist eine der letzten genehmigungsfreien Erwerbsquellen in der Stadt. Eine Beatles-Romanze im Monbijou-Park, gecovert von einem noch unbekannten Talent, kann ein unvergessliches Großstadterlebnis sein. Gleichzeitig fühlen sich immer mehr Berufspendler in BVG und S-Bahn von fahrenden Trompeterclans aus Osteuropa belästigt.

In der U-Bahnlinie 2 eskalierte am Mittwoch ein Streit zwischen rumänischen Musikern und Fahrgästen, die sich über das laute Trompeten- und Trommelspiel beschwerten. Daraufhin schlug ein Musiker laut Polizei mit der Trompete einem Fahrgast zwei Zähne aus.

Ein ungewöhnlicher Fall, sagt BVG-Sprecherin Petra Reetz. Und nicht symptomatisch für ein zunehmendes Konfliktpotenzial. „Die Berliner sind unheimlich tolerant – oder unheimlich abgehärtet.“

Für den Berliner Fahrgastverband IGEB ist der handgreifliche Streit dagegen ein Signal, endlich zu handeln. „Das war vorherzusehen, dass jemandem mal der Geduldsfaden reißt. Was in den Zügen passiert, ist hart am Rande der Nötigung. Die Musiker müssen raus aus den Zügen“, sagt IGEB-Sprecher Jens Wieseke. BVG und S-Bahn sollten gemeinsam eine Kampagne starten, um die „Bettelindustrie“ der osteuropäischen Zuwanderer in den Griff zu bekommen.

Verboten ist das Musikmachen laut Beförderungsbedingungen in allen S- und U-Bahnzügen. Die Fahrkarten-Kontrolleure würden Untergrund-Combos schnurstracks aus den Zügen befördern, beteuert BVG-Sprecherin Reetz, aber natürlich steigen sie dann in den nächsten Zug in die Gegenrichtung wieder ein. Mit Kontrollen allein sei dem Phänomen nicht beizukommen, schon eher mit der Empfehlung, kein Geld zu geben. Doch soll man einem richtig guten Dylan-Double sein Salär verweigern?

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Die BVG rühmt sich, als eines der wenigen Beförderungsunternehmen in Deutschland Straßenmusikern eine legale Plattform zu bieten. Für bestimmte Plätze auf U-Bahnhöfen – am beliebtesten sind Alexanderplatz, Potsdamer Platz, Stadtmitte – werden Genehmigungen erteilt, für sieben Euro die Woche. Die Bewerber seien in der Regel professionelle Musiker und „verdammt gut“, sagt Reetz. Mit einigen habe man schon eine CD aufgenommen, zusammen mit Musikern der Deutschen Oper. Beschwerden von Fahrgästen gebe es selten. Dieses Modell sollte auch die S-Bahn ausprobieren, findet Jens Wieseke von der IGEB. Das Angebot einer legalen Alternative erleichtere auch die Auseinandersetzung der Kontrolleure mit den Musikern.

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