Mehr Kontrollen in der Hauptstadt : Polizei will besseren Schutz für Radfahrer

Anweisung des Präsidiums: Beamte sollen sich 2012 gezielt um die Sicherheit der Fahrradfahrer kümmern. Es soll dann auch mehr Kontrollen und Bußgelder gegen Falschparken und riskantes Abbiegen geben.

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Als "Geier aus Potsdam" stellte sich dieser Fahrer eines "Specialized Fatboy Choppers" unserer Leserin Elisabeth Pröll vor. Liebe Leserinnen, liebe Leser: Senden Sie Ihre Fotos der Berliner Radkultur an leserbilder@tagesspiegel.de!
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Foto: Elisabeth Pröll
21.07.2016 09:58Als "Geier aus Potsdam" stellte sich dieser Fahrer eines "Specialized Fatboy Choppers" unserer Leserin Elisabeth Pröll vor. Liebe...

Die Anweisung aus dem Polizeipräsidium klingt unmissverständlich: Mindestens ein Jahr lang soll sich die Berliner Verkehrspolizei gezielt um die Sicherheit der Radfahrer kümmern. Und das dürfte vor allem für Autofahrer Folgen haben. Denn die Beamten in den Direktionen sind aufgefordert, Gefahrenquellen für Radfahrer auf den Straßen umgehend zu beseitigen. Und das heißt: Falschparker müssen künftig nicht nur mit mehr Knöllchen, sondern auch mit einer persönlichen Ansprache rechnen. Nach den Vorstellungen des Präsidiums soll – falls die Einsatzlage es erlaubt – jeder Polizist jedes parkende Auto auf einer Radspur oder in der zweiten Reihe umgehend aufschreiben. „Bislang fuhren viele Beamte im Streifenwagen einfach daran vorbei, da müssen wir uns verbessern“, sagt Markus van Stegen, Chef der Verkehrspolizei, dem Tagesspiegel.

Video: Sicher Fahrrad fahren.

Begründet wird der neue Kurs mit der stetig wachsenden Zahl der Radfahrer. Ihr Anteil hat sich in den letzten zehn Jahren etwa verdoppelt; er liegt jetzt bei rund 13 Prozent, in der Innenstadt sollen es 25 Prozent sein. Als die statistisch größte Gefahr für Radfahrer will die Polizei bekämpfen: rücksichtslos abbiegende Autos. 2011 waren 1441 Radfahrer bei Abbiegeunfällen verunglückt, das waren 20 Prozent mehr als im Jahr 2010. Die meisten kamen ins Krankenhaus, die Polizei spricht von „regelmäßig schwersten Unfallfolgen“. Sechs Radfahrer wurden getötet, drei von Linksabbiegern, drei von Rechtsabbiegern. Damit ist mehr als jeder zweite tödliche Unfall von Abbiegern verursacht worden. Dies hatte der Radfahrclub ADFC bei der Vorstellung der Unfallbilanz im Februar kritisiert – und mehr Autofahrerkontrollen gefordert. Der ADFC ärgert sich seit Jahren darüber, dass die Polizei bei ihren „Radfahrerkontrollen“ die Funktion des Lichts und der Klingel überprüft, anstatt die Hauptverursacher ins Visier zu nehmen.

Die unbeliebtesten Radstrecken in Berlin:

Gefahrenschwerpunkte für Berliner Radfahrer
Mit diesen weißen "Geisterrädern" erinnert der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) an bei Unfällen ums Leben gekommene Radfahrer.
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1 von 16Foto: Henning Onken
04.04.2011 19:47Mit diesen weißen "Geisterrädern" erinnert der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) an bei Unfällen ums Leben gekommene...

Doch jetzt steuert die Polizei um. „Wir werden uns zielorientiert an Unfallbrennpunkten postieren“, kündigte Polizeidirektor Markus van Stegen an. Zu schnell oder unachtsam abbiegende Autofahrer sollen gestoppt und belehrt werden. Auf die kritisierten Lichtkontrollen bei Radlern werde man weitgehend verzichten. „Vormittags um 11 Uhr ist das unsinnig.“ Den Unfallexperten des ADFC, Bernd Zanke, freut dieser Kurswechsel: „Unsere jahrelangen Appelle scheinen gefruchtet zu haben“, sagt er. Insgesamt elf Radfahrer sind 2011 in Berlin getötet worden – ein vergleichsweise niedriger Wert. In den vergangenen zwölf Jahren hatte es viermal zum Teil deutlich höhere Zahlen gegeben. Insgesamt hatte es 7376 Unfälle mit Radfahrerbeteiligung gegeben. In 55 Prozent der Fälle hatten Radler den Unfall verschuldet oder mitverschuldet.

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