Fahrtzeiten verlängern sich : Bauarbeiten stoppen die Berliner U-Bahn

Im Berliner U-Bahn-Verkehr wird es in den kommenden Wochen strapaziös. Auf mehreren Strecken wird der Verkehr unterbrochen. Den Wassereinbruch, der zur Unterbrechung der U2 führte, lässt die BVG nun vor Gericht prüfen.

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Im U-Bahnverkehr wird es in den kommenden Wochen schwieriger. Mehrere Strecken werden gesperrt.
Im U-Bahnverkehr wird es in den kommenden Wochen schwieriger. Mehrere Strecken werden gesperrt.Foto: dpa

Erst strapazierte die Berliner S-Bahn die Nerven ihrer Fahrgäste – jetzt müssen die Nutzer der U-Bahn große Geduld aufbringen. Gleich auf mehreren Strecken wird der Verkehr in den kommenden Wochen unterbrochen, zum Teil mehr als ein Jahr lang. Bauarbeiten stoppen hier den Verkehr – planmäßig und außerplanmäßig.

Nicht vorgesehen war die Unterbrechung der U2, einer der Linien mit den meisten Fahrgästen, zwischen Mohrenstraße und Potsdamer Platz. Dort hatte es am 30. März auf der Großbaustelle für ein Einkaufszentrum am Leipziger Platz, durch deren Baugrube der U-Bahn-Tunnel führt, einen Wassereinbruch gegeben. Die BVG hat jetzt beim Landgericht ein sogenanntes Beweissicherungsverfahren beantragt, bei dem ein Gutachter klären soll, wie es zu dem Schaden kommen konnte.

Nach wie vor ist unklar, wann die Züge wieder fahren werden. Insider befürchten, dass die Sperrung noch Monate dauert. Nicht auszuschließen ist, dass es weitere Lecks gibt, zumal die Baugrube noch gar nicht komplett ausgehoben ist.

Sperrung auf der U2
Schilder wie dieses weisen Fahrgäste der U-Bahnlinie 2 am Potsdamer Platz auf den Schienenersatzverkehr bis Nollendorfplatz hin.Alle Bilder anzeigen
1 von 8Foto: Jakob Hauser
05.05.2011 09:23Schilder wie dieses weisen Fahrgäste der U-Bahnlinie 2 am Potsdamer Platz auf den Schienenersatzverkehr bis Nollendorfplatz hin.

Dem Bauherrn wirft die BVG vor, entgegen den ausdrücklichen Anordnungen die Arbeiten im Bereich des Tunnels fortgesetzt zu haben, um Verzögerungen beim Bauen sowie Mehrkosten zu minimieren. Außerdem sei bisher nicht verbindlich zugesagt worden, der BVG sämtliche Kosten zu erstatten.

Um ihre Rechte zu wahren, habe die BVG nun das gerichtliche Beweisverfahren beantragt, das bei komplexen Bauvorhaben üblich sei. Damit sollen vor allem Haftungsfragen geklärt werden. Ob sich das Verfahren auch auf die Wiederinbetriebnahme der unterbrochenen Strecke auswirkt, lasse sich noch nicht sagen, heißt es bei der BVG. Sie hofft, sich außergerichtlich einigen zu können. Am Montag soll es eine Runde mit allen Beteiligten geben. Eine Stellungnahme vom Bauherrn war am Freitag nicht zu erhalten.

Planmäßig wird von Montag bis zum 8.Juni die U1 zwischen den Stationen Möckernbrücke und Wittenbergplatz unterbrochen. Am Bahnhof Gleisdreieck müssen Stützen der Hochbahnstrecke ausgewechselt werden, die hundert Jahre alt sind. Außerdem werden der Bahnsteig der U1 sowie das Dach der Station erneuert. Die BVG investiert hier rund 2,4 Millionen Euro. Der Bahnhof wird seit drei Jahren saniert; die Arbeiten sollen noch bis 2015 dauern – auch mit weiteren Streckensperrungen.

Im Juli folgt dann die über einjährige Unterbrechung der U6 zwischen den Bahnhöfen Friedrichstraße und Französische Straße. Hier muss die Röhre abgerissen und neu gebaut werden, um den Bahnhof Unter den Linden bauen zu können. Hier werden sich dann die Linien U5 und U6 kreuzen.

Offizieller Baustart für den Lückenschluss der U5 zwischen Alexanderplatz und Brandenburger Tor ist am kommenden Dienstag. Der Bau der 2,2 Kilometer langen Strecke soll rund 433 Millionen Euro kosten und wird zum größten Teil aus Mitteln des Bundes finanziert. Im Sommer 2019 sollen dann die Züge von Hönow bis zum Hauptbahnhof fahren. Die BVG erwartet dann auf der U5 über 150.000 Fahrgäste täglich.

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