Feldhasen zwischen Plattenbauten : Hasen-Heimat Lichtenberg

Zwischen Plattenbauten im Berliner Osten hat sich eine neue Population Feldhasen angesiedelt. Bürger sind gefragt, "Hasenmelder" zu werden. Der AfD-Stadtrat könnte mehr Arbeit bekommen.

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Ein Feldhase auf einer Wiese. In Lichtenberg werden bald mehr Tiere erwartet. Bürger sollen Sichtungen melden.
Ein Feldhase auf einer Wiese. In Lichtenberg werden bald mehr Tiere erwartet. Bürger sollen Sichtungen melden.Foto: Jens Büttner/dpa

Etwa zwei bis drei Millionen Feldhasen leben in Deutschland. Elf Exemplare pro Quadratkilometer bundesweit. In Berlin-Lichtenberg sind es sogar 15. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung ruft dazu auf, „Hasenmelder“ zu werden. Auf Portal-Beee.de können Sichtungen gemeldet werden. Es gibt auch ein Online-Formular auf Berlin.de. Das Ministerium will der Frage nachgehen, wie die „landflüchtigen Hasen“ ihr Verhalten angepasst haben, um in der Stadt zurechtzukommen. Zum ersten Mal könne die Neuansiedlung von Wildtieren in der Stadt von Beginn an verfolgt werden.

Ziel des Projekts sei es auch, Stadtmenschen zu sensibilisieren. Beispielsweise könnten Grünflächen so angelegt werden, dass sie neben der Erholungsfunktion für den Menschen den Hasen als Lebensraum dienen. Der Bezirk Lichtenberg möchte als Pate des Feldhasen die vorhandene Population durch konkrete Maßnahmen unterstützen. Der Lepus europaeus wird deutschlandweit als gefährdete Tierart auf der Roten Liste geführt und fühlt sich laut dem Ministerium „in den großen Grünflächen zwischen den Plattenbauten der ehemaligen DDR in Ostberlin besonders wohl.“ Dort existiere neuerdings eine stabile städtische Population. Dies sei „dem Feldhasen nie zugetraut worden, galt er doch als wenig anpassungsfähig.“ 100 von ihnen gibt es laut dem Leibniz-Institut für Wildtierforschung in Lichtenberg insgesamt.

In Sachen Fortpflanzung sind die Tiere versiert

Auf einer Website der Deutschen Wildtierstiftung ist zu lesen, dass Feldhasen „äußerst standorttreu“ seien und ihr Revier „ein Leben lang“ behalten. In Lichtenberg soll der Osterhase nun also eine neue Heimat finden. Deutschlandweit sei der Bestand stabil, sagt Torsten Reinwald, Sprecher des Deutschen Jagdverbandes (DJV) in Berlin. Mit im Schnitt 17 Feldhasen pro Quadratkilometer bleibe Nordrhein-Westfalen allerdings Spitzenreiter. Lichtenberg kann jedoch aufholen, der Bestand wird sich in nächster Zeit weiter deutlich erhöhen. Denn in Sachen Fortpflanzung sind die Tiere versiert: Die Häsin paart sich mehrmals, innerhalb eines Wurfs sind Mehrfach-Vaterschaften möglich. Während der Tragezeit kann das Weibchen erneut trächtig werden.

Natürlicher Feind des Stadt-Feldhasen ist das Auto. Laut Jagdstatistik sind im letzten Jahr 242.000 Hasen eines unnatürlichen Todes gestorben. Dabei wurden nach DJV-Schätzungen mehr als ein Viertel im Straßenverkehr getötet. Die AfD in Lichtenberg könnte also in nächster Zeit mehr Arbeit bekommen. Denn ihr Stadtrat Frank Elischewski ist u. a. für die Organisation der Entsorgung von Tierkadavern zuständig.

Hasen-Mord kann 5000 Euro kosten

Der Tierrechtsorganisation Peta zufolge sind es jedoch Jäger, die jährlich 200.000 Feldhasen töten. Aber da leben die Tiere in Lichtenberg sicher. In Berlin ist die Jagd durch eine ganzjährige Schonzeit untersagt. Es sei erfreulich, dass ein Bezirk den Feldhasen bei der Besiedlung neuen Lebensraumes unterstützt, sagt Vanessa Reithinger von Peta. „Sicherlich kommt dem Feldhasen auch das positive Image des niedlichen Osterhasen zugute, was das Wildtier zu einem gern gesehenen Nachbarn für die Stadtbevölkerung macht.“ Lichtenberg sei "größtenteils ein befriedeter Bezirk", gejagt werden darf nur auf kleineren Flächen, die einer Jagdgenossenschaft angehören. Die Jagd im befriedeten Bezirk bedarf einer Genehmigung und ist grundsätzlich verboten. Ein Zuwiderhandeln stellt eine Ordnungswidrigkeit dar und kann mit einer Geldbuße von bis zu 5000 Euro geahndet werden. Innerhalb der (ganzjährigen) Schonzeit ist das Töten der Tiere zudem zusätzlich untersagt. Und wer keinen Jagdschein besitzt, würde eine Straftat begehen, die auch mit einer Haftstrafe von bis zu drei Jahren geahndet werden kann.

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