Festival of Lights : Neue Fragen zur Beziehung zwischen Wowereit und Schmidt

Das Festival of Lights 2010 könnte die Beziehung zwischen dem Eventmanager Manfred Schmidt und Klaus Wowereit in ein neues Licht rücken. Es gab möglicherweise doch geschäftliche Beziehungen.

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So sah die Illumination am Hotel Adlon 2010 aus. Weitere Fotos davon finden Sie hier.
So sah die Illumination am Hotel Adlon 2010 aus. Weitere Fotos davon finden Sie hier.Foto: promo

Die Beziehung zwischen dem Eventmanager Manfred Schmidt und dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hat neue Fragen aufgeworfen. Diesmal geht es um mögliche Geschäftsbeziehungen zwischen dem Land Berlin und Schmidt im Zusammenhang mit dem „Festival of Lights“. Bei der weit über Berlin hinaus bekannten Veranstaltung werden jährlich viele bekannte Gebäude der Stadt mit künstlerischen Motiven illuminiert. Nach Angaben der Illustrierten „Stern“ soll Wowereit beim Festival 2010 die Schirmherrschaft übernommen haben, obwohl Schmidt daran geschäftlich beteiligt gewesen sein soll. Laut „Stern“ habe Schmidt damit einen Nettogewinn von 159.815 Euro erzielt. Klaus Wowereit hatte nach dem bekanntgewordenen Besuch 2002 auf der spanischen Finca von Manfred Schmidt öffentlich versichert, es habe keinerlei geschäftliche Beziehungen von Einrichtungen des Landes mit Manfred Schmidt gegeben.

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Wowereit bestreitet, dass es eine geschäftliche Beziehung gegeben hat. "Klaus Wowereit ist seit Jahren Schirmherr der Veranstaltung, weil es eine sinnvolle Veranstaltung für die Stadt ist", sagt Wowereits Sprecher Richard Meng. Die Darstellung im „Stern“ sei ein „Konstrukt ohne jede Substanz“. Dass Schmidt an dem Festival beteiligt gewesen sein soll, habe man nicht gewusst. "Es ist auch unerheblich, weil es einfach keine Geschäftsbeziehung gab. Eine Schirmherrschaft ist eine ideelle Unterstützung der Veranstaltung ." Es gebe auch keinen Widerspruch zu früheren Äußerungen Wowereits.

Richtig ist, dass der Regierende Bürgermeister 2010 die Schirmherrschaft für das spektakuläre Event übernommen hat. Das „Festival of Lights“ wurde bis 2009 allein von der „City Stiftung Berlin“ veranstaltet, an der auch öffentliche Wohnungsunternehmen und die Berliner Tourismusvermarkter „Visit Berlin“, zu deren Gesellschaftern auch das Land Berlin zählt, beteiligt sind. Organisiert wird das Lichtfestival seit 2010 aber von der Eventagentur Zander&Partner. Im Vorstand der „City Stiftung Berlin“ ist auch der Erfinder des Licht-Festivals, der Licht-Designer Andreas Boehlke, vertreten. Die Stiftung habe mit Manfred Schmidt „nichts zu tun“, betont Boehlke; auch persönlich habe er niemals Kontakt mit Schmidt gehabt.

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD).
Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD).Foto: dapd

Eine Teilnahme Schmidts am Festival 2010 hat es aber dennoch gegeben. Von seiner „Residenz“ im Dachgeschoss eines Hauses am Pariser Platz hat Schmidt die Fassade des Hotels Adlon bestrahlt – vor allem mit Logos großer deutscher Unternehmen und wechselnden Farbtönen. Unter den beteiligten Unternehmen finden sich Volkswagen, die Post und auch die „Bild“-Zeitung. Von der Organisatorin des Licht-Spektakels, Birgit Zander, wird eine geschäftliche Zusammenarbeit mit dem Eventmanager strikt zurückgewiesen. „Schmidt hat mit dem Festival nichts zu tun“, versichert Agentur-Chefin Zander: „Der hat komplett eigenständig das Adlon beleuchtet“. Gleichzeitig sagt sie aber, dass es grundsätzlich nicht ungewöhnlich sei, wenn sich Privatleute am Festival mit eigenen Ideen beteiligten. „Da haben wir nichts dagegen – wenn es den guten Sitten entspricht und das Motiv einen künstlerischen Anspruch hat, dann freuen wir uns.“ Die Agentur Zander habe erst während des Festivals von Schmidts Aktivitäten erfahren. Intern, so ist zu erfahren, habe es daraufhin große Verärgerung über Schmidts Lichtprojektion gegeben. Offiziell will das Birgit Zander nicht bestätigen.

Dass die Fotos von der Adlon-Aktion sich auf der offiziellen Festival-Homepage finden und auch unter der Überschrift „Festival of Lights 2010“ laufen, wird von Birgit Zander als normales Vorgehen bei privat eingesandten Fotos erklärt. Von Manfred Schmidt war am Mittwoch keine Stellungnahme zu erhalten. Sabina Held, Sprecherin des Adlon-Hotel, sagte dem Tagesspiegel: "Im Jahr 2010 ist Manfred Schmidt auf uns zugekommen, mit der Idee, das Adlon von seiner gegenüberliegenden Residenz aus im Rahmen des Festival of Lights zu bestrahlen. Wir haben der Idee zugestimmt, weil wir das als Möglichkeit gesehen haben, uns am Festival zu beteiligen. Alles Weitere hat Herr Schmidt selbstständig in die Hand genommen."

Die Grünen jedenfalls geben sich mit den Auskünften Wowereits nicht zufrieden. Dirk Behrendt, rechtspolitischer Sprecher der Grünen im Abgeordnetenhaus, hat angekündigt, die Beziehung zwischen Schmidt und dem Land Berlin an diesem Donnerstag in der spontanen Fragestunde im Abgeordnetenhaus noch einmal zu thematisieren.

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